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Mann aus Bayern überlebt Corona-Infektion gerade so – jetzt will er sich doch impfen lassen

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Von: Doris Schmid

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Patient Rolf W. kann die Intensivstation der Wolfratshauser Kreisklinik bald verlassen. Seinen beiden „Engeln“, Ärztin Anne Otto (li.) und Sandra Filser, Leiterin der Station, ist er sehr dankbar.
Einfach nur glücklich: Patient Rolf W. kann die Intensivstation der Wolfratshauser Kreisklinik bald verlassen. Seinen beiden „Engeln“, Ärztin Anne Otto (li.) und Sandra Filser, Leiterin der Station, ist er sehr dankbar. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Er überlebte Corona – und dafür ist Rolf W. sehr dankbar. Der Mann aus Bayern, der eine Impfung ablehnte, lag mit schweren Lungenproblemen auf der Intensivstation.

Wolfratshausen/Geretsried – Rolf W. fing sich das höchst ansteckende Virus Anfang November ein und lag mehrere Tage mit schweren Lungenproblemen auf der Intensivstation der Wolfratshauser Kreisklinik. Mittlerweile geht es dem 60-Jährigen den Umständen entsprechend gut. Er will den Rat von Oberärztin Anne Otto annehmen und sich jetzt doch gegen Corona impfen lassen, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Corona-Infektion überstanden: Ungeimpfter Mann aus Bayern überlebt

Bei unserem Besuch liegt der Projekt-Ingenieur mit einem weiteren Patienten in einem der abgetrennten Bereiche auf der Covid-19-Intensivstation, die die Kreisklinik eingerichtet hat. Die Tür öffnet sich mit einem leisen Zischen auf Knopfdruck. Ärzte und Pflegekräfte dürfen den Raum nur mit Schutzausrüstung betreten. Es sind die Geräusche eines Beatmungsgeräts zu hören.

Die Maschine versorgt den Bettnachbarn von Rolf W., der im künstlichen Koma liegt und beamtet werden muss. „Dieser Kelch ist an mir vorüber gegangen“, sagt der Geretsrieder hörbar erleichtert. „Ich hatte Angst vor dem Intubieren, da habe ich gerade noch die Kurve bekommen.“ Statistisch betrachtet sterben etwa 40 bis 50 Prozent der invasiv beatmeten Covid-19-Patienten.

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Ungeimpfter Geretsrieder: Vermutlich auf der Zugfahrt mit Coronavirus infiziert

Der Geretsrieder hat eine Vermutung, wo er sich mit dem Coronavirus infiziert hat. „Ich war Anfang November bei meinem Vater in Berlin“, erzählt Rolf W. Er reiste mit der Bahn in die Hauptstadt. Auf dem Heimweg sei der Zug „total voll“ gewesen. Die Menschen hätten alle eine Maske getragen. Aber da muss es wohl passiert sein, glaubt er. Ein, zwei Tage später „habe ich angefangen, ein bisschen zu hüsteln“. Ein Corona-Test bestätigte die Infektion. Innerhalb weniger Tage verschlechterte sich der Gesundheitszustand von Rolf W. massiv, und er wurde mit schwerem Lungenversagen in die Kreisklinik eingeliefert. Mit einer Maske wurde er beatmet. „Er hat bis zu 90 Prozent Sauerstoff gebraucht“, verdeutlicht Oberärztin Anne Otto. „Mehr als 100 Prozent haben wir nicht.“

Nach dem, was ich durchgemacht habe, will ich mich auf jeden Fall impfen lassen. Ich bin ja kein Ignorant, nur ein bisschen stur.

Corona-Patient Rolf W.

Gut zehn Tage nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus geht es Rolf W. schon viel besser. An ihm hängen noch mehrere Schläuche, und er wird noch mit einer sogenannten Nasenbrille mit Sauerstoff versorgt. Bald kann er auf eine normale Station verlegt werden. Darüber ist der 60-Jährige sehr froh. „Das macht mich sehr glücklich“, sagt er. Allen, die ihn umsorgt haben, sei er sehr dankbar. „Die Dankbarkeit ist ganz tief hier drinnen“, sagt Rolf W. während er eine Hand auf sein Herz legt. Ihm sei aber auch klar, dass er noch einen langen Weg vor sich hat, bis er wieder gesund ist.

Kein Corona-Leugner oder Alu-Hut-Träger: Zunächst Zweifel an Impfung

Warum er sich bislang nicht hat impfen lassen, erklärt Rolf W. so: Er sei kein „Corona-Leugner oder Alu-Hut-Träger“, versichert er. Aber er sei trotzdem im Zweifel gewesen, was eine Impfung gegen das Virus angeht. In den Medien sei die Meinung der Befürworter sehr präsent. „Aber es gibt auch andere Meinungen von Experten. Das hat mir gefehlt“, versucht der Geretsrieder seine Skepsis zu erklären. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was das Richtige ist, und ich hätte mir eine breitere Diskussion gewünscht.“ Dann hätten ihn die Ereignisse überrollt.

Lesen Sie auch: Impfen, Testen und der Alltag: So erlebt ein Hausarzt die Corona-Krise

„Nach dem, was ich durchgemacht habe, will ich mich auf jeden Fall impfen lassen“, kündigt der Geretsrieder an. „Ich bin ja kein Ignorant, nur ein bisschen stur.“ Allen, die noch nicht geimpft sind, rät er: „Es ist deine persönliche Entscheidung, ob du dich impfen lässt oder nicht. Aber ich kann aus meinen Erfahrungen berichten. Berücksichtige das bei deiner Entscheidung.“

Übrigens: Seine Ehefrau (59) steckte Rolf W. wohl mit dem Virus an. Sie hatte aber nur leichte Symptome und kurierte sich zu Hause in Isolation aus. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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