+

Gott und die Welt 

Die Apostelin und ich: Das sagt uns die Geschichte um Maria Magdalena

In der Osterfolge von „Gott und die Welt“ erklärt Sabrina Niehenke, warum sie die Geschichte um Maria Magdalena mindestens so spannend findet wie „Herr der Ringe“. 

Wolfratshausen – Seit ich die Filmvorschau zu „Maria Magdalena“ zufällig bei einem meiner letzten Kinobesuche gesehen habe, hat sie mich nicht mehr losgelassen. Zuletzt habe ich beim dritten Teil des „Herr der Ringe“-Epos so auf einen Kinostart hingefiebert.

In den deutschen Kinocharts dümpelt der Film trotz Starbesetzung auf Platz 14 vor sich hin. Vielleicht weil es scheint, man habe sich in Hollywood überlegt, zu Ostern mal wieder einen Jesus-Film auf den Markt zu bringen. Oder weil es sich um die sensationsheischende Liebesgeschichte zwischen Maria Magdalena und Jesus handeln könnte, die Dan Brown viel aufregender erzählt hat.

Aber weit gefehlt: „Maria Magdalena“ ist kein Jesus-Film, sondern ein Maria-Magdalena-Film und erzählt eine Berufungsgeschichte. Es geht um Sehnsucht, Nachfolge und Verkündigung. Die Beziehung zwischen Maria und Jesus ist von Freundschaft und Zärtlichkeit geprägt, ohne romantisch oder kitschig zu werden. Im Zentrum der bekannten Geschichte steht eine Frau, und so gelingt es dem Film im besten Sinne feministisch zu sein. Weder aufdringlich noch ihre Weiblichkeit verleugnend wird Maria Magdalena zu einer den Männern gleichgestellten Jüngerin. „Geh und werde zu meiner Hand“, trägt Jesus ihr im Film auf. Und sie geht, predigt, tauft und segnet Menschen. Dabei wird gar nicht erst versucht, die Frage nach der Zulassung von Frauen zur Weihe zu stellen, und der Film hat es auch nicht nötig, um Relevanz zu haben.

„Die Sünderin Maria Magdalena gab es nie“

Gewiss verkörpert Maria Magdalena in vielen Szenen die verständige Zuhörerin und einfühlsame Trösterin. Gleichzeitig ist sie zielstrebig, selbstbewusst und theologisch klug. So fragt sie Jesus: „Wie fühlt es sich an, mit Gott eins zu sein?“ Eine Frage, die ich ihm auch gern gestellt hätte. Dass mich der Film so sehr berührt, liegt daran, dass er mir neu und eindringlich vor Augen führt: Maria Magdalena ist die erste Zeugin am Grab und die erste Verkünderin der Osterbotschaft.

Sabrina Niehenke: Katholische Religionspädagogische Leiterin in St. Matthias, Wolfratshausen-Waldram. 

Dank Papst Franziskus ist Maria Magdalena seit 2016 den übrigen Aposteln im liturgischen Kalender gleichgestellt. Die historisch-kritische Bibelauslegung hat ihr Übriges dazu beigetragen, sie zu rehabilitieren. Die Sünderin Maria Magdalena gab es nie. Zu diesem Ruf führte die Vermischung mehrerer biblischer Frauengestalten im Mittelalter. Biblisch belegt ist, dass sie Jesus nachfolgte und ihn bis zum Ende begleitete. Nicht zuletzt taucht sie an der wichtigsten Stelle überhaupt auf – am leeren Grab. Und hier ist sie nicht nur Dekoration, sondern die Schlüsselfigur. Sie erhält den Auftrag, die Auferstehung zu verkünden.

Maria Magdalena ist die Verbindung zwischen der Hoffnungslosigkeit des Karfreitags und der Freude an Ostern. Sie bestärkt mich in meinem Rollenbild als unabhängige Frau. Sie bestärkt mich darin, als moderne, junge, selbstbewusste Frau Christus nachfolgen und die frohe Botschaft aktiv verkünden zu können, ohne institutionelle Barrieren verneinen oder umstürzen zu wollen. Aber ich muss mich auch nicht entmutigen lassen. Weil es Ostern gibt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brutaler Raubmord von Höfen: Prozess beginnt bald
Der Raubmord von Höfen hat ganz Deutschland erschüttert. Ende Juni beginnt der Prozess gegen die vier Polen. Doch es könnte Herbst werden, bis das Urteil fällt.
Brutaler Raubmord von Höfen: Prozess beginnt bald
Iloga: Großes Interesse trotz sommerlicher Hitze
An einem ungewöhnlich heißen Aprilwochenende zieht die Iloga viele Besucher an.  Die Gäste loben das vielfältige Angebot.
Iloga: Großes Interesse trotz sommerlicher Hitze
Grüne Jugend diskutiert über Drogenpolitik: Soll Cannabis legalisiert werden?
Die Grüne Jugend diskutiert mit Experten vor rund 40 Jugendlichen, ob so genannte weiche Drogen legalisiert werden sollten.
Grüne Jugend diskutiert über Drogenpolitik: Soll Cannabis legalisiert werden?
Müllpresse gerät in Brand - Polizei ermittelt  
Die Feuerwehr musste ins Wolfratshauser Gewerbegebiet ausrücken: Dort brannte eine Müllpresse.
Müllpresse gerät in Brand - Polizei ermittelt  

Kommentare