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Hoffen auf ein Wiedersehen mit ihren Eltern: Esraa, Ahmed und Sanaa. Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein will der Familie helfen.  

„Ich habe nur ein paar Bilder auf dem Handy.“

Gesetz zerreißt Familie: Wann sehen diese Kinder ihre Mama wieder?

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Der Krieg in Syrien und die Flucht vor den Bomben haben die Familie von Aziza und Hassan getrennt. In Wolfratshausen sind sie sicher – aber alleine mit ihren Geschwistern. Ihre Eltern dürfen nur ohne ihre weiteren drei Kinder nachkommen.

Wolfratshausen– Die vier Geschwister Abdullah (21), Ahmed (13), Sanaa (11) und Esraa (19) aus Syrien leben seit einem Jahr bei ihrer Schwester Aziza (25) und deren Mann Hassan (28) in Wolfratshausen. Von ihren Eltern sind sie 3000 Kilometer entfernt: Die sind in einem Flüchtlingscamp in der Türkei untergebracht. Für die Familie besteht Hoffnung auf ein Wiedersehen – aber der Preis dafür ist hoch: Wollen die Eltern nach Deutschland kommen, müssen sie ihre drei anderen minderjährigen Kinder zurücklassen. So will es das Gesetz.

Hassan bekommt die Bilder aus Syrien nicht mehr aus dem Kopf. Bilder von der Zerstörung seiner Heimat, den Bombenangriffen, der Verzweiflung, Verstümmelung und Tod von Freunden und Bekannten. „Die Menschen hatten keine Chance“, sagt er leise. Als er vom Grund seiner Flucht im Jahr 2015 erzählt, sitzt er in seiner neuen Wohnung. In Sicherheit. Wie verloren knetet er seine Hände, schaut auf den Boden. Damals, zu Hause in Aleppo, hatte der IT-Fachmann Arbeit, lebte mit der Familie in guten materiellen Verhältnissen. Mit dem Krieg brach seine Welt zusammen. Das Haus der Familie wurde bombardiert. „Die eine Seite war wie wegrasiert. Nun hatten wir nichts mehr“, erzählt Hassan. Er spricht fließend Deutsch.

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Der Familienrat beschloss, dass die Söhne Ahmed und Abdullah, damals elf beziehungsweise 19 Jahre alt, als erste versuchen sollten, sich zu retten. „Mit dem Boot sind wir nach Griechenland gekommen, von da aus ging es weiter nach Deutschland.“ Die restliche Familie, Hassan, seine Frau Aziza (25), die Schwiegereltern und Azizas fünf Geschwister, wählten den Landweg in die Türkei. „Doch ohne Arbeit, ohne Krankenversicherung – wie sollten wir hier Fuß fassen?“

25-Jährige hat die Mutterrolle für ihre Geschwister übernommen

Erneut trennte sich die Familie in der Hoffnung, ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Hassan, Aziza und die beiden jüngeren Schwestern Esraa (10) und Sanaa (11), machten sich auf den Weg nach Deutschland. „Seitdem habe ich meine Mama nicht mehr gesehen“, wirft Esraa ein. „Ich habe nur ein paar Bilder auf dem Handy.“ Leise beginnt sie zu weinen. Aziza greift nach ihrer Hand, drückt sie. Auch in ihren Augen stehen Tränen. Verstohlen wischt sie sie weg. Die 25-Jährige will stark sein für die Geschwister. Sie hat die Mutterrolle übernommen.

Ihre Eltern könnten jetzt alleine nachziehen. „Die anderen Kinder müssten in der Türkei bleiben“, erklärt Flüchtlingshelferin Ines Lobenstein, die die syrische Familie unterstützt. „Man muss sich einmal vorstellen, was in der Mutter vor sich geht: Sie soll zwischen ihren Kindern entscheiden. Sie soll sich nun zum dritten Mal von einem Teil ihrer Familie verabschieden.“

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In Deutschland hat Ahmed Flüchtlingsstatus, der Rest der Familie steht unter subsidiärem Schutz. Laut dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird dieser Menschen gewährt, die glaubhaft darlegen können, dass ihnen in ihrem Heimatland ernsthafter Schaden droht – wie die Todesstrafe, wie Folter, wie erniedrigende Behandlung oder Bestrafung. „Wir wollen in Frieden zusammen mit unseren Kindern und der Familie leben“, sagt Hassan, der vor drei Monaten selbst zum ersten Mal Vater geworden ist. Ihre kleine Tochter haben er und seine Frau Aziza Malak genannt: Engel.

Um seine Familie wieder zu vereinen, überlegt sein Schwiegervater nun, seine Kinder aus Wolfratshausen zurück in die Türkei zu holen. „Doch was würde sie dort für ein Leben erwarten?“ fragt Lobenstein. „Die Kinder in der Türkei, 14, 15 und fünf Jahre alt, arbeiten in einer Fabrik, in der sie Elektroschalter zusammenschrauben, ohne die Möglichkeit, wie ihre Geschwister hier, in die Schule gehen zu können.“

Eine Heimkehr nach Syrien kann sich die Familie dagegen durchaus vorstellen – vorausgesetzt es herrscht Frieden. „Wenn es so weit ist, dann gehen gebildete Menschen zurück, die ihr Wissen weitergeben können.“ Lobenstein stockt kurz. „Vor allem aber gehen sie mit einem Herz voller Liebe.“

sh

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