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Symbolbild

gott und die welt 

Pfingstgeheimnis

In der Serie „Gott und die Welt“ schreibt diesmal Elke Eilert, Evangelische Pfarrerin in Wolfratshausen, über Pfingsten.

Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, Ostern seine Auferstehung, und was feiern wir an Pfingsten? Kein Wunder, wenn diese Frage ratlos macht. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, und der ist schwer zu fassen.

Elke EilertEvangelische Pfarrerin in Wolfratshausen

Die Bibel erzählt dazu eine hinreißende Geschichte. Der Geist Gottes fährt stürmisch und feurig in die kleine Jüngerschar. Eben noch ängstlich und verzagt, gehen die Jünger ohne Scheu auf wildfremde Menschen aus aller Herren Länder zu, überwinden alle Sprachbarrieren spielend und bringen das Evangelium unter die Leute, dass es bei denen sofort ankommt.

Der Heilige Geist wird sichtbar

Lukas, der Verfasser dieser Geschichte, malt uns ein farbiges Bild vor Augen – hier ist der Heilige Geist nicht abstrakt, sondern sichtbar und hörbar. Er führt fort, was Jesus begonnen hat. Der Heilige Geist bewirkt, dass Menschen nicht unter sich bleiben. Er ist kein Hausgott, keine Heimatgottheit. Der Heilige Geist spricht in allen Sprachen, er spricht für jeden verständlich. Deshalb gibt es im Christentum keine heilige Sprache. Das Griechisch der Evangelisten oder das Deutsch Martin Luthers sind dem Heiligen Geist nicht wichtiger als die Sprache, in der heute Jugendliche daheim sind. Der Heilige Geist bewirkt Aufbruch und Weite. Das führt unweigerlich zu Streit. „Die sind voll süßen Weines“ heißt es bei Lukas. Das Sprachwunder der Jünger weckt Argwohn und Zweifel.

Auch eine Kirche, die ihre festen Mauern verlässt und ungewohnte Wege einschlägt, stößt unweigerlich auf Widerstand und Unverständnis. Vor kurzem haben die Münchner Jesuiten ihren Pfarrsaal für Muslime geöffnet. Einige von ihnen hatten erst zum öffentlichen Freitagsgebet auf dem Münchner Marienplatz eingeladen, ihr Vorhaben aber aus Furcht vor Übergriffen aufgegeben. Die Jesuiten boten daraufhin ihren Saal an. Damit unterstützten sie das Anliegen der Muslime. Die wollten durch ihre Aktion darauf aufmerksam machen, dass Muslime in der Münchner Innenstadt dringend einen Gebetsraum brauchen. Mittlerweile gibt es dort keine einzige Moschee mehr. Und das bei deutlich gestiegenem Bedarf. Mit den Worten „Alle, die sich vor dem allbarmherzigen Gott verneigen, gehören zusammen“ begrüßte der Kirchenrektor von St. Michael zu Beginn des Freitagsgebets die ungewohnten Gäste.

Der Geist Gottes weht, wo er will. Er weht über christliche Zäune, ermutigt zum Austausch mit anderen Religionen, weht in die weite Welt hinaus. Er zeigt uns, dass wir Menschen zusammengehören – vereint in der Liebe zu Gott und der Achtung vor den Menschen.

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