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Der klassische Wasserzähler soll von einem Funkwasserzähler abgelöst werden. Noch läuft eine Testphase, berichtet der Wassermeister der Stadtwerke Wolfratshausen.

Flugblätter in der Stadt verteilt

Funkwasserzähler: Wolfratshauser Bürgerinitiative ruft zu Widerspruch auf

Eine Bürgerinitiative ruft in Wolfratshausen dazu auf, Einspruch gegen den Einbau von Funkwasserzählern einzulegen. Die Stadtwerke halten das für einen Sturm im Wasserglas.

Wolfratshausen – Mit grünen Flugblättern, die in der Stadt verteilt worden sind, ruft die Bürgerinitiative (BI) zum Schutz vor Elektrosmog zum Protest auf. Es geht um den geplanten Einbau von Funkwasserzählern in Wolfratshausen. Die BI appelliert an die Bürger, bei den Stadtwerken gegen den geplanten Einbau Einspruch einzulegen. Der Wassermeister der Stadtwerke ist von dem Vorgehen überrascht. Erste Tests würden einige Behauptungen aus dem Flugblatt widerlegen.

Tobias Deißer sieht keinen Grund zur Aufregung: „Es steht noch nicht fest, ob und wann wir flächendeckend auf den Funkwasserzähler umsteigen.“ Bislang hat es laut dem Wassermeister lediglich Testläufe mit dem neuen Funkwasserzähler gegeben. „An etwa 80 Stellen im Stadtgebiet haben wir ein solches Gerät eingebaut.“ Hierbei habe es sich um schwer zugängliche Punkte gehandelt: „Bei Grundstücken, die keinen Keller haben, mussten wir in der Vergangenheit in einen Schacht absteigen, um den Zähler ablesen zu können.“ Das sei nicht nur aufwendig, sondern auch gefährlich für die Mitarbeiter der Stadtwerke. 2016 wurden die Funk-Boxen eingebaut, das Ergebnis sei bisher zufriedenstellend.

„Es ist sehr viel einfacher für uns, die Wasserstände abzulesen. Wir sparen uns damit einen großen Aufwand – personell, finanziell und zeitlich“, sagt Deißer im Gespräch mit unserer Zeitung. Ersparnisse soll auch eine flächendeckende Ausstattung bringen, wie sie der bayerische Landtag beschlossen hat: „Wir müssen nicht mehr in die Häuser, um den Stand zu lesen. Stattdessen können wir die Daten problemlos in einem Radius von 30 Metern abrufen.“ Nach der Erfahrung der Testläufe ist das Funksignal außerhalb dieses Umkreises nicht mehr stark genug, um Daten zu empfangen.

In dem Flugblatt, das die Bürgerinitiative verbreitet, ist die Rede davon, dass die technische Neuerung „durch Kellerwände hunderte bis kilometerweit in die Umgebung“ sende. Die Behauptung entspricht laut Deißer nicht den Tatsachen: „Die Strahlung reicht nicht ansatzweise so weit.“ Die Gegner des neuen Ablesesystems bringen auch den Datenschutz als Argument gegen die Neuerung ins Feld. Laut Deißer sind die Wasserzähler für Hacker aber komplett uninteressant: „Die einzigen Infos, die vom Gerät ausgesendet werden, sind die Zählernummer und der Wasserstand.“

Nicht einmal die Hausnummer sei durch die Daten ersichtlich. „Das wird bei uns erst in den Büros umgewandelt“, erklärt der Stadtwerke-Mitarbeiter. „Ich kann mir also nicht erklären, was ein Fremder, der sich in das System einschleicht, mit dem Material anfangen wollen würde.“ Zudem seien die Funksignale mit demselben Sicherheitssystem ausgestattet, das auch von Banken für die Online-Kontoführung genutzt würde. „Das ist also sicher.“

Für den Kunden soll der Einbau der Funkzähler vor allem eine Erleichterung darstellen: „Derzeit müssen jährlich die Ablesekarten von den Besitzern ausgefüllt werden.“ Da einige Bürger dies vergessen oder mit anderen Ablesungen verwechseln würden, werden diese Haushalte zusätzlich von den Stadtwerken besucht. Durch die Neuregelung wäre das nicht mehr nötig. Stattdessen könnten Deißer und seine Kollegen die Daten „im Vorbeifahren“ abrufen und sichern.

Bevor besagte Funkgeräte eingebaut werden, müssen die Hausbesitzer um Zustimmung gefragt werden. Sie haben zudem eine zweiwöchige Widerspruchsfrist. Diese Zeitspanne hält die BI für „extrem kurz, denn schon ein Urlaub kann dazu führen, dass die Betroffenen keine Möglichkeit zum Einspruch haben“. Bislang haben die Stadtwerke laut Deißer keine Rückmeldungen auf das Flugblatt erhalten. Dominik Stallein

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