Wenn der eine glaubt und der andere nicht, sorgt das für Unverständnis. Wie man sich trotzdem begegnen kann, darüber schreibt Dr. Martina Eschenweck in der Serie Gott und die Welt.

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Glaubenssache: Respekt steht an erster Stelle

Wenn der eine glaubt und der andere nicht, sorgt das für Unverständnis. Wie man sich trotzdem begegnen kann, darüber schreibt Dr. Martina Eschenweck in der Serie Gott und die Welt.

Neulich, in einem Kreis von älteren Damen, der sich regelmäßig zu Gesprächen über Glaubens- und Lebensfragen trifft: „Also, das muss ich jetzt mal loswerden: Mit einer guten Bekannten kann ich über vieles reden. Aber wenn das Gespräch zum Beispiel auf Gottesdienste kommt, reagiert sie nur noch abfällig. Sie könne nicht verstehen, warum wir in Brot und Wein Leib und Blut Jesu sehen und warum mir persönlich das wichtig ist. Was kann ich solchen Menschen entgegnen, die dem Glauben ablehnend gegenüberstehen?“

Dr. Martina Eschenweck Katholische Pastoralreferentin im Pfarrverband Schäftlarn

Kurz zuvor hatte mir jemand einen Artikel aus einer großen deutschen Sonntagszeitung in die Hand gedrückt, mit der Überschrift „Mama, das ist doch normal, dass wir beten, oder?“ Eine Mutter schildert darin ihre Erfahrungen in Berlin und beklagt, dass die Toleranz, die dort anderen Religionen entgegengebracht wird, ausgerechnet beim Christentum Halt macht. Ihr Sohn erzählt im Religionsunterricht davon, wie er vor dem Schlafengehen zusammen mit der Mutter betet. Seine Mitschüler schauen ihn verwundert an und finden das „doof“ und „uncool“. Ähnlich reagieren Eltern im Gespräch mit dieser Mutter.

Verschiedene Generationen, verschiedene Orte, aber eine ähnliche Erfahrung: Wenn man seine religiöse Überzeugung ins Gespräch bringt, trifft man auf Unverständnis bis hin zur Intoleranz. Das verschlägt einem dann selbst die Sprache.

Zugegeben, viele sind nicht geübt darin, zu sagen, was ihnen am Christentum wichtig ist oder wie sie ihren Glauben verstehen. Einerseits. Andererseits: Warum trifft man auf derart taube Ohren und Ablehnung, dass man gar nicht mehr miteinander reden kann?

Hier kommt ein Mann ins Spiel, der sich selbst als „religiös unmusikalisch“ bezeichnet hat. Das große wissenschaftliche Thema von Jürgen Habermas ist die Frage, wie sich eine Gesellschaft über ihre Grundlagen verständigt. Aus seinem komplexen Theoriegebäude lassen sich einige ganz praktische Hinweise gewinnen, die für ein gutes Gesprächsklima sorgen können.

An erster Stelle steht der gegenseitige Respekt, unabhängig davon, was jemand denkt oder glaubt. Wichtig ist auch, begründen zu können, warum man dieser oder jener Ansicht ist. Man darf auch Zweifel anmelden an fremden wie eigenen Meinungen und Aussagen. Lösungen vorzuschlagen, wie mit strittigen Themen umgegangen werden kann, ist ein weiteres Element. Werden Gespräche über Glauben oder Unglauben so geführt, klärt jede Seite für sich, warum sie dieser oder jener Überzeugung ist und bleibt dem Gegenüber in Respekt verbunden. Das wäre ein Gewinn für das Klima in unserer Gesellschaft.

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