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Gott und die Welt

Ostern: Das Wichtigste in meinem Leben

Zu Ostern macht sich Gerhard Beham, katholischer Dekan in Wolfratshausen, Gedanken über das Wichtigste im Leben.

Wolfratshausen – Wann war das wichtigste Ereignis für mein Leben? „In der Woche, als ich Abitur geschrieben habe“, sagt jemand, der den Ursprung seiner beruflichen Karriere im Blick hat. „An dem Tag, als ich geheiratet habe“, sagt ein anderer, der auf ein glückliches Familienleben schaut. Wollen Sie meine persönliche Antwort hören? Nie ist mehr geschehen für mein Leben, als bei Tod und Auferstehung Jesu Christi. Darum will ich diese eine Woche seines Lebens von Tag zu Tag mit ihm gehen, weil in ihr das Wichtigste für mein Leben aufs Neue gegenwärtig wird.

Am Gründonnerstag beginnt der Erfahrungsweg

Gerhard Beham ist katholischer Dekan in Wolfratshausen

Heute, am Gründonnerstagabend, beginnt dieser Erfahrungsweg rund um den Tisch beim letzten Abendmahl. Jesus sagt seinen Jüngern: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Mahl mit euch zu essen…“ (vgl. Lk 22,15). Darum will ich auf seine Sehnsucht antworten und nehme seine Einladung an, dass er in Brot und Wein auch mit mir im Bund sein will. Wenig später dann sehe ich mich mit den anderen Jüngern am Ölberg und merke, dass auch ich schläfrig bin und es versäume, die Angst und Verzweiflung von Mitmenschen auszuhalten; dass auch ich den Herrn verrate, weil ich zu feige bin, für Gerechtigkeit und Wahrheit meinen Mund aufzumachen.

Morgen, am Karfreitag, trete ich in Jesu Sterbestunde vor sein Kreuz und spüre, dass alles, was ich selber als drückendes Kreuz erfahre, in ihm einen Ort findet, wo es eingefügt und jetzt schon anfanghaft verwandelt wird: Jesus wird zum König auf dem Kreuzesthron und entthront alle Mächte, die wie Kaiser, Könige und Statthalter auch in meinem Leben herrschen – und etwa verkleidet als Hochmut, Wut, Neid, Geiz oder Maßlosigkeit das Zepter schwingen.

Aus einem Hoffnungslicht werden viele

Am Karsamstag dann finde ich in vielen unserer Kirchen sein „Heiliges Grab“ mit Blumen und Lichtern geschmückt, wo ich sprachlos verweilen darf mit meinen Traurigkeiten, in denen mich niemand trösten kann, höchstens Gott. Bis ich dann in der folgenden Nacht mit anderen am Wachfeuer stehe. Dort wird die Osterkerze entzündet, und ich erlebe: Aus einem Hoffnungslicht werden plötzlich viele. Es geht deshalb darum, dass wir in dieser einen Woche mit Jesus Christus auf seinem entschiedenen Weg gehen, um uns verwandeln zu lassen.

Ein Firmling wurde von seinem Jugendseelsorger gefragt: „Stell’ dir mal vor, Du hättest Christus wie einen Austauschschüler die ganze Woche lang bei dir gehabt. Was wäre gewesen?“ Der 14-Jährige antwortete: „Ich hätte beim Fußball vorgestern nicht die Schwalbe gemacht“ (ein Foul vortäuschen, Anmerkung der Redaktion). Der Junge hatte es kapiert, wie es im Kleinen mein Sinnen und Handeln verändern kann, wenn ich bereit bin, mit ihm, dem Herrn und Heiland, zu gehen.

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