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Ein 18-Jähriger musste sich wegen Marihuanabesitzes vor Gericht verantworten.

Trieb der 18-Jährige Handel?

Vor Gericht - wegen 38 Gramm Marihuana in der Jacke

Wolfratshausen – Ein 18-Jähriger landete vor dem Richter, weil er Marihuana bei sich hatte. Der Vater hatte den Konsum zuvor geahnt - und heftig geschimpft.

Als der Vater im Flur den Duft von Marihuana roch, wurde er „züntig“. „Ich habe ihm gesagt: Das Zeug kommt mir aus dem Haus. Ich will so was nicht in der Wohnung haben“, erzählt der Wolfratshauser (54) dem Jugendrichter.

Der Sohn (18) gehorchte, steckte sich ein Marmeladenglas und eine kleine Blechdose, gefüllt mit 38 Gramm Marihuana, in die Jackentasche, und machte sich auf den Weg zum Waldramer Skaterplatz. „Dort wollte ich es im Gebüsch verstecken“, sagt der 18-Jährige. Er kam jedoch nur bis zur Brücke über der B11. Dort wurde er kurz vor dem Ziel von einer Zivilstreife aufgegriffen. Das war am 10. November vorigen Jahres. Nun musste sich der Auszubildende wegen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln und unerlaubtem Drogenbesitz vor dem Jugendrichter verantworten.

„Wenn einer mit fast 40 Gramm Marihuana in der Gegend rumläuft, liegt der Gedanke an Handeltreiben nahe“, sagte der Polizeibeamte, dem der junge Mann in die Arme gelaufen war. Allerdings fand die Polizei keine weiteren Hinweise, die den Verdacht erhärtet hätten. Die Wohnung es Angeklagten war nicht durchsucht, sein Handy nicht auf mögliche Verbindungen in der Drogenszene ausgewertet worden. Deshalb hätte es keinen Staranwalt wie den Münchner Thomas Pfister gebraucht, um hinsichtlich der zwei Anklagepunkte festzustellen: „Richtig ist: Besitz. Falsch ist: Handeltreiben.“

Das musste auch Richter Urs Wäckerlin eingestehen: „Die Menge allein reicht nicht, um ihn wegen Handeltreibens zu verurteilen.“ Allerdings habe er sich bei der Menge, die bei dem Angeklagten gefunden wurde, auch nicht dazu durchringen können, die Sache „mit ein paar Sozialstunden abzufrühstücken“.

Arbeitsauflagen im unteren Bereich, hatte die Verteidigung als ausreichende erzieherische Maßnahme angesehen, um den jungen Mann – der sich aus eigenem Antrieb um eine stationäre Therapie zur Behandlung seines Drogenproblems bemüht – auf den rechten Pfad zurückzuführen. Das hatte der Azubi schon nach seiner ersten Verhandlung wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz im Juni 2015 versucht – leider vergeblich. Die Teilnahme an entsprechenden Kursen des Landratsamts hatte nicht die erhoffte Wirkung erzielt. „Sonst säßen wir jetzt nicht hier“, stellte der Richter fest – und verurteilte den Wolfratshauser zu zwei Wochenenden Arrest.

von Rudi Stallein

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