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Nach dem Buchstaben des Gesetzes hätte man den Ickinger strenger verurteilen können. Er kam mit Bewährung davon. 

Amtsgericht Wolfratshausen

Gnade für Ex-Alkoholiker

Icking - Weil ein Mann sein Leben umkrempelt, wurde er vom Amtsgericht für zwei Körperverletzungen relativ milde bestraft. Es besteht Hoffnung, dass er sich nichts mehr zu Schulden kommen lässt. 

Richter Helmut Berger war die Überraschung anzusehen, als er den Gerichtssaal betrat. Auf der Anklagebank saß ihm ein Herr in weißem Trachtenhemd und Weste gegenüber. Die gepflegte Erscheinung hatte nichts gemein mit dem verwahrlosten Obdachlosen, den der Richter aus früheren Begegnungen in Erinnerung hatte. Er lebe nun in einem betreuten Wohnheim und arbeite im Umwelt- und Naturschutz, erzählt der Angeklagte. „Ich glaube, ich bin da zur Zeit gut aufgehoben. Ich habe das Leben wieder im Griff.“ Das klang glaubwürdig.

Der Angeklagte kann sich an nichts erinnern

Zu den Vorfällen aus dem Sommer 2014, wegen denen er noch einmal vor dem Amtsrichter erscheinen musste, konnte der gelernte Maurer (42) kaum etwas sagen. „Der Name sagt mir nichts. Ich habe die Dame mal gesehen, kann mich aber an nichts erinnern“, erklärte der Beschuldigte zum ersten Tatvorwurf. Am 14. August 2014 soll er in einer Obdachlosenunterkunft in Bad Tölz eine Frau gewürgt haben. „Es gab einen Streit, er beugte sich über den Tisch und griff mir an den Hals“, sagte die Produktionshelferin (55). Auf eine Strafanzeige verzichtete sie ebenso wie die ehemalige Freundin (40) des Angeklagten. Die war am 21. September 2014 in einer Pension in Icking Opfer einer Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten und ihrem Ex-Mann geworden. „Die zwei rauften, lagen am Boden, alle hatten viel getrunken. Als er aufsprang und mich anging, habe ich instinktiv den Arm hoch gerissen. Der Arm ist dabei angebrochen“, schildert die Altenpflegerin. „Dann hat er von mir abgelassen und ist ganz ruhig dagesessen.“ Man habe weitergetrunken, bis die Polizei kam.

Das Leben scheint eine positive Wendung zu nehmen

„Das dürften die letzten Nachwehen des Alkoholismus sein, mit denen wir es hier zu tun haben“, sagte Verteidiger Marc Zinka. Damit gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass sein Mandant jetzt auf dem richtigen Weg ist. Seit 1995 stand der Angeklagte elf Mal vor Gericht, meist ging es um Körperverletzungen, immer war Alkohol im Spiel. Zuletzt ist er 2011 verurteilt worden, saß ein Jahr und zehn Monate im Gefängnis.

Wegen der zahlreichen einschlägigen Vorstrafen stellte sich die Frage, ob die erneut zu verhängende Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. „Er war damals schwerer Alkoholiker. Jetzt ist er erstmals seit vielen Jahren dabei, seine Sachen auf die Reihe zu kriegen. Er lernt, mit dem Alltag klarzukommen, ist hochmotiviert bei der Arbeit“, sagte der Verteidiger. Er plädierte dafür, seinem Mandanten eine faire Chance zu geben.

Richter Berger verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. „Die stationäre Integrationstherapie tut ihm sichtlich gut. Sein Leben hat offenbar eine positive Wende genommen“, so Berger in seiner Urteilsbegründung. Rudi Stallein

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