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Verfahren eingestellt: Stattdessen muss die Angeklagte Schmerzensgeld zahlen – und 500 Euro an die Lebenshilfe überweisen. 

Amtsgericht

Beim Kopfstoß hört die Liebe auf

Ein junges Paar fetzt sich über Jahre immer wieder. Nach einem Kopfstoß endet ihre Liebe schließlich vor dem Amtsrichter.

WolfratshausenNach einem Streit im Schlafzimmer will ein 28-jähriger Wolfratshauser seine Freundin vor die Tür setzen. Die 27-Jährige wehrt sich mit einem Kopfstoß, bricht dem Mann dadurch das Nasenbein. Knapp ein Jahr nach dem Vorfall, der das endgültige Aus ihrer Liebe bedeutete, traf sich das Ex-Paar jetzt vor dem Wolfratshauser Amtsgericht wieder.

Vielleicht hätten die Krebs-Frau und der Schütze-Mann, als sie sich im Sommer 2011 in einem Ferienclub auf der spanischen Menorca kennen lernten, einen Blick ins Partnerschaftshoroskop werfen sollen. Das hätte ihnen womöglich einiges erspart, denn dort ist zu lesen: „Als Beziehungspartner passen sie einfach nicht zusammen, denn beide verbinden sich mehr zu einem explosiven Gemisch, als zu einer harmonischen Einheit.“

„Es war von Anfang an kompliziert, anbrüllen gab es öfter“, schilderte die Angeklagte den Beginn ihrer Liebesgeschichte. „Wegen Kleinigkeiten gab es häufig Auseinandersetzungen“, bestätigte ihr Ex-Freund. Beiderseitige Eifersüchteleien förderten die Streitlust. Trotzdem übte der eine auf den anderen einen so starken Reiz aus, dass die zwei im Oktober 2013 zum ersten Mal zusammenzogen. Im Jahr darauf wechselten sie gemeinsam Wohnung und Wohnort.

Im neuen Zuhause sei es zum ersten Mal zu Handgreiflichkeiten gekommen, „weil sich Kleinigkeiten hochgeschaukelt haben“, berichtete die Frau. „Erst hat alles soweit gepasst, aber dann hatte sie richtige Ausraster“, erinnert sich der Mann. Im Sommer 2015 trennte man sich, das Fest der Liebe ein halbes Jahr später feierten sie wieder gemeinsam. „Es wäre schade, alles hinzuschmeißen, jetzt, wo wir so viel durchgemacht haben“, argumentierte der Schütze. Dem Krebs gefiel das. Am 1. April 2016 wagten sie den x-ten Neuanfang. Drei Tage später krachte es. Ihr Freund habe „im Bett auf dem Laptop ein Video angeschaut, zum Einschlafen“. Sie habe ihn gebeten, Kopfhörer zu benutzen, weil der Film zu laut gewesen sei, berichtete die Beschuldigte. Trotzig habe sie dann mit ihrem Handy Musik gehört, ergänzte der Ex. „Kommunikation: schlecht“, verrät das Partnerhoroskop. Ein Wort gab das andere, bis sie erbost sein Notebook zuklappte. Das war zuviel für ihn: Er packte die zierliche Frau, trug sie in den Flur. Dort gab sie ihm einen Kopfstoß. Sie habe versucht, sich aus seiner Umklammerung zu befreien, dabei sei sie versehentlich mit der Stirn gegen seine Nase gestoßen, so die Version der Angeklagten. Der Mann habe kurz aufgeschrieen und sei direkt ins Krankenhaus gefahren. Nach einer Stunde kam er zurück. Diagnose: Nasenbeinfraktur.

Zwar erstattete er am nächsten Tag Anzeige, inzwischen habe er „rein menschlich gesehen“ eher kein Interesse mehr daran, dass seine Ex-Freundin für den Vorfall strafrechtlich belangt werde. „Müssen wir ein Urteil fällen?“, fragte Amtsrichter Helmut Berger, nachdem die zwei ihre jeweilige Geschichte erzählt hatten. Der Staatsanwalt zuckte kurz mit den Schultern, was so viel bedeutete wie: von mir aus nicht. Gegen eine Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld für die zertrümmerte Nase und 500 Euro an die Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen stellte das Gericht das Verfahren vorläufig ein.

Der Online-Astrologe sagt: Die Frage, ob Krebs und Schütze zusammenpassen, muss eindeutig verneint werden.

Rudi Stallein

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