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Werden in Zukunft in Wolfratshausen noch Kinder auf die Welt kommen? Das ist eine Frage, die im Moment viele umtreibt. 

Kreisklinik Wolfratshausen

Wilde Gerüchte um die Geburtshilfe

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Wolfratshausen - Die Gerüchteküche brodelt: Steht die Schließung der Wolfratshauser Geburtshilfeabteilung kurz bevor? Das Landratsamt dementiert energisch.

Verlässt man sich auf das, was auf Facebook zu lesen ist, sind die Tage der Wolfratshauser Geburtshilfe gezählt. Auf Facebook und anderswo heißt es, dass der Bestand akut gefährdet sei. Dass eine Sitzung stattgefunden habe, in der dies bereits beschlossen worden sei. Und dass es durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen liege, dass der Wolfratshauser Standort geschlossen werde, um die Geburtsstation in Bad Tölz zu retten. Wieder einmal hätte der Nordlandkreis das Nachsehen.

Die Hebammen sind "extrem beunruhigt"

Die sechs Hebammen an der Wolfratshauser Kreisklinik sind jedenfalls alarmiert. „Stimmt schon, wir sind extrem beunruhigt“, sagt Nicole Lipowsky stellvertretend für ihre Kolleginnen. Wenn dem so wäre, dass die Abteilung geschlossen werden soll, hätte sie nicht das geringste Verständnis. „Wir leben in einer der reichsten Gegenden Europas, und wir haben einen Babyboom“, sagt sie. „Eine Schließung wäre totaler Unsinn.“ Ihre pointierte Meinung: „Wenn Frauen statt Kindern kleine BMW auf die Welt bringen würden, hätten wir das Problem nicht.“

Lichterkette gegen die Schließung

Um gegen die Gefahr zu protestieren, haben sich die Hebammen etwas überlegt: So soll am Sonntag, 19. Februar, zwischen 11 und 16 Uhr ein Tag der offenen Tür stattfinden. Am Dienstag, 21. Februar, findet für werdende Eltern der monatliche Infoabend ab 19 Uhr statt. Vorher, um 18 Uhr, sind möglichst viele Bürger zu einem stillen Protest mit Lichterkette auf dem Vorplatz der Kreisklinik aufgerufen.

Die Klinikleitung weiß von nichts

Aber: Ist eine Schließung wirklich akut? Die Klinikleitung weiß von nichts. „Es überrascht mich davon zu hören“, sagt Geschäftsführer Hubertus Hollmann. Im Gegenteil, in der Geburtshilfe laufe es gut. „Wir haben hier eine funktionierende Belegabteilung, und die Ärzte und Hebammen sind sehr engagiert“, sagt er. Von einem bevorstehenden Aus könne keine Rede sein.

Das Belegarztsystem ist nicht zukunftsfähig

Allerdings räumt Hollmann ein, dass grundsätzlich das Belegarztsystem, ähnlich wie in Bad Tölz, problematisch sei. Es sei immer schwerer, Ärzte zu finden, die sich der Aufgabe stellen. Im Moment seien zwei Belegärzte in der Kreisklinik beschäftigt, Dr. Manfred Stumpfe und Dr. Ilena-Maria Niculescu. Was passieren würde, wenn einer von beiden aufhört, darüber müsste man sich dann Gedanken machen. Die Politik habe das Problem aber erkannt: „Die Parteien sind ja schon sehr aktiv“, sagt Hollmann. „Wir suchen nach der bestmöglichen Lösung.“

Das Landratsamt widerspricht sämtlichen Gerüchten

Auch im Landratsamt weiß man nichts von einer akuten Gefahrenlage. „Es ist überhaupt nichts beschlossen worden, und es steht auch nichts dergleichen an“, sagt Pressesprecherin Marlis Peischer. Sicher seien die Zahlen nicht die besten. Von den 1350 neuen Landkreisbürgern jährlich käme etwa nur die Hälfte im Landkreis zur Welt, etwa 550 in Bad Tölz, etwa 250 in Wolfratshausen. „Das ist natürlich eine gewisse Crux“, sagt Peischer. Das Gerücht, dass am 22. Februar eine Entscheidung fallen soll, ob Wolfratshausen oder Tölz erhalten werden soll, weist sie zurück. An diesem Tag trete zwar der Kreistag zusammen. Die Geburtshilfe stehe aber nicht auf der Tagesordnung.

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