Der Eingangsbereich des Trachtenmodengeschäfts Fischer-Pflügl mit Stefan und Gudrun Fischer.
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Wieder offen: Das Trachtenmodengeschäft Fischer-Pflügl in Wolfratshausen durfte wie alle Einzelhändler am Montag wieder öffnen - sehr zur Freude von Stefan und Gudrun Fischer

Geschäfte dürfen seit Montag wieder öffnen

Endlich wieder Einkaufen: So lief der erste Tag nach dem Lockdown

  • vonDominik Stallein
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Raus aus dem Corona-Lockdown: Seit Montag ist der Einzelhandel im Landkreis wieder geöffnet. Die Kunden freuten sich - für Verwirrung sorgen die Regelungen.

Geretsried/Wolfratshausen – Die niedrige Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis macht es möglich: Nach wochenlanger Zwangspause öffneten am Montag wieder die Geschäfte. Die Einzelhändler sind nach dem Lockdown, der seit Mitte Dezember galt, erleichtert. Die Kunden nehmen das Angebot an. Sowohl in Geretsried als auch in Wolfratshausen herrschte am Montag geschäftiges Treiben.

Sandra Wagner

Sandra Wagner trägt drei prall gefüllte, große Tüten eines Bekleidungsgeschäfts mit sich. „Ich habe vier Kinder, für die ich eingekauft habe“, erklärt sie. Die Geretsriederin hat sich trotz der Schlepperei über den Einkaufsbummel sehr gefreut: „Man kriegt ein Stück weit Leben zurück“, meint die 40-Jährige. „Man sieht endlich wieder Menschen, das macht so viel aus.“

Für die Geschäfte freut es mich besonders. Da war klar, dass ich auch wieder in die Läden gehe, statt im Internet zu suchen“

Caroline Pauli aus Ascholding

Nicht nur für die Kunden ist das Präsenz-Shoppen ein Fortschritt, wie Carolina Pauli sagt: „Für die Geschäfte freut es mich besonders. Da war klar, dass ich auch wieder in die Läden gehe, statt im Internet zu suchen“ – auch weil Beratung und menschliche Kontakte im Geschäft nicht zu ersetzen seien. Die Ascholdingerin ist froh, „dass endlich wieder Leben auf der Straße ist“. Sie ärgere sich aber über manche Zeitgenossen, die sich nicht an das Abstandsgebot halten: „Wir wollen diese Lockerungen doch nicht gleich wieder verspielen.“

Die 37-Jährige hat den ersten Tag nach der Zwangsschließung direkt genutzt und im Isar-Kaufhaus in Geretsried einige Besorgungen gemacht. Dessen Geschäftsführer Frederik Holthaus ist mit dem ersten Tag zufrieden. „Es sind viele Menschen unterwegs, und es läuft gut.“ Während er spricht, geht eine Frau an ihm vorbei. „Schön, dass Sie endlich wieder aufmachen dürfen“, ruft sie Holthaus zu. „Ja, nach zwölf Wochen“, antwortet er und lächelt. „Wahnsinn“ meint die Kundin und setzt ihren Bummel fort.

Auch wenn die Einzelhändler erst am Donnerstag vom Startschuss erfahren hatten, gab es für Holthaus keine Probleme mit der Warenlieferung: „Wir haben unsere Frühjahrs- und Sommerkollektion schon früh bekommen.“ Die Winterbekleidung, die während des Lockdowns im geschlossenen Kaufhaus stand, „können wir vielleicht im nächsten Winter noch verkaufen“.

Ein Funken Hoffnung - für Kunden und für Unternehmer

Auch in Wolfratshausen nutzen zahlreiche Menschen die Wiederöffnung nach dem Lockdown für einen Einkaufsbummel. „Natürlich freue ich mich darüber, dass die Läden wieder aufmachen dürfen“, sagt Renate Händl aus Baierbrunn. Sie genießt „das bisschen Hoffnung, das man durch die Lockerungen wiederbekommt“.

Renate Händl

Hoffnung macht die Öffnung auch den Unternehmern. „Man merkt allgemein eine Erleichterung darüber, dass es wieder vorwärtsgeht. Einige Kunden durften wir heute schon wieder im Laden begrüßen“, sagt Stefan Fischer vom Trachtenmodengeschäft Fischer-Pflügl.

Inzidenz-Regelungen könnten für Verwirrung sorgen

Auch Fritz Schnaller von der Raritätenstube ist zufrieden: „Es ist doch schön, wenn wieder Menschen in den Markt kommen.“ Für Irritationen könnten in seinen Augen die aktuellen Regelungen sorgen: Liegt die Corona-Inzidenz nämlich stabil zwischen 50 und 100, können Kunden nur nach vorher vereinbarten Terminen einkaufen. Liegt der Wert im Landkreis drei Tage nacheinander über 100, fällt diese Möglichkeit wieder weg. Bei einer Inzidenz unter 50 – wie aktuell – können Geschäfte Kunden ohne Termin einlassen – und zwar eine Person pro zehn Quadratmeter Ladenfläche. „Ich kann mir vorstellen, dass manche das nicht sofort überblicken“, so Schnaller.

Manche Händler brauchen mehr Vorlaufzeit und bleiben noch geschlossen

Als Antiquitätenhändler ist Schnaller in einer komfortablen Lage: „Mein Sortiment hatte ich schon da.“ Bei Bekleidungsgeschäften ist das zum Teil anders. Deshalb hat sich Ines Boodevaar, Inhaberin von drei Modegeschäften in der Altstadt, entschieden, bis Freitag mit einer Öffnung zu warten. „Die Meldung, dass wir wieder loslegen können, kam ziemlich kurzfristig, wir brauchen noch ein bisschen Vorlaufzeit“, erklärt die Geschäftsfrau.dst

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