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Er sagte "Sch...bullen"

Geretsrieder behindert Festnahme des Kumpels

Geretsried - Dass zwei Polizisten seinen Kumpel verhaften wollten, fand ein Geretsrieder (28) nicht so lustig. Weil er die Festname verhindern wollte, musste der Metallbauer vor Gericht.

Am 17. Februar vorigen Jahres wollten sich eine aus Weilheim kommende Polizistin und ihr Kollege in einem Schnell-Imbiss an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen ein Mittagessen holen. Dabei erkannten sie unter den Gästen einen Wolfratshauser, der per Haftbefehl gesucht wurde. Als dieser mit zwei Begleitern wegfahren wollte, hielten die Beamten das Fahrzeug auf, um die Personalien der Insassen festzustellen. Der Gesuchte und der Angeklagte gaben dabei an, keine Ausweise dabei zu haben. Als sie gebeten wurden auszusteigen, versuchte der Wolfratshauser zu fliehen.

Nach Aussage der Polizistin (43) dauerte es eine ganze Weile, bis sie den Mann, dem es zwischenzeitig sogar einmal gelungen sein soll, sich aus den Fesseln zu befreien, endlich im Dienstwagen hatten. Das habe auch daran gelegen, dass der Angeklagte sich eingemischt habe. „Er fasste mich an der Schulter und rief: Was wollt ihr von dem? Lasst ihn los“, erklärte die Zeugin vor Gericht.

Als sie dem Flüchtenden hinterher fahren wollte, habe sich der Geretsrieder vor ihr Auto gestellt und die Polizisten als „Sch.... bullen“ und „Dreckschweine“ beschimpft. Rückblickend wertete die Polizistin das Eingreifen des Angeklagten jedoch als nicht besonders gravierend. „Er war nicht hoch aggressiv, eher von oben herab“, so die Zeugin.

Noch vor der Verhandlung hatten Gericht und Staatsanwalt dem Beschuldigten in Aussicht gestellt, ihn mit einer Bewährungsstrafe davonkommen zu lassen, wenn er ein Geständnis ablege. Sein Anwalt erklärte daraufhin: „Er räumt alles ein.“

Der Angeklagte brachte mit 13 Vorstrafen ein beachtliches Bündel mit in die Verhandlung. Neun Jahre seines Lebens hat er bereits hinter Gittern verbracht. Im vergangenen Jahr hat bei dem 28-Jährigen aber offenbar ein Umdenken stattgefunden. Jedenfalls zeichnete der Bewährungshelfer ein positives Bild seines Zöglings. „Es hat sich vieles geändert, er hat sich ganz erheblich positiv entwickelt“ sagte dieser. „Eine erneute Haft würde das Erreichte komplett zunichte machen.“ Der wortkarge Angeklagte begründete seinen Sinneswandel mit einem einzigen Satz: „Das ganze Leben, das Gefängnis, das war alles sinnlos.“

Richter Berger verurteilte den Geretsrieder zu neun Monaten Gefängnis. Die Strafe setzte er für vier Jahre zur Bewährung aus. „Es hat eine deutliche Veränderung in seiner Persönlichkeitsstruktur stattgefunden“, stellte Berger in seiner Urteilsbegründung fest. Als Auflage muss der Verurteilte 1200 Euro an die Caritas-Suchtberatung zahlen.

von Rudi Stallein

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