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Pastoralreferentin Seidnader versucht, das Bild vom Knoten lösen auf das Leben zu übertragen.

Gott und die Welt

Knoten lösen

Knoten lösen ist eine Aufgabe, die Geschick erfordert. Manch einer sagt vielleicht: „Nein, dazu habe ich keine Geduld!“ Stellen Sie sich einen Knoten in einem Seil vor, das unter Zug steht: Diesen Knoten zu lösen ist unmöglich. Erst wenn die Spannung vom Seil genommen wird, ist es möglich, den Knoten zu lösen. Ein banales Beispiel, und doch lässt sich dieses Bild auf menschliches Leben übertragen.

Wolfratshausen - Auch da kommen immer wieder „Knoten“ vor: Wenn etwas nicht so glatt läuft, wie ich es mir vorstelle, oder wenn in zwischen-menschlichen Beziehungen Unstimmigkeiten, Neid, Missgunst auftreten. Auch in der Politik kann man seine Beobachtungen machen. Solange die Menschen an den Enden des Seils in verschiedene Richtungen ziehen, wird der „Knoten“ nicht zu lösen sein. Erst wenn sie sich aufeinander zu bewegen, besteht die Möglichkeit dazu.

Knoten im menschlichen Miteinander

Gabriele Seidnader, Katholische Pastoralreferentin in der Stadtkirche Wolfratshausen

Im Evangelium des kommenden Sonntags spricht Jesus von solchen „Knoten“ im menschlichen Miteinander. Er fordert die Menschen seiner Zeit auf, nicht nur äußerlich nach dem Gesetz zu leben, wie es für einen frommen Juden verpflichtend ist. Er hält die Menschen an, die Forderungen des Gesetzes auch mit einer inneren Haltung zu füllen. „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ (Mt 5,23f). Vielleicht klingt der Wortlaut dieses Zitates aus dem Matthäus- Evangelium in manchen Ohren befremdlich. Gemeint ist mit dem Opfer das, was ich vor Gott von meinem Leben bringen will: wofür ich Gott danke, worum ich ihn bitte.

Schritte gehen, die auf den anderen hinführen

Dieser Gottesdienst steht immer in Zusammenhang mit dem Dienst an den Mitmenschen: Gottesliebe und Nächstenliebe gehören unweigerlich zusammen. Das ist Jesu Botschaft. So heißt es für uns, Schritte zu gehen, die auf den anderen hinführen, mit dem ich es schwer habe. Vielleicht lässt sich nicht jeder „Knoten“ sofort lösen, vielleicht lassen sich manche Knoten auch gar nicht lösen – doch kommt es auf die Bereitschaft an, meine Schritte zu tun, dem Seil die Spannung zu nehmen.

Knoten lösen und Gemeinsamkeiten entdecken

Das Jahr des Reformationsgedenkens – wie es die Katholiken nennen – oder des Reformationsjubiläums – wovon die evangelischen Christen sprechen – bietet den Konfessionen Gelegenheit, Schritte aufeinander zu zu machen und vielleicht den einen oder anderen Knoten zu lösen. So hoffe ich, dass dieses Jahr Gelegenheiten bietet, uns gegenseitig von dem zu erzählen, was uns in unserem Glauben trägt, und wir dadurch ein Stück mehr Gemeinsamkeit entdecken dürfen.

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