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Gott und die Welt 

Was wir aus der biblischen Weihnachtsgeschichte lernen können

Welche Botschaften aus der biblischen Weihnachtsgeschichte unser Leben bis heute bereichern, darüber macht sich der Wolfratshauser Pfarrer Florian Gruber diesmal in der Reihe „Gott und die Welt“ Gedanken. 

Wolfratshausen – Eigentlich wissen wir von der Geburt Jesu von Nazareth nichts Konkretes. Denn erst im Alter von etwa 30 Jahren erregte er als Wanderprediger und Wunderheiler so viel Aufsehen, dass die Augenzeugen ihre Erlebnisse mit ihm weitererzählten.

Die Evangelisten Matthäus und Lukas konnten deshalb für ihre Geburtsgeschichten nicht auf historische Berichte zurückgreifen. Stattdessen stellten sie an den Beginn ihrer Evangelien symbolische Erzählungen, die den Lesern und Hörern die besondere Bedeutung bewusst machen sollten, die Jesus Christus für sie und alle Glaubenden hat.

So beginnt Lukas mit dem Verweis auf den „Friedenskaiser“ Augustus und seine Volkszählung, derentwegen Josef mit Maria in seinen Geburtsort reisen musste. Und dort – in Bethlehem und nicht im damaligen Machtzentrum Rom – ist zum ersten Mal der ganz andere Frieden zu spüren, der durch Jesus die Welt verändern soll.

Die Ausgestoßenen sind willkommen

Florian Gruber: Evangelischer Pfarrer in Wolfratshausen

Nicht die Reichen und Mächtigen, sondern arme Hirten werden Zeugen dieses Wendepunkts der Weltgeschichte; sie hören, wie die Engel die Ehre Gottes und Frieden auf Erden verkünden, und sie finden das neugeborene Kind mitten in der Armut von Stall und Futterkrippe. Damit zeigt der Evangelist gleich, um welches Thema es im Lauf der Geschichte Jesu immer wieder geht: Bei Gott sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft willkommen! „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer!“ (Lk 6,20)

Matthäus setzt ganz andere Schwerpunkte: Hier sind es Weise aus dem Morgenland, die sich zu dem neugeborenen König der Juden aufmachen. Während der König Herodes und die Mächtigen Jerusalems erschrecken und dem Kind nach dem Leben trachten, ziehen die Weisen aus fernen Ländern – in der Tradition sind es bald Könige aus allen Erdteilen – weiter nach Bethlehem und beugen die Knie vor Christus.

Bibelgeschichten sagen mehr als historisch exakter Bericht

Für die Gemeinde des Matthäus war es offensichtlich fraglich, ob Jesus der Messias nur für Israel oder auch für die „Heiden“ war. Die Geburtsgeschichte gibt darauf eine klare Antwort – ebenso wie am Ende des Evangeliums Christus selbst: „Geht hin zu allen Völkern…“ (Mt 28,19)

Zwei symbolische Geschichten von der Geburt Jesu, die unabhängig voneinander entstanden sind und doch in unseren Weihnachtskrippen so schön miteinander verbunden sind: Sie haben viel mehr zu sagen, als es ein historisch exakter Bericht könnte. Durch dieses Kind kommt die Liebe Gottes zu uns und verbindet uns alle als Kinder Gottes – über die Grenzen der Länder und Nationen und ebenso über die Grenzen von Arm und Reich, Macht und Ohnmacht hinweg. Damit beginnt der Friede Gottes: nicht in Rom oder Washington, sondern in Bethlehem und in Wolfratshausen, wo immer sich Menschen von Gottes Liebe anstecken lassen und aufeinander zugehen. Das dürfen wir an Weihnachten miteinander feiern!

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