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In der Reihe Gott und die Welt beschäftigt sich Florian Gruber, evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen, mit dem gemeinsamen Fundament von evangelischer und katholischer Kirche.

Gott und die Welt

Das gemeinsame Fundament unseres Glaubens

In der Reihe Gott und die Welt beschäftigt sich Florian Gruber, evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen, mit dem gemeinsamen Fundament von evangelischer und katholischer Kirche.

Wolfratshausen – Es ist ein Zeichen der Hoffnung: Am vergangenen Samstag fand in Hildesheim ein ökumenischer Buß- und Versöhnungsgottesdienst statt – geleitet von den Bischöfen Heinrich Bedford-Strohm und Reinhard Marx im Namen der evangelischen und katholischen Kirche in Deutschland. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsames Schuldbekenntnis für alles Unrecht, das die Christen beider Konfessionen im Namen des Glaubens aneinander begangen haben – und eine Selbstverpflichtung, künftig die Gemeinsamkeiten im Glauben hervorzuheben und „alles zu unterlassen, was Anlass zu neuen Zerwürfnissen zwischen den Kirchen gibt“.

Nicht das Trennende, sondern das gemeinsame Fundament soll im Mittelpunkt stehen

Florian Gruber:  Evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen

500 Jahre Reformation: Am 31. Oktober 1517 hat mit Luthers Thesenanschlag auch die Kirchenspaltung begonnen, durch die seither evangelische und katholische Christen getrennt sind. Doch in diesem Jahr soll nicht das Trennende im Vordergrund stehen, sondern beide Seiten wollen miteinander den Gedenktag als „Christusfest“ feiern und das gemeinsame Fundament unseres Glaubens in den Mittelpunkt stellen. Die Gefahr eines solchen Vorhabens ist, dass über dem fröhlichen Feiern die Probleme und gegenseitigen Verletzungen einfach verdrängt werden – und danach geht alles weiter wie zuvor. Doch das kann nicht passieren, wenn das, was in dem Versöhnungsgottesdienst von Hildesheim ausgesprochen wurde, ernst gemeint ist und weiterwirkt.

Unterschiedliche Traditionen als bereichernd ansehen

Wenn wir wirklich aus der Grundhaltung der Versöhnung heraus denken und handeln, dann wird es uns gelingen, dass wir die unterschiedlichen Traditionen immer mehr als Reichtum verstehen lernen und theologische Differenzen offen und konstruktiv ansprechen können, statt uns mit theologischen Grabenkämpfen zu verzetteln.

Höchste Zeit für Versöhnung

Dafür ist es höchste Zeit. Denn nur wenn wir selbst die Versöhnung annehmen, können wir glaubwürdig und mit einer Stimme der Ideologie der Ellbogengesellschaft widersprechen, die nur mehr das Recht des Stärkeren und den Kampf um Macht und Geld kennt. Dann können wir in Wort und Tat eintreten für unseren menschenfreundlichen Gott, der uns mit sich und untereinander versöhnen will. Darum lasst uns die Zeichen der Versöhnung ernstnehmen und diesen Weg entschlossen weitergehen.

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