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Gemeinsam für die Zukunft der Wolfratshauser Geburtshilfe: (v.li.) Hebamme Simone Färber-Meisterjahn, Mutter Christine Elb mit Sohn Lorenz, Mutter Elisabeth Brustmann, Hebamme Jutta Anzenhofer, Hebamme Nicole Lipowsky (mit Romy Brustmann), Kreißsaal-Leiterin Cornelia Lüllmann, Mutter Jasmin Schilling mit Tochter Emma, Dr. Manfred Stumpfe, Hebamme Claudia Arnold-Bertocco, Hebamme Martina Effinger sowie Mutter Maria Hübschmann mit Sohn Stefan starteten am Montag die Aktion „Born in WOR“. 

Geburtshilfe in der Kreisklinik

Geboren in Wolfratshausen

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„Born in WOR“: So heißt die Initiative, die Gynäkologe Dr. Manfred Stumpfe und die sechs Beleg-Hebammen zum Erhalt der Geburtshilfeabteilung der Kreisklinik ins Leben gerufen haben. Diese soll unbedingt erhalten bleiben – trotz des politischen und wirtschaftlichen Drucks.

Wolfratshausen – Der 6. Januar 2017 war ein großer Tag im Leben von Elisabeth Brustmann (35) aus Waldram. An diesem Tag kam Romy auf die Welt. Die Kleine ist ihr drittes Kind, und jedes wurde in Wolfratshausen von Dr. Manfred Stumpfe entbunden. Die junge Mutter kann nur das Beste über die Abteilung berichten. „Hier passt einfach alles“, sagte sie. „Es gibt überhaupt keinen Stress, man ist keine Nummer“, erzählte sie am Montag in einer Pressekonferenz in der Cafeteria der Kreisklinik. „Und die kurzen Wege sind natürlich auch wichtig.“ Klar, von Waldram zum Moosbauerweg sind es nur wenige Minuten. Ein Luxus.

Kurze Wege, Geborgenheit, 1:1-Versorgung, enger Kontakt mit den Hebammen: Werden Mütter in naher Zukunft diesen speziell Wolfratshauser Luxus noch genießen können? Das ist fraglich. Die Tölzer Asklepios-Geburtshilfe (Geburten 2016: 550) steht bekanntlich auf der Kippe. Bei der Wolfratshauser Abteilung (Geburten 2016: 261) ist davon noch keine Rede. Aber: Dr. Manfred Stumpfe, Belegarzt seit 24 Jahren, hat ein Szenario im Kopf, das ihm Sorge macht. Die Sorge, dass dem Standort Wolfratshausen demnächst das Aus droht.

Bekanntlich hat der Kreisausschuss im Januar Landrat Josef Niedermaier damit beauftragt, mit Asklepios über eine dauerhafte finanzielle Beteiligung des Landkreises an der Tölzer Geburtshilfe zu verhandeln. Die Rede ist von über einer Million Euro. So soll der Standort Bad Tölz gerettet werden. Stumpfes Befürchtung: „Es kann sein, dass es dann keine finanziellen Mittel mehr für Wolfratshausen gibt und die Geburtshilfe hier in absehbarer Zeit eingestellt wird“, sagte er am Montag. Aus diesem Grund ist der Mediziner schon seit einiger Zeit im Gespräch mit Landrat Niedermaier. Dieser hat von den Wolfratshausern ein „nachhaltiges Konzept“ gefordert. „Darin unterstütze ich ihn ausdrücklich“, so Stumpfe.

Was tun? Zunächst will die Abteilung auf sich aufmerksam machen. Am kommenden Sonntag, 19. Februar, findet ein Tag der offenen Tür statt, am Dienstag, 21. Februar, eine Lichterkette auf dem Vorplatz der Kreisklinik. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass es uns auch noch gibt“, erläutert Stumpfe. „Es gilt zu verhindern, dass unter dem hohen poltischen und emotionalen Druck, der derzeit herrscht, vorschnell Fakten geschaffen werden.“ Vor Polemik und Emotionen warnte der Gynäkologe: „Wir müssen sachlich bleiben.“

Auch die Hebammen sind alarmiert. Sie finden, dass die liebevolle Versorgung, die jungen Mütter und deren Babys am Moosbauerweg zuteil wird, ein Alleinstellungsmerkmal darstellt. Diesen Grad an Zuwendung und Geborgenheit gibt es laut ihrer Meinung sonst kaum irgendwo, auch nicht in Starnberg und schon gar nicht in München, wo die Kliniken eher einem Massenbetrieb gleichen. „Wir empfinden es als Privileg, hier arbeiten zu dürfen und uns auf jede Frau individuell einstellen zu können“, sagte Nicole Lipowsky, eine von sechs Beleghebammen in der Abteilung. „Wir wollen die Mütter weiter beim Wunder des Lebens begleiten.“

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