Gott und die Welt 

Gott ist größer als zwölf Zentimeter

Schönheit ist diesmal das Thema in der Serie „Gott und die Welt“, über das sich diesmal Sabrina Niehenke, die katholische religionspädagogische Leiterin in St. Matthias, Gedanken macht.

Sabrina NiehenkeKath. Religionspädagogische Leiterin in St. Matthias, Wolfratshausen-Waldram. 

„Mein Gott, ist das schön!“ Diesen Gedanken hatte ich während meines vergangenen Urlaubs mehrfach am Tag. Der Sonnenuntergang, das Meeresrauschen, das Rascheln der Palmen über meinem Kopf, leise Musik von der Strandbar – das perfekte Postkartenidyll. Um mich herum versuchten meine Mittouristen, diese Szenerie in das Zwölf-Zentimeter-Display ihres Smartphones zu pressen: „Um den Moment festzuhalten.“ Ein Versuch, der meistens misslang. Zumindest legen das die vielen Anläufe bis zu einem mäßig zufriedenstellenden Ergebnis nahe. Die tatsächliche Schönheit dieses Moments blieb hinter jedem noch so hoch auflösenden Bild zurück.

Aber was ist Schönheit überhaupt? Sie ist etwas, das weiche Knie macht, Tränen in die Augen und ein Lachen aufs Gesicht treibt. Für die einen ist es der Sternenhimmel bei Nacht, für die anderen sind es die eigenen, spielenden Kinder. Für manche ein Bergpanaroma oder ein Musikstück und für hoffentlich viele die Partnerin oder der Partner. Ich muss dieses Schöne ansehen, und es ist gleichzeitig so blendend, dass ich das Bedürfnis habe, die Augen zu schließen, um es richtig zu genießen. Es ist nicht schön im Sinne einer Mode- oder Zeitgeisterscheinung. Das Schöne ist verschwenderisch, absolut und größer als ich selbst. Selbst wenn ich wollte, ich könnte es nicht verändern. Aber das ist überhaupt nicht notwendig, weil es vollkommen erscheint. Ich kann es nicht einfach selber machen. Es ist geschenkt.

Das Schöne berührt eine Ahnung in meinem Herzen. Johannes Paul II. beschreibt sie als die „versteckte Sehnsucht nach Gott“. Vielleicht bewegt sie also deswegen so sehr, weil wir darin etwas zu fassen bekommen, was sonst eher ein diffuses Gefühl bleibt. Sie wird zu einer Brücke zwischen Erde und Himmel, Moment und Ewigkeit und Mensch und Gott. In der erlebten Schönheit erhasche ich einen winzigen Blick auf den nicht greifbaren Gott. Und wenn schon dieser Vorgeschmack seiner Herrlichkeit so schön ist, wie großartig muss dann er selbst sein? Dann wird aus „Mein Gott, ist das schön!“ stattdessen „Mein Gott, bist du schön!“ Dass das nicht auf ein Bild passt, ist klar. Denn dieses Gefühl und Gott sind größer als zwölf Zentimeter.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
„Er war ein Unikum“, sagt Josef Neumeier über Pfarrer Franz Seraph Bierprigl. Neumeier war Ministrant bei dem überaus beliebten Seelsorger und ist heute Mitglied des …
Gedenkstein zu Ehren von Pfarrer Franz Seraph Bierprigl
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Den Stein ins Rollen brachte Gabriele Rüth, Vorsitzende des Vereins Flößerstraße. Zunächst war der Drehbuchautor und Regisseur Walter Steffen von ihrer Idee, einen …
Flößerfilm schwimmt auf Erfolgswelle
Dietramszell feiert ohne Ende
1200 Jahre: So lange gibt es Steingau und Erlach schon. Das ist ein guter Grund, um in Dietramszell nach dem Gaufest weiterzufeiern. 
Dietramszell feiert ohne Ende
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar
Das Landratsamt hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die das Bootfahren auf der Isar ab Samstag bis auf Weiteres verbietet. Es besteht Lebensgefahr.
Landkreis verbietet Bootfahren auf der Isar

Kommentare