Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof, vor dem Klubgebäude.
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Hält die Schließung von Golfplätzen für verfassungswidrig: Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof.

Schließung nach Meinung des Geschäftsführers verfassungswidrig

Golfplatz Bergkramerhof: Hingerl will Schadenersatz vom Freistaat

  • Carl-Christian Eick
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Dr. Josef Hingerl hält die Schließung von Golfplätzen für verfassungswidrig: Der Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof kündigt an, erneut vor Gericht zu ziehen, sollten die Golfanlagen in Bayern nicht Mitte Februar wieder öffnen dürfen.

  • Dr. Josef Hingerl ist Jurist und Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof in Wolfratshausen
  • Er hält die coronabedingte Schließung von Golfanlagen in Bayern für verfassungswidrig
  • Der Jurist will erneut vor Gericht und kündigt eine Schadensersatzklage gegen den Freistaat an

Wolfratshausen – Für Dr. Josef Hingerl, Jurist und Geschäftsführer des Golfclubs Bergkramerhof, ist Golfsport nicht zuletzt Gesundheitsvorsorge. Unter freiem Himmel den Schläger zu schwingen, sei auch in Corona-Zeiten „verfassungsgemäß und damit möglich“, betont Hingerl. Und er kündigt an: Sollte der 70 Hektar große Golfplatz über den Dächern Wolfratshausens Mitte Februar nicht wieder öffnen dürfen, ziehe er erneut vor Gericht. „Zusätzlich werde ich in Kürze eine Schadenersatzklage gegen den Freistaat Bayern einreichen“, kündigt Hingerl in einem Schreiben an unsere Zeitung an.

Derzeit ist Golfspielen unmöglich

Derzeit ist das Golfspielen in Bayern unmöglich. Das liegt zum einen an den widrigen Wetterverhältnissen, primär natürlich am Schließungsgebot des Freistaats aufgrund der Corona-Pandemie. Von dem Versuch, das Gebot mit einer Online-Petition zu kippen, die der sogenannte Alpengolfer Hardy Erletz initiiert hat, hält Hingerl wenig. Die Golfverbände „haben bei den Politikern keine Chance“. Hingerl: „Wenn fast die Hälfte der Deutschen immer noch ein negatives Bild vom Golfer hat, wird kein Politiker sich für die Golfer einsetzen, noch dazu in dieser angespannten Situation.“

Hingerl setzt statt auf eine Petition auf den Rechtsweg. Er selbst hatte kurz vor Weihnachten beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Eilantrag eingereicht, dieser ist Anfang Januar zurückgewiesen worden. „Nur Amtsgerichte wagen es im Augenblick, die Verfassungswidrigkeit der Verordnungen bei ihren Urteilen festzustellen“, so der Jurist. Schon während des ersten Lockdowns verpasste die Boulevard-Presse Hingerl den Titel „Golfplatz-Rebell“. Denn er öffnete die Spielstätte Bergkramerhof Anfang Mai 2020 – trotz der staatlich angeordneten Zwangspause.

Das rief wie berichtet die Kreisbehörde und die Polizei auf den Plan, die Anlage wurde wieder zugesperrt. Hingerl wundert sich: „Obwohl ein Ordnungswidrigkeitenverfahren durch die Polizei eingeleitet wurde, habe ich bis heute keinen Bußgeldbescheid erhalten.“ Mutmaßlich „weil auch dieser Bescheid verfassungswidrig gewesen wäre“. Der Begriff „Rebell“ sei „völlig fehl am Platz“, er stehe „fest auf rechtsstaatlichem Boden“. Hingerl wörtlich: „In der DDR, bei Hitler und Stalin wäre mein Verhalten nicht möglich gewesen. In unserem Rechtsstaat schon.“ Er sei „stolz“, in der damaligen Situation die Verfassungswidrigkeit mit Blick auf Golfplatz-Schließungen aufgezeigt zu haben.

Wenn fast die Hälfte der Deutschen immer noch ein negatives Bild vom Golfer hat, wird kein Politiker sich für die Golfer einsetzen, noch dazu in dieser angespannten Situation.

Dr. Josef Hingerl

Für den 72-Jährigen ist der Fall längst nicht ausgestanden. Nachdem das Landratsamt die grundsätzliche Auseinandersetzung mit ihm gescheut habe, warte er nun auf die Entscheidung des Münchner Verwaltungsgerichts, das er angerufen habe: „Ich will festgestellt haben, dass die Schließung am 5. Mai 2020 rechtswidrig war.“ Darüber hinaus werde er in Kürze eine Schadenersatzklage gegen den Freistaat einreichen.

Sollte der Freistaat das Schließungsgebot Mitte Februar nicht aufheben, „werde ich mit einigen zivilcouragierten Golfern eine rechtliche Klärung herbeiführen.“ Erste Ansprechpartner seien dann für ihn die Amtsgerichte, denn Hingerl geht nicht davon aus, dass sich der Bayerische Verwaltungsgerichtshof aufgrund anhängender Normenkontrollanträgen in den kommenden Wochen „bewegen“ wird: „Mit einer positiven Entscheidung würde es nämlich zum Dammbruch bei den Verordnungen kommen. Das wagt im Augenblick kein bayerischer Verwaltungsrichter.“

Homeoffice in Brasilien

Übrigens: Hingerl arbeitet nach eigenen Worten ab sofort im Homeoffice in Brasilien: „Damit habe ich die deutsche Gesellschaft von jeder Ansteckungsgefahr durch mich entlastet.“

cce

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