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Als Vorzeigebeispiel im Landkreis gilt Renate Waßmehr, Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. Sie sagt: „Frauen brauchen oft etwas mehr Ansporn als Männer“.

„Frauen brauchen oft etwas mehr Ansporn als Männer“

Gleichberechtigung in der Chefetage: In Tölz-Wolfratshausen ist Luft nach oben

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100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts wird der Landkreis immer noch überwiegend von Männern regiert. Noch geringer ist der Frauenanteil in Führungspositionen in der Wirtschaft.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Egal, ob man bei Eagle-Burgmann, Rudolf Chemie, den Raiffeisenbanken oder in der Kreisklinik Wolfratshausen nachschaut: Die Geschäftsleitung der großen Unternehmen im Landkreis ist fast immer ausschließlich männlich besetzt. Das Gleiche gilt für Vorstände und Aufsichtsräte.

In der Politik sieht es kaum besser aus: Von 21 Rathäusern werden nur zwei von einer Frau geführt – in Icking von Margit Menrad und in Dietramszell von Leni Gröbmaier. Im Kreistag ist gerade mal ein Viertel der 61 gewählten Mitglieder weiblich. Dessen Vorsitzender ist seit jeher ein Mann. Eine Landrätin gab es noch nie im Landkreis, einzig eine Frau als zweite Stellvertreterin (Monika Hoffmann-Sailer von 2006 bis 2008).

Leni Gröbmaier ist eine von nur zwei Bürgermeisterinnen im Landkreis.

Woran liegt es, dass das weibliche Geschlecht in den Chefetagen von Wirtschaft und Politik so stark unterrepräsentiert ist? „Frauen brauchen oft etwas mehr Ansporn als Männer“, glaubt Renate Waßmer. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen und das Vorzeigebeispiel im Landkreis, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Auch sie habe bei ihrer Karriere viel Unterstützung von ihrem damaligen Chef bekommen: „Der hat gesagt, trau Dich nur, Du kannst das!“ Es liege in der Verantwortung eines jeden Vorgesetzten zu erkennen, in welchen Mitarbeitern – unabhängig vom Geschlecht – sich ein „Rohdiamant“ verberge, der das Interesse und die Eignung für eine Führungsposition mitbringe.

Oftmals werde Frauen aber auch eingeredet, sie hätten zu wenig Durchsetzungsvermögen, meint Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Hartnäckigkeit und Sturheit gelten in erster Linie als männliche Attribute – auch wenn sie selbst diese durchaus aufweise, wie ihr Kollegen immer wieder bestätigen. Ein zu großes Harmoniebedürfnis sei im Chefsessel fehl am Platze.

Sparkassenchefin Waßmer ist überzeugt, dass eine ausgewogenere Geschlechtermischung in Führungsteams viele Vorteile bringt: „Frauen kommunizieren in der Regel offener und weniger hierarchisch, können oft besser zuhören, geben eher Fehler zu und sind tendenziell pragmatischer.“ Sie weiß aber auch, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen es gerade Frauen nicht immer leicht machen, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen.

„Augen auf bei der Partnerwahl“, ist deshalb Gröbmaiers wichtigster Rat an junge Frauen, die Karriere machen wollen. Ohne eine gerechte Aufgabenverteilung daheim funktioniert es nicht, davon ist die vierfache Mutter überzeugt: „Keiner soll zurückstehen müssen.“ Für mehr weibliche Mitgestaltung hält sie zudem Frauenquoten in der Wirtschaft und Politik für „absolut sinnvoll“. Börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen müssen seit 2015 einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent aufweisen, wenn Aufsichtsratsposten neu besetzt werden. Für die regionalen Firmen gilt dies aufgrund ihrer Größe und Struktur nicht. Freiwillig kommt nur die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen auf eine ähnlich hohe Frauenquote in ihrem dreiköpfigen Vorstand. Chefin Waßmer ist allerdings kein Fan von Quotenregelungen: „Einen Mann zu diskriminieren, der fachlich und persönlich geeignet wäre, ist nicht zielführend.“ Das Phänomen, dass der Frauenanteil in den oberen Chefetagen immer dünner wird, kennt auch die Sparkasse: Im gesamten Haus liegt der Frauenanteil unter den Mitarbeitern bei etwa 60 Prozent, auf der Ebene der Referats- und Abteilungsleiter beträgt er nur noch 20 Prozent, so Waßmer.

Besser sieht es in kleinen, meist familiengeführten Unternehmen aus. Das Posthotel Hofherr in Königsdorf, das Autohaus Schreindl in Bad Tölz oder die Firma Solicomp in Geretsried – sie alle werden von Frauen geleitet. Auch im Beirat der Tyczka-Gruppe findet sich Mitinhaberin Sieglinde Tyczka. Eine operative Funktion habe sie aber nicht, sagt Pressesprecher Frederick Christoph.

Lesen Sie auch: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Freiwilligkeit ist ein Rohrkrepierer

Karin Weiß, Leiterin der Gleichstellungsstelle im Landratsamt, hält es für „äußerst schade“, dass der Frauenanteil in Führungspositionen so gering ist. Ihrer Meinung nach ruhen sich viele Mädchen zu sehr darauf aus, was die Emanzipation schon erreicht hat. Spätestens, wenn Kinder kommen, ließen sie sich in die Rolle der Hausfrau und Mutter zurückdrängen. Weiß: „In Sachen Gleichberechtigung erleben wir heute schon fast eine Rolle rückwärts.“

cw

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