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Die Zeichen stehen gut: Der Gelbe Sack oder die Gelbe Tonne könnten ab  2018 im Landkreis eingeführt werden.

Holen statt bringen 

Vorteil Gelbe Tonne

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Wolfratshausen - Die Tage des jetzigen Müllsystems im Landkreis dürften gezählt sein. Ab 2018 könnte der Gelbe Sack oder die Gelbe Tonne die oft ungeliebten Wertstoffinseln ersetzen. Näheres wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Reiner Späth, Chef des landkreiseigenen Abfallwirtschaftsunternehmens AWU, legte dem Kreistag am Mittwoch den Geschäftsbericht vor, ging auf die vergangenen Monate ein, blickte aber auch nach vorne. Zum Jahreswechsel waren Gebühren für Papier- und Biomülltonnen eingeführt worden. „Eigentlich war das für die Leute kein Thema. Für die meisten war es verständlich, dass wir nach 20 Jahren an der Gebührenschraube drehen mussten.“ Es habe eine Klage gegeben, diese sei aber abgelehnt worden, so Späth.

Für immer größere Diskussionen sorgt dagegen das Bringsystem für Wertstoffe, das im Landkreis gilt. Anders als beispielsweise in Weilheim-Schongau kommt nicht alles in einen Gelben Sack, sondern wird von den Bürgern zu Wertstoffinseln gefahren und dort nach Alu, Blister und dergleichen getrennt. Das Problem: Es ist aufwändig, und die Werstoffinseln schauen oft alles andere als ordentlich aus. Der Gaißacher Alexander Hofmann startete heuer sogar eine Online-Petition, um eine Umstellung auf den Gelben Sack zu bewirken (wir berichteten). Mehr als 1600 Menschen aus dem Landkreis haben die Petition unterschrieben.

Späth hat in den vergangenen Wochen auch mit Vertretern der Kreistagsfraktionen über das Thema gesprochen. Sein Fazit: „Es gibt schon noch Bewahrer des alten Systems. Aber ich erkenne eine Tendenz zur Einführung eines Hol-Systems.“ Einfach umstellen kann der Landkreis darauf aber nicht. „Das Sammelsystem für Leichtverpackungen ist nicht Teil der öffentlichen Abfallentsorgung“, erklärt Späth.

Hintergrund ist, dass seit 1991 die Wirtschaft dazu verpflichtet ist, in Umlauf gebrachte Verpackungen wieder zurückzunehmen. Daraus entstand die gemeinsame Entsorgung im Dualen System. „Dieses wird von der Wirtschaft über Lizenzgebühren finanziert“, berichtete Landrat Josef Niedermaier. Früher gab es nur einen Dienstleister, der das Einsammeln von Verpackungsmüll organisierte – bis gegen diese Monopolstellung vorgegangen wurde. „Heute haben wir zehn Duale Systeme“, so Niedermaier. Am 26. Oktober wird der Landkreis an einen dieser zehn Partner verlost. „Wir müssen mit ihm eine Vereinbarung treffen. Dann schreibt er die Sammelleistung aus.“ Das könnte im Frühjahr 2017 passieren. Eingeführt werden könnte das neue Hol-System Anfang 2018 – sobald der Vertrag mit der Firma, die momentan die Wertstoffe an den Inseln abholt, endet.

Gelber Sack oder Gelbe Tonne – beides sei denkbar, sagt Späth. Letztere sei aber die teurere Lösung. Allerdings wird die Tonne von vielen bevorzugt, wie Grünen-Fraktionschef Klaus Koch in der Kreistagssitzung deutlich machte. „Die Tonnen wäre klar unser favorisiertes System“ – auch weil sie in einer Tourismusgegend wie dem Tölzer Land das Landschaftsbild nicht so verschandeln, wie an der Straße liegende Gelbe Säcke.

Die Bürger müssen sich aber schon 2017 auf einige Neuerungen in Sachen Müll einstellen. Sind momentan die Städte und Gemeinden dafür zuständig, die fälligen Gebühren einzuziehen, wird das ab dem kommenden Jahr „zentral über uns erfolgen“, sagt Späth. Nicht mehr automatisch geben wird es zudem den Tonnen-Abfuhrkalender. Man könne ihn sich aber aus dem Internet ausdrucken. Zudem gibt es eine neue App fürs Smartphone, die die Daten für die Tonnenleerung und vieles weitere liefert. Späth beruhigt aber auch: „Zumindest für eine Übergangszeit werden wir den Kalender noch bei den Gemeinden auslegen.“

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