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Weiblich, männlich oder divers: Über eine gendergerechte Sprache wird derzeit viel diskutiert. 

Redepult statt Rednerpult

Gendergerechte Sprache: Wie es die Landkreis-Behörden damit halten

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Hannover macht ernst: Die Stadt führte die gendergerechte Sprache ein, ersetzte Wähler durch Wählende und Lehrer durch Lehrende. Wie machen das die Behörden im Landkreis?  

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Wählende“ und „Lehrende“ – aber keine „Ansprechpartner“ und „Rednerpulte“ mehr: Hannover führt die gendergerechte Sprache ein. Im Landkreis gibt es vereinzelte Tendenzen in diese Richtung.

Sprache soll nicht diskriminieren: Deshalb gibt es für die Stadt Hannover keine „Wähler“ mehr – sondern nur noch „Wählende“. Niemand soll mehr ans „Rednerpult“ treten – sondern ans „Redepult“. Die 11 000 Mitarbeiter der niedersächsischen Hauptstadt sind keine „Ansprechpartner“ mehr. Auf der Internetseite, in E-Mails, Briefen und Broschüren soll es stattdessen heißen: „Auskunft gibt ...“

So handhabt es auch das Tölzer Landratsamt. „Auf der Homepage haben wir anstatt ,Ansprechpartner‘ mit ,Auskunft erteilt‘ eine neutrale Begrifflichkeit gewählt“, sagt Pressesprecherin Sabine Schmid. Darüber hinaus sei es der Behörde wichtig, Bürgerinnen und Bürger in Schreiben, Richtlinien, Grußworten und Publikationen gleichermaßen anzusprechen. „Bei Stellenausschreibungen verwenden wir, um alle anzusprechen, den Gendergap, einen Unterstrich bei der Geschlechtertrennung.“

Die Stadt Bad Tölz hat sich ebenfalls schon mit dem Gender-Thema befasst. „In Stellenausschreibungen nutzen wir tatsächlich die gendergerechte Form „Mitarbeiter (m/w/d) gesucht“, teilt Pressesprecherin Birte Otterbach mit. Das bedeutet, dass die Bezeichnungen männlich und weiblich um den Ausdruck „divers“ ergänzt werden. Dass eine weitere Option möglich sein muss, hatte das Bundesverfassungsgericht im Oktober 2017 entschieden. In allen anderen mündlichen oder schriftlichen Veröffentlichungen verzichte die Stadt bislang darauf, um das „ohnehin schon komplizierte Amtsdeutsch nicht noch weiter zu verkomplizieren“. Otterbach: „Gerade in mündlichen Beiträgen kommt es sehr auf den Redefluss an.“ Selbst die Form „Wählende“ könne eine Barriere darstellen – weiche sie doch sehr vom sonst üblichen Gebrauch der Alltagssprache ab, so Otterbach. Aber man werde die Entwicklung in den anderen Kommunen verfolgen und sich zu gegebener Zeit ebenfalls die umfassende Nutzung der gendergerechten Sprache überlegen.

An einer leicht verständlichen Sprache ist auch der Geretsrieder Verwaltung gelegen. „Unser Ziel war bisher immer, unsere Veröffentlichungen so einfach und bürgernah wie möglich zu gestalten und nicht zu verkomplizieren“, sagt Pressereferent Thomas Loibl. Wo immer möglich, verwende die Kommune merkmalsneutrale Formulierungen. Darüber hinaus folge man den Empfehlungen der Ministerien – beispielsweise bei der Formulierung von Stellenausschreibungen mit (m/w/d). Im Wolfratshauser Rathaus wird derzeit ein Konzept zur Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen für die Jahre 2019 bis 2022 erarbeitet. „Das Konzept sieht eine sprachliche Gleichbehandlung bereits vor“, erläutert der Geschäftsführende Beamter Roland Zürnstein. „Insbesondere sollen bei der Abfassung von Vorschriften und Formblättern sowie bei Seminarunterlagen und auf den Webseiten Formulierungen gewählt werden, die Frauen und Männer gleichermaßen berücksichtigt.“ Stellenanzeigen würden bereits die Auflistung (m/w/d) enthalten.

Im Münsinger Rathaus bemüht man sich laut Bürgermeister Michael Grasl „unabhängig von dieser aktuellen und meines Erachtens etwas aufgeregt diskutierten Frage immer um gendergerechtes Vorgehen und Auftreten. Insbesondere bei Stellenausschreibungen.“ Der Bürgermeister-Sprecher im Landkreis will deswegen nicht in „Aktionismus“ verfallen. Kommunen hätten ganz andere Sorgen und Aufgaben, so Grasl: „Wir sollten uns um noch mehr Barrierefreiheit kümmern oder um mehr Radwege. Sonst versäumen wir vor lauter Gendergerechtigkeit andere wichtige Dinge.“

nej

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