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Rund 50 Hektar groß ist das Areal westlich der Bundesstraße 11 bei Waldram. Laut Stadtrat Richard Kugler (parteifrei für die CSU) gehört der Großteil der Felder mehreren Einzelpersonen.

Vorstoß kommt nicht gut an

Gewerbegebiet bei Waldram? Stadtrat sagt „Finger weg“

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Wolfratshausen - Christian von Stülpnagels Vorstoß hat den Blutdruck von Stadtrat Richard Kugler in gefährliche Höhen schnellen lassen. Westlich der B11 ein neues Gewerbegebiet schaffen? Das komme nicht in Frage.

In einem Gespräch mit unserer Zeitung hatte Stülpnagel darauf hingewiesen, dass die Flößerstadt in seinen Augen über zu wenig Gewerbeflächen verfügt. Für den UWW-Chef mit ein Grund dafür, dass Betriebe – wie jüngst der Logistiker Loxxess – der Loisachstadt den Rücken kehren beziehungsweise sich keine neuen Unternehmen ansiedeln. Stülpnagels Vorschlag: Die Felder westlich der B 11 bei Waldram, rund 50 Hektar groß, als Gewerbefläche auszuweisen (wir berichteten). „Stillstand ist Rückschritt“, lautet Stülpnagels Credo, „wir könnten etwas säen, das der nächsten Generation nutzt.“

„Das ist nicht zu Ende gedacht“, kontert Stadtrat Richard Kugler (parteifrei für die CSU), in einem Telefongespräch mit unserer Redaktion. Auf der einen Seite gehöre von den Feldern „fast nichts der Stadt“. Eigentümer seien mehrere Privatpersonen. Zum anderen weist Kugler auf die Konsequenzen hin, die die Ausweisung des Areals als Gewerbefläche hätte: „Nehmen wir mal an, wir schaffen 300 bis 500 neue Arbeitsplätze: Dann brauchen wir die entsprechende Infrastruktur.“ Kugler nennt als Stichworte Wohnraum, Kindertagesstätten und Schulen. Er rechnet zudem nicht mit einem Plus an Gewerbesteuer, „da die Firmen zunächst ihre Investitionen geltend machen“. Stülpnagel habe eine „Milchmädchenrechnung“ angestellt.

Kugler steht auf dem Standpunkt: „Finger weg von diesem Grundstück.“ Schon heute sei Wolfratshausen „an der Grenze“, statistisch betrachtet leben in der Stadt 2000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Laut Kugler heißt das Platz 45 im deutschlandweiten Vergleich. „Ich will hier bei uns nicht alles zubauen wie im Ruhrpott“, sagt der Kommunalpolitiker. „Ich will nicht aus jeder freien Wiese Baugrund machen.“ Nicht zuletzt „gibt’s bei uns Gottseidank auch Landwirte, die ihre Flächen bewirtschaften“. Grund und Boden „ist nicht vermehrbar“. Er sei „schockiert“, dass der Vorsitzende der Unternehmervereinigung diese Tatsache ignoriere.

Auch die durch ein neues Gewerbegebiet ausgelöste Verkehrsbelastung lasse Stülpnagel unerwähnt: Er, Kugler, habe schon das Bild vor Augen, wenn sich „tagtäglich hunderte Lkw den Autobahnzubringer hinauf- und hinunterstauen“. Sein Fazit: Eine „Zerstörung unserer bayerischen Heimat“ werde es mit ihm nicht geben.

Der Wirtschaftsreferent des Stadtrates, Ex-Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung), beurteilt Stülpnagels Vorschlag differenziert. Er sei überzeugt davon, dass es für den Standort zahlreiche Interessenten geben würde. Natürlich wäre er nicht traurig, wenn sich durch Neuansiedlungen zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen generieren ließen. Doch das Areal an der B 11 „steht derzeit nicht ganz oben auf der Agenda“, sagt Forster. Noch sei es Tenor im Stadtrat, „die Fläche für nachfolgende Generationen zu bewahren“. Denn es sei „eines der letzten großen Entwicklungsbereiche“, die es in der Kommune gebe. Zudem sei Wolfratshausen mit seinen zwei Gewerbegebieten „sehr gut aufgestellt“, urteilt der Wirtschaftsreferent. Es spreche aus seiner Sicht aber auch nichts gegen eine „ergebnisoffene Diskussion“, welche Möglichkeiten die knapp 50 Hektar Grund bieten. Kugler indes warnt: „Der Stadtrat könnte so eine Lawine lostreten – und niemand weiß, wo die niedergeht.“

cce

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