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Stimmungsvoll: Die Wolfratshauser Gebirgsschützen standen Spalier, als am Montagabend das neue Stadtarchiv in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße eingeweiht wurde. 

Geschichte aufbewahren

Das Gedächtnis der Stadt Wolfratshausen: Archiv eingeweiht

Die Vergangenheit Wolfratshausens hat eine neue Heimat. Am Montagabend wurde das Stadtarchiv in der ehemaligen Landwirtschaftsschule eingeweiht. 1,38 Millionen Euro hat der Umbau gekostet.

Wolfratshausen – Dank professioneller Lüftungsanlage riecht es frisch und nicht nach verstaubten Akten. Die Dokumente sind in praktischen Rollregalen untergebracht. Einige sehr alte Urkunden wie ein religiöser Text aus dem Kloster Schäftlarn beziehungsweise Tegernsee um 1200 sind in Glasvitrinen im Erdgeschoss ausgestellt. Dort lässt sich auch das Foto von der Johanni-Floßprozession im Jahr 1910 bewundern. Danach war das Ereignis bis in die 1990er Jahre ausgesetzt.

Dias und Fotos bei acht Grad geschützt

In einem Lesesaal können Besucher in den historischen Unterlagen forschen. Im ersten Stock befinden sich die gut gekühlten Magazinräume. Dias und Fotos seien am besten bei acht bis zwölf Grad Celsius geschützt, erklärt Bauamtsmitarbeiter Thomas Wenig. Er führt die Besucher nach dem offiziellen Teil der Einweihungsfeier durch die Räume im Hauptgebäude des Altbaus aus dem Jahr 1905.

Wie Stadtarchivar Simon Kalleder erklärt, sind über 300 so genannte Laufmeter Archivmaterial vom bisherigen Standort, dem alten Pumpenhäuschen an der Loisach, ins neue Domizil an der Bahnhofstraße umgezogen. Ein Laufmeter entspricht fünf Kartons gefüllt mit bis zu 20 Archivalien. Die Gegenstände, aber auch Kalleder mit seinen vier ehrenamtlichen Mitarbeitern haben nun viel mehr Platz.

Wolfratshauser Geschichte aufbewahren

Bürgermeister Klaus Heilinglechner betonte zuvor in seiner Rede, wie wichtig es sei, die Geschichte aufzubewahren – nicht nur auf CD, sondern auch in ihrer ursprünglichen Form. Seit 1003, der ersten urkundlichen Erwähnung Wolfratshausens, gebe es einiges aufzubewahren: über 1000 Bände an Rats- und Briefprotokollen, rund 10 000 Fotos und Postkarten, Zeitungsartikel, Dokumente über das Displaced-Persons-Lager Föhrenwald sowie das Personenstands- und das Flößerarchiv.

Der Verlust der Landwirtschaftsschule, die 2014 ins Grüne Zentrum nach Holzkirchen zog, sei für die Loisachstadt „schmerzhaft“ gewesen, so Heilinglechner. Doch nun freue sich die Stadt als Eigentümerin über die neue Nutzung des Hauses mit Heilerziehungspflegeschule, Kindertagesstätte, Wohnraum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Stadtarchiv.

Archive „nicht besonders sexy“

Kultusminister und Ehrengast Dr. Bernd Sibler meinte, es sei „nicht besonders sexy“, sich im Stadtrat mit Archiven zu befassen. Doch wer einmal ein Jahrtausende altes Schriftstück in Händen gehalten habe, könne sich der „Faszination des Originals“ kaum entziehen. Diesen Reiz gelte es für die jüngere Generation zu erhalten. Dr. Michael Unger vom Staatsarchiv München verwies auf die gute Zusammenarbeit mit Wolfratshausen. Landrat Josef Niedermaier wünschte dem Stadtarchiv „das Interesse, das es verdient“. Ordnungsamtsleiter Martin Melf, „Alt-Wolfratshauser mit Leib und Seele“, wie er sich selbst bezeichnete, gab ein Stück aus der Geschichte der Burg zum Besten.

Tanja Lühr

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