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S7-Verlängerung: Anhörungsverfahren dauert an

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Von: Doris Schmid

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S7 Verlängerung, Simulation
Endstation im Süden: Die Stadt Geretsried soll endlich an das S-Bahn-Netz angeschlossen werden und drei Bahnhöfe erhalten. © Stadt Geretsried

Das Großprojekt S7-Verlängerung ist unterwegs. Nächster Halt: der Planfeststellungsbeschluss. Wann er erlassen wird, ist angesichts von 800 Einwendungen schwer zu sagen.

Wolfratshausen/Geretsried – Erst Baurecht, dann Baubeginn: Mit diesen vier einfachen Worten lässt sich der langwierige und komplizierte Prozess zum Planfeststellungsverfahren für die Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried zusammenfassen. Wie es derzeit im Detail ausschaut, wollte unsere Zeitung von den Beteiligten wissen.

Im Juli dieses Jahres hakte der scheidende Geretsrieder Bundestagsabgeordnete Andreas Wagner (Die Linke) bei der Bundesregierung nach, wann mit einer Fertigstellung und Inbetriebnahme des Gleisabschnitts von Wolfratshausen in die größte Stadt im Landkreis zu rechnen sei. Eine belastbare Abschätzung hinsichtlich des Baubeginns und der anvisierten Inbetriebnahme im Jahr 2028 könne erst mit „Vorliegen bestandskräftigen Baurechts“ erfolgen, lautete die Antwort auf Wagners Frage. Baurecht besteht, wenn das Eisenbahnbundesamt einen Planfeststellungsbeschluss erlässt. Damit wäre das Mammutprojekt formell genehmigt, und die Deutsche Bahn dürfte mit der Umsetzung beginnen.

Rückblick: Anfang 2020 wurden die Pläne für die 9,2 Kilometer lange Gleisverlängerung in den Kommunen Wolfratshausen, Geretsried und Königsdorf öffentlich ausgelegt. Bürger sowie Träger öffentlicher Belange hatten die Möglichkeit, sich schriftlich dazu zu äußern und Einwände vorzubringen. Parallel dazu waren die betroffenen Behörden aufgefordert, ihrerseits eine Stellungnahme abzugeben.

Im Februar dieses Jahres begann die Regierung von Oberbayern als zuständige Behörde mit dem Anhörungsverfahren. Aufgrund der Corona-Pandemie fand der Erörterungstermin nur online statt. Zusammen mit der Benachrichtigung über die Internet-Konsultation erhielten die Teilnehmer die Erwiderung der Vorhabenträgerin – also der Bahn – auf ihre individuelle Äußerung. Daraufhin hatten die Teilnehmer erneut Gelegenheit, sich zu äußern. Die Antworten der Bahn gab die Regierung im August dieses Jahres an die jeweiligen Einwender und Träger öffentlicher Belange weiter.

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„Zum Abschluss des Anhörungsverfahrens wird die Regierung von Oberbayern eine Stellungnahme verfassen, in der alle Einwendungen behandelt werden, die sich im Laufe des Verfahrens nicht erledigt haben“, kündigt Pressesprecher Wolfgang Rupp an. Die Bearbeitung der Einwendungen dauere allerdings noch an. Aufgrund ihrer Vielzahl (rund 800) könne noch kein konkreter Zeitpunkt genannt werden, „an dem die finale Stellungnahme vorliegt und das Anhörungsverfahren abgeschlossen sein wird“.

Um die S-Bahnverlängerung „schnellstmöglich“ realisieren zu können, treibt der Freistaat laut Verkehrsministerium parallel zum Planfeststellungsverfahren die Verhandlungen zum Bau- und Finanzierungsvertrag mit der Deutschen Bahn voran. Die Verlängerung der S7 von Wolfratshausen nach Geretsried sei fester Bestandteil des vom Freistaat auf den Weg gebrachten Programms „Bahnausbau Region München“, versichert ein Sprecher. Eine Unterzeichnung des Vertrages werde jedoch erst auf Grundlage des Planfeststellungsbeschlusses möglich sein. Als Termin hatte eine Sprecherin der Bahn unserer Zeitung gegenüber das Jahr 2023 genannt.

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Ansonsten gibt es von Seiten der Bahn „aktuell keinen neuen Stand zu vermelden“. Zunächst gelte es den Abschluss des Verfahrens abzuwarten, teilt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Aber: Mit Felicitas Polanetzki gibt es eine neue Projektleiterin für die S7-Verlängerung. Sie folgt auf Michael Hatzel, der laut Bahn neue Aufgaben übernommen hat. Polanetzki ist Ingenieurin und zeichnet für die Planung und Umsetzung des Bauprojekts verantwortlich.

Die Planung und der Bau von Gleisen, Brücken und Bahnhöfen wird einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen – und zwar mindestens 167 Millionen Euro. Basis für diese Kostenschätzung ist eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2012, die im Rahmen eines Runden Tisches erstellt wurde. Mittlerweile dürften sich die Kosten um einiges erhöht haben. Im Wesentlichen soll die Verlängerung aus Mitteln des Bunds und des Freistaats gefördert werden. Aber auch der Landkreis, die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Deutsche Bahn AG beteiligen sich finanziell. „Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist der Nachweis eines positiven Nutzen-Kosten-Verhältnisses“, teilt ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf Nachfrage der Redaktion mit. Zur Erinnerung: Die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) aus dem Jahr 2009 hatte nur knapp einen positiven Faktor von 1,09 geschafft. Wie der Sprecher bestätigt, wird zu einem gegebenen Zeitpunkt auf Grundlage des dann aktuell gültigen Planungsstands nochmals eine NKU erstellt. „Wann genau und nach welchem Verfahren die standardisierte Bewertung durchzuführen ist, wird im Rahmen der laufenden Gespräche mit dem Bund noch abgestimmt.“

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