Eine Urlaubsinsel.
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Zum Träumen schön: Auch 2021 dürften die meisten auf eine Fernreise verzichten. Zu ungewiss ist die Lage aufgrund der Corona-Pandemie.

Gebremste Urlaubslust - Pauschalreisen am sichersten

Reisebüros kämpfen ums Überleben

  • Doris Schmid
    vonDoris Schmid
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Für Reisebüros sind Januar und Februar normalerweise starke Buchungsmonate. Doch das Geschäft ist im Landkreis fast zum Erliegen gekommen.

Bad Tölz-Wolfratshausen - „Bei uns im Büro ist es ziemlich ruhig“, sagt Michaela Gampenrieder, die seit 20 Jahren das „Wolf Travel“ in Wolfratshausen betreibt. Aufgrund des Lockdowns gibt es keinen Publikumsverkehr, und die Mitarbeiter seien in Kurzarbeit. „Doch wir halten die Stellung“, sagt die 54-Jährige. Die Nachfrage nach Reisen sei derzeit schwindend gering. Viele würden zögern, ihr Geld auszugeben, „wenn man nachher ein halbes Jahr warten muss, bis man es zurückbekommt, so wie es bei Fluggesellschaften der Fall war“. Doch die Reiseverkehrskauffrau merke bei ihren Kunden schon, „dass sie raus wollen. Das geht einem ja selber auch so.“

Kurzfristige Stornierungen sind möglich

Ihrer Meinung nach könne man in diesen Zeiten durchaus einen Trip in die Sonne buchen und sich ein bisschen Vorfreude verschaffen, sagt die Expertin. Das haben ein paar ihrer Kunden auch getan, so Gampenrieder. Sie verbrachten Weihnachten auf den Malediven oder in Costa Rica. „Sie waren begeistert. Und irgendwo im Dschungel gibt es weniger Möglichkeiten, sich mit Corona anzustecken als bei uns.“ Man müsse flexibel sein, lautet ihr Ratschlag an alle Reiselustigen. „Außerdem gibt es von Veranstaltern gute Angebote mit der Möglichkeit, bis 14 Tage vor Reiseantritt zu stornieren. Auch Flextarife bietet mittlerweile nicht mehr nur die Bahn an, sondern auch Reiseveranstaltern. Da sei der Preis ein bisschen höher, dafür habe man die Möglichkeit, kurzfristig kostenfrei zu stornieren. Gampenrieder: „Momentan ist eine Pauschalreise das sicherste.“

Diese Empfehlung gibt auch Annemarie Scheitterer vom AS-Reisecenter in Bad Tölz. „Dann ist man auf der sicheren Seite, wenn man stornieren muss. Und man bekommt sein Geld auch wieder. „Da bieten die Veranstalter sehr kulante Buchungsmöglichkeiten“, bestätigt die 59-Jährige. Diejenigen, die sich bei ihr melden, interessieren sich besonders für Ziele am Mittelmeer. „Griechenland, Italien, Spanien, die Klassiker“, sagt die Reiseexpertin. Auch Ziele mit Eigenanreise in Deutschland und Österreich seien wie im vergangenen Sommer gefragt und schon stark gebucht.

Im 23. Jahr betreibt Scheitterer jetzt ihr Reisebüro, und sie hofft, dass sie die Krise überstehen wird. Bereits im vergangenen Frühjahr musste sie sich von einer Mini-Jobberin trennen. Im Vergleich zu anderen Jahren sei das Geschäft sehr schleppend, räumt Scheitterer ein. „Jetzt wäre eigentlich Hochsaison“, sagt sie mit Blick auf den Lockdown.

Michael Sittenauer ist Busunternehmer in Dietramszell.

Für Busunternehmer Michael Sittenauer aus Dietramszell ist die Lage ebenfalls nicht einfach. Sein Großvater gründete den Betrieb vor 75 Jahren, und natürlich soll es weitergehen. „Zuversicht ist da, sonst hätte es keinen Katalog gegeben“, sagt der 53-Jährige. Dieser kam im gleichen Umfang im Spätherbst des vergangenen Jahres raus, und es gebe auch schon Buchungen für den Sommer und den Herbst. Doch die Organisation im Vorfeld sei sehr schwierig gewesen, berichtet Sittenauer. „Welches Hotel gibt es noch? Welche Gastronomie? Und welche Stadtführer?“ Das habe alles abgefragt werden müssen.

Ein weiteres Standbein sind Ausflugsfahrten von Firmen, Vereinen und Schulen. „Das ist auch alles weggefallen, weil keiner weggefahren ist.“ Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben. Sittenauer: „Es besteht ein Verbot von touristischen Reisen für uns als Busunternehmen.“ Dabei gebe es selbstverständlich auch für seine Branche Hygienekonzepte und Vorsichtsmaßnahmen. „Wir haben nie einen Corona-Fall gehabt“, sagt er mit Blick auf die wenigen Reisen, die stattgefunden haben.

Reisebüro in Geretsried macht dicht

Nicht mehr öffnen wird Klaus Stößel sein Atlantik-Luft-Reisebüro in Geretsried. „Die Corona-Pandemie ist mit der Hauptgrund für die Schließung“, sagt der Reiseverkehrskaufmann, der noch eine Filiale in Starnberg betreibt. Im Sommer 2020 sei die Hoffnung relativ groß gewesen, dass sich die Lage bessert, meint der 71-Jährige. Mit dem Ansteigen der Infektionszahlen im Herbst schwand die Hoffnung wieder. Doch die Kundschaft blickte hoffnungsvoll ins Jahr 2021 – und buchte. „Jetzt kommen die Stornierungen für Ostern rein“, so Stößel. Dafür gebe es bereits Buchungen für den Sommer. Der Experte setzt auf die Impfung gegen das Coronavirus. „Dann werden wir wieder richtig reisen können.“

40 Jahre verkauften Stößel und sein Team den Geretsriedern Urlaubsreisen, zuerst am Neuen Platz und die letzten fünf Jahre an der Sudetenstraße. Jetzt konzentriert sich der Reiseverkehrskaufmann auf seinen Standort in Starnberg. „Natürlich werden wir auch weiterhin für unsere Geretsrieder Kunden da sein“, sagt der Unternehmer. Das gehe mittlerweile auch, ohne vor Ort zu sein. „Unter unserer Geretsrieder Telefonnummer sind wir nach wie vor erreichbar.“

nej

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