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Auf tönernen Füßen steht die Geburtshilfeabteilung der Wolfratshauser Kreisklinik laut Landrat Josef Niedermaier. Der Wolfratshauser Stadtrat stemmt sich gegen die drohende Schließung.

Wolfratshausen und Geretsried ziehen an einem Strang

Gebursthilfeabteilung: „Wir werden weiterkämpfen“

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Glaubt man Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler), ist der Kampf um den Fortbestand der Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik längst verloren. Stadtrat Dr. Manfred Fleischer (CSU) sieht das anders. Er setzt auf eine Allianz der Kreispolitiker aus dem Nordlandkreis.

Wolfratshausen - 261 Geburten in der Wolfratshauser Kreisklinik im Jahr 2016: Das ist in den Augen von Landrat Niedermaier, in Personalunion Vorsitzender des Aufsichtsrats der Klinik, zu wenig. Mittelfristig sei die Geburtshilfe in der Einrichtung am Wolfratshauser Moosbauerweg nicht überlebensfähig, konstatierte Niedermaier in einem Interview mit unserer Zeitung. Ähnlich äußerte sich der stellvertretende Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn. Allein, um eine schwarze Null schreiben zu können, „müssten es mindestens doppelt so viele Geburten sein wie im vergangenen Jahr“, so Kühn.

Für Tölz ist noch ein Hintertürchen offen

Bereits beschlossen ist die Schließung der zweiten Geburtshilfe im Landkreis zum Ende dieses Monats. Diese Entscheidung hat die Geschäftsführung der Asklepios-Kliniken wie berichtet vor wenigen Tagen verkündet. Allerdings hält sich der Klinikbetreiber ein Hintertürchen offen: Eine Möglichkeit, die Geburtshilfe in der Tölzer Stadtklinik zu sichern, wäre eine gemeinsame Hauptabteilung mit einem der umliegenden Krankenhäuser.

Ein gemeinsames Belegsystem wäre sehr schwierig

Dr. Manfred Fleischer: Der CSU-Stadtrat setzt auf die Solidarität der Kreisräte im Nordlandkreis.

Laut Asklepios müsste sich der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen aber dauerhaft finanziell an einer solchen Kooperation beteiligen. Und: Die Kreisklinik kommt für Asklepios als Kooperationspartner nicht in Frage. „Wolfratshausen hat als belegärztlich geführte Abteilung mit ähnlichen Personalsorgen zu kämpfen wie wir“, stellte Asklepios-Regionalgeschäftsführer Dr. Joachim Ramming in einem Interview mit unserer Zeitung fest. Die Tölzer Belegärzte würden für eine Geburt nicht nach Wolfratshausen fahren und umgekehrt. Ramming: „Ein gemeinsames Belegsystem aufzubauen, wäre sehr schwierig. Garmisch und Agatharied tun sich als etablierte Perinatalzentren leichter, Ärzten ein attraktives Arbeitsumfeld zu bieten.“

Entscheidung fällt am 24. März

Am 24. März soll der 60-köpfige Kreisrat Ja oder Nein zu dem Vorschlag von Asklepios sagen. Bereits am kommenden Freitag werden die Mitglieder des Kreisausschusses in einer öffentlichen Sondersitzung (14 Uhr, Landratsamt) mit zusätzlichen Informationen versorgt. Rede und Antwort stehen in der Sondersitzung unter anderem der Tölzer Belegarzt Dr. Stephan Krone, der Wolfratshauser Beleg-Gynäkologe Dr. Manfred Stumpfe, Martina Winkler als Sprecherin der Hebammen, Prof. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomie, Prof. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Astrid Giesen, Vorsitzende des Bayerischen Hebammen-Landesverbandes, sowie der Geschäftsführer des Städtischen Klinikums München, Dr. Thomas Krössin.

Fleischer fordert Solidarität des Nordlandkreises

Für den Erhalt der Geburtshilfeabteilung in der Kreisklinik hat der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) eine Resolution verfasst – die von allen Stadtratsfraktionen unterstützt wird. Dr. Manfred Fleischer (CSU) appellierte in der Stadtratssitzung am Dienstagabend an die Kreisräte im Nordlandkreis, mit einer Stimme zu sprechen. Immerhin würden die wirtschaftlich starken Kommunen im Norden rund 40 Prozent der Kreisumlage zahlen, erwähnte Fleischer bei dieser Gelegenheit. Er bat Rathauschef Heilinglechner, „dem Landrat klar zu machen, dass sich der Landkreis von Jachenau bis Icking erstreckt – und nicht an den Grenzen des Altlandkreises endet“. Asklepios sei eine Privatklinik, und die Bürger hätten mutmaßlich kein Verständnis dafür, „dass Steuergeld zu Lasten der Kreisklinik eingesetzt wird“, sprich „in eine private Klinik gepumpt wird“.

Fleischer wies darauf hin, dass die Geburtenzahlen in der Kreisklinik in den vergangenen Jahren „erheblich gestiegen sind“. Vor einigen Jahren erblickten am Moosbauerweg nur etwas mehr als 100 Mädchen und Buben das Licht der Welt. „Wir müssen uns nochmal kräftig rühren“, sagte Fleischer mit Blick auf den Tag der Entscheidung am 24. März. SPD-Fraktionschef und Kreisrat Fritz Meixner meldete Zweifel an, dass die Würfel in gut einer Woche wirklich fallen. Er glaube nicht, dass bis dahin alle notwendigen Informationen auf dem Tisch liegen.

Geretsried zieht mit Wolfratshausen an einem Strang

Bürgermeister Heilinglechner berichtete, dass er bereits mit seinem Geretsrieder Amtskollegen Michael Müller (CSU) über das Thema gesprochen habe. Er, Heilinglechner, habe den Eindruck gewonnen, dass die Nachbarn mit Wolfratshausen in puncto wohnortnaher Geburtshilfe an einem Strang ziehen. Landrat Niedermaier habe ihm gegenüber darüber hinaus angedeutet, „dass er an einer Planung arbeitet“, sagte der Rathauschef, ohne konkreter zu werden. „Ich persönlich bin nicht bereit, Steuergelder in eine Privatklinik zu stecken“, sagte Heilinglechner. Wolfratshausen werde „weiterkämpfen“, kündigte er an.

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