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Volles Haus: Die Besucherempore im Sitzungssaal war am Dienstagabend gut gefüllt. Die Befürworter der in Weidach geplanten künstlichen Surfwelle verließen das Rathaus nach der Abstimmung tief enttäuscht.

Finanzierungslücke von rund 64.000 Euro

Gibt‘s eine Surfwelle in Wolfratshausen? Stadtrat hat entschieden

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Der Stadtrat hat am Dienstagabend mehrheitlich entschieden: Das Projekt Surfwelle in Wolfratshausen ist beendet.

Wolfratshausen – „Damit ist das Projekt Surfwelle in Wolfratshausen beendet“: Diese Feststellung traf der sichtlich enttäuschte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) am Dienstagabend um Punkt 18.27 Uhr. Zuvor hatte es der Stadtrat mit 11:14 Stimmen abgelehnt, die im Februar beschlossene Deckelung des städtischen Zuschusses von 400 000 Euro aufzuheben beziehungsweise den Betrag zu erhöhen. Wie berichtet fallen die Fördermittel aus dem Leader-Programm der Europäischen Union rund 64 000 Euro niedriger aus als bislang angenommen. Die Stadt hätte die Finanzierungslücke schließen müssen, um die restlichen gut 270 000 Euro in Aussicht gestellten Fördermittel zu bekommen.

175.000 Euro Planungskosten sind verloren

Gegen die Aufhebung des Februar-Beschlusses votierte die CSU-Fraktion (mit Ausnahme von Renate Tilke) geschlossen, darüber hinaus Manfred Menke, Fritz Schnaller, Fritz Meixner, Gerlinde Berchtold und Roswitha Beyer (alle SPD) sowie Dr. Hans Schmidt (Grüne) und Helmut Forster (BVW).

Mehrfach hatte Rathauschef Heilinglechner zuvor an die Räte appelliert, das Vorhaben nicht sterben zu lassen. Er wies mit Nachdruck darauf hin, dass es nicht zu einer Kostensteigerung gekommen sei. Stattdessen gebe es weniger Leader-Mittel, immerhin noch gut 270 000 Euro. Das sei deutlich mehr als für lokale Projekte üblich. Das zeige die Bedeutung, die der Surfwelle von den Entscheidungsträgern beigemessen werde. Und: Durch ein Nein wären 175 000 Euro, die die Kommune bereits in das Projekt investiert habe, verloren. „Bedenken Sie auch die Arbeit, die der Verein ,Surfing Wolfratshausen‘ sechs Jahre gemacht hat“, so Heilinglechner eindringlich.

„Wir schätzen das Engagement des Vereins“, betonte CSU-Fraktionschef Günther Eibl. Doch mit der Deckelung auf 400 000 Euro habe die CSU im Februar erklärt: „Das ist das Ende der Fahnenstange – und die ist heute erreicht.“ Eibl schloss weitere „Unwägbarkeiten, die da kommen werden“, nicht aus. Er gehe im Gegensatz zum Bürgermeister nicht von sinkenden Baupreisen, „sondern von Erhöhungen aus“.

SPD-Fraktionschef ist „sprachlos“

„Das ist hier kein Spaß mehr“, meinte SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner. Es mache ihn „sprachlos“, dass „wir so lange unterwegs sind und jetzt erst erfahren, was nicht förderfähig ist“, sagte er rückblickend auf die inzwischen sechsjährige Diskussion. Meixner erinnerte daran, dass das Projekt im Februar bereits auf dem Sterbebett lag. „Wir alle gemeinsam haben uns aber dazu durchgerungen, es weiterzuführen“, das Ergebnis sei die Festlegung auf die finanzielle Schmerzgrenze von 400 000 Euro gewesen. Er habe auf die vom Rathaus kommunizierte Leader-Förderung vertraut, doch nun sei „der nächste Unfall“ passiert. „Ich habe das Vertrauen in das Projekt verloren, ich bin heute leider raus.“

„Wir stehen zu dem Projekt“, erklärte der Fraktionsvorsitzende der BVW, Josef Praller. „Ja, es wird mehr kosten, aber das ist uns das Projekt wert.“ Die Surfwelle (Gesamtinvestition: 800 000 Euro) wegen einer Finanzierungslücke von 64 000 Euro zu Grabe zu tragen, sei für ihn keine Option, so Praller mit dem Hinweis auf den Haushalt 2020, der ein Volumen von gut 41 Millionen Euro habe.

Grünen-Stadtrat blutet das Herz

„Ich gehöre zu denen, die an die Strahlkraft des Projekts glauben“, sagte Annette Heinloth (Grüne). Zudem sei es „nicht wirtschaftlich gerechnet“, 175 000 Euro bereits ausgegebene Planungskosten „in den Wind zu schreiben“. Für Grünen-Fraktionschef Schmidt „war der 400 000-Euro-Beschluss eine rote Linie“. Trotz „blutenden Herzens“ werde er die nicht überschreiten. Wie solle der Stadtrat glaubwürdig bleiben, wenn seine Beschlüsse nur eine Halbwertszeit von wenigen Monaten hätten?

Die zahlreichen Befürworter der Surfwelle, die die Sitzung auf der Besucherempore live verfolgten, verließen den Sitzungssaal enttäuscht und wütend. Eine Mutter sagte erbost: „Das war ein Zukunftsprojekt für die Jugend. Das hat dieser Stadtrat hier heute Abend verspielt.“  cce

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