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Jung und Alt an einem Tisch: Beim Generationen-Frühstück im Waldramer Pfarrheim wurde ausgiebig geratscht.

„Der Gewinn ist das Miteinander“

Generationen-Frühstück in Waldram

Wolfratshausen – Angeregte Plaudereien bei Kaffee, Quiche und Flötentönen: So war das Generationen-Frühstück in Waldram.

Intensives Gemurmel erfüllt den Saal des katholischen Pfarrheims in Waldram. Das Frühstücksbuffet ist reich gefüllt. Brezn und Semmeln, dazu Marmelade, Wurst und Käse. Es gibt Melone und Obstsalat, deftige Quiche und süßen Sandkuchen. Gereicht werden Tee oder Kaffee, mit oder ohne Koffein. Beim Essen und Trinken wird ausgiebig geratscht – über die Schlafgewohnheiten der Ehemänner („meiner steht um vier auf dem Balkon und hört den Vögeln zu“), die Vorzüge des neuen Pfarrers („der ist wirklich nett“) und das Glück, dass der Ortsteil mit dem neuen Edeka-Pächter erfahren hat („es liegt schon an uns, ob er sich hält“).

So hatte Astrid Leinhas-Grosch sich das gewünscht, als sie zum Generationen-Frühstück einlud. Anlass war das 45-jährige Bestehen des Sozialkreises Waldram. Weil außerdem die Mutter-Kind-Spielgruppe (Mu-Ki-Gruppe) dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert, lag die Idee eines generationenübergreifenden Treffens auf der Hand. Doch der Blick in die Runde zeigte: An den Tischen hatten sich in erster Linie unternehmungslustige Senioren versammelt. „Das Mittelalter fehlt. Aber es gibt ja auch wahnsinnig viele andere Angebote“, stellte die Vereinsvorsitzende Leinhas-Grosch fest. Sie hatte alle 70 Kinder, die in den vergangenen zehn Jahren Spaß in der Mu-Ki-Gruppe hatten, persönlich eingeladen.

„Es ist schade, dass so wenige junge Leute gekommen sind“, bedauerte Susanne Raw (44), die mit Ehemann Oliver (47), ihren Töchtern Bianca (5) und Katharina (7) sowie Oma Rosemarie Kindtner (77) gekommen war. „Ich hatte mich gefreut, Freunde von damals wiederzutreffen, das war leider nicht der Fall.“ Ihr Tischnachbar Manfred Weingärtner (67) freute sich über die Unterhaltung mit der jungen Familie. Er suche Gesellschaft, bekannte der alleinlebende Rentner. Deshalb hatte er seine Nachbarin Rosemarie Günther (82) sehr gerne zum Frühstück begleitet. „Wenn was los ist, sind wir da: Frühstück, Tanz oder Filmvortrag, ganz egal“, betonte Christa Pasternak (75), die mit Ehemann (77) die unterhaltsame Generationenrunde komplettierte. „Ich kannte die jungen Leute nicht“, freute sich die 75-Jährige über die netten Plaudereien am Tisch – zum Beispiel über die Gärtnerleidenschaft ihres Gatten, der im eigenen Garten „alles anbaut: Kartoffeln, Mais, Erbsen, Bohnen gelbe Rüben“. „Deshalb will sie nicht beim Edeka kaufen“, witzelte Manfred Weingärnter auf der anderen Tischseite und bekam natürlich prompt Kontra.

Plötzlich verstummte das Gemurmel, hörten die Kaffeetassen auf zu klappern. Mucksmäuschenstill wurde es im Saal, als die „Flötenkinder“ von Barbara Heider, darunter Bianca und Katharina, die Bühne betraten und vier Stücke vortrugen, die sie in nur einer Woche eingeübt hatten. Gekostet hat die Besucher die Frühstücksrunde übrigens nichts. Wer wollte, konnte eine Spende hinterlassen. „Der Sozialkreis lädt ein und finanziert das Ganze“, erklärte Leinhas-Grosch. „Wir machen keinen Gewinn. Der Gewinn ist das Miteinander.“ Am 6. Juli besteht dazu erneut Gelegenheit, wenn die Kirchengemeinde St. Andreas Schüler und Senioren zum Sozialen Tag einlädt.

von Rudi Stallein

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