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„Raus mit den Männern aus dem Reichstag“: Der Sirenenchor bereicherte die Veranstaltung anlässlich des Weltfrauentags am Freitagabend im Waldramer Badehaus musikalisch. 

Weltfrauentag

Gleichberechtigt? Frauen diskutieren auf Einladung zweier Wolfratshauser Vereine

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Der Historische Verein Wolfratshausen und der Kulturverein Isar-Loisach luden zum Gespräch, um über die politische Rolle der Frau zu diskutieren. 

Wolfratshausen – Sie waren deutlich in der Überzahl und nutzten das im Rahmen einer Fragerunde: Die Stadträtinnen Sabine Lorenz (CSU), Vera Kraus (Freie Wähler), Roswitha Beyer (SPD), Claudia Drexl-Weile (CSU), Annette Heinloth (Die Grünen) sowie Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) folgten am Weltfrauentag einer Einladung des Historischen Vereins Wolfratshausen und des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) ins Badehaus, um über ihre kommunalpolitischen Erfahrungen zu berichten.

„Wir sind in Wolfratshausen weit von Teilhabe entfernt“, stellte Krischke fest. Sie verwies auf drei männliche Bürgermeister sowie eine Frauenquote von weniger als 25 Prozent im Wolfratshauser Stadtrat. Eine Erhöhung dieses Anteils wünscht sich auch Heinloth. „Männer sind auf Außenwirkung ausgerichtet, Frauen eher sachorientiert“, sagte sie. Dennoch ist laut Beyer eine positive gesamtgesellschaftliche Entwicklung zu erkennen. „Ich habe noch erlebt, wie bitter es für uns in den 1950er- und 1960er Jahren war“, erinnert sich die 68-Jährige. Damals benötigten verheiratete Frauen noch die Unterschrift ihres Ehemannes, um eine Arbeitsstelle annehmen zu dürfen. „Viele junge Frauen wissen das gar nicht mehr und halten alles für selbstverständlich“, so Beyer. Würde aber weibliches Engagement in der Politik fehlen, könnte sich die Verhältnisse schnell wieder verschlechtern. Davon ist auch die Geretsrieder Stadträtin und Vorsitzende des Kreisverbands der Frauen Union, Sabine Lorenz, überzeugt: „Politik ist viel zu wichtig, um sie Männern zu überlassen.“

Vor der Fragerunde zeigte eine szenische Lesung, welche Hürden die ersten weiblichen Abgeordneten in der Weimarer Republik im bayerischen Landtag zu überwinden hatten. So berichteten die Vorsitzende des Historische Vereins, Dr. Sybille Krafft, und die Münchner Autorin Karin Sommer, dass die Politikerinnen seinerzeit von Männern verspottet und diffamiert wurden. „Manchmal waren sich die Frauen aber auch untereinander nicht einig“, sagte Krafft. Gerade in der Debatte um den Abtreibungsparagrafen 218 gerieten beispielsweise die Sozialistin Rosa Aschenbrenner (dargestellt von KIL-Vorsitzender Assunta Tammelleo) und die konservative Ellen Ammann (Hannelore Greiner) aneinander. Einmal soll es sogar zu tumultartigen Ausschreitungen gekommen sein, an denen sich auch dominante männliche Abgeordnete (einer dargestellt von Ludwig Gollwitzer) beteiligten. Der Sirenenchor des Kulturvereins sang dazu Lieder wie „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ und „Brot und Rosen“.

Nach Filmausschnitten über das Leben der 2016 verstorbenen FDP-Politikerin Dr. Hildegard Hamm-Brücher wurden den 100 Besuchern schließlich Sekt, Selters und „frauentypisches Gebäck“ serviert. Der Geretsrieder Bäcker Ludwig Schmid hatte Brezen und Plätzchen, die mit dem geschlechtsspezifischen Frauen-Kreuz versehen waren, vorbereitet. Die Spenden flossen reichlich, die wie der Eintrittspreis der neuen Bühne im Dachgeschoss des Badehauses zugute kommt.

Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Bund für Geistesfreiheit, der Giordano-Bruno-Stiftung, der Gleichstellungsstelle des Landkreises und dem Franz-Geiger-Verein.

ph

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