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So sieht’s aus: Mit weißem Stofftuch veranschaulichten Mitglieder der Wolfratshauser CSU-Fraktion, welche Dimension die genehmigte 3,50 Meter hohe Lärmschutzmauer an der Sauerlacher Straße hätte.

Stadt genehmigte umstrittenes Projekt

Politiker alarmiert: Investor macht „Grenzmauer“ mitten durch Wolfratshausen zur Bedingung

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Wolfratshausen droht eine „Grenzmauer“. Die Stadt war mit dem Projekt einverstanden, dann liefen Politiker Sturm. Jetzt macht der Investor die Mauer zur Bedingung.

  • Der Bauausschuss hat die 3,50 Meter hohe Betonmauer bereits genehmigt. 
  • Die Wolfratshauser CSU allerdings stemmt sich gegen die „Grenzmauer“.
  • Mit einer Konstruktion aus Leinwand und Ständern zeigt sie das Ausmaß der Mauer.
  • Der Investor reagiert nun mit einer klaren Ansage.

Wolfratshausen – Ralf Schmid, Projektleiter der Maro-Genossenschaft in Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen), überrascht der Protest, den die geplante Lärmschutzwand ausgelöst hat. Die Mauer sei von Anfang an Bestandteil des Bauvorhabens gewesen. Die Maro hat das Grundstück an der Sauerlacher Straße 15 wie berichtet in Erbpacht von der Stadt Wolfratshausen übernommen, auf dem 1400 Quadratmeter großen Areal soll ein Mehrgenerationenhaus mit 22 Mietwohnungen entstehen. 

Zudem hat sich der Investor verpflichtet, den Altbestand, das heißt, das marode, denkmalgeschützte ehemalige Krankenhausgebäude, das an der Sauerlacher Straße steht, zu sanieren. 

„Die Mauer ist eine Bedingung“, sagt Schmid in einem Telefongespräch mit unserer Zeitung. Es gehe der Genossenschaft nicht darum, Geld beim Lärmschutz am Neubau zu sparen, sondern: Eine wesentliche Säule des Mehrgenerationenprojekts sei ein Außenbereich, der für Gemeinschaftsaktionen genutzt werden kann. 

Knapp 500 Quadratmeter seien für diese Freifläche vorgesehen – und dieser Bereich müsse durch besagte Mauer vor Verkehrslärm bewahrt werden.

Ohne Mauer kein Aufenthalt im Freien möglich

 „Baurechtlich ist ohne Mauer kein dauerhafter Aufenthalt im Außenbereich möglich“, konstatiert Schmid. Müsse die Maro auf den Lärmschutzwall verzichten oder würde die vom Bauausschuss genehmigte Höhe von 3,50 Meter vom Stadtrat gestutzt, funktioniere das Mehrgenerationenkonzept nicht. Schmid legt Wert auf die Feststellung, dass keine Betonmauer errichtet werde. 

„Es handelt sich um eine gemauerte Mauer mit Rundbögen, in die mehrere Sitznischen integriert werden“, so der Projektleiter. Es sei „ein architektonisch ansprechendes Bauwerk“, das sich gut ins „Gesamtensemble“ im Bereich Sauerlacher Straße/Am Floßkanal einfügen werde. 

„Nochmal: Es geht nicht darum, ein paar Euro an den Schallschutzfenstern zu sparen“, betont Schmid. Die „besondere Wohnform“ setze mit Blick auf die Gemeinschaftsfläche unter freiem Himmel einen hohen Immissionsschutz voraus. „Wir wissen, dass es ein schwieriges Grundstück mit sehr starkem Verkehrslärm ist“, sagt Schmid. Deswegen habe die Maro von Beginn an in Gesprächen mit der Kommune darauf hingewiesen: Der Mauerbau sei keine willkürliche Entscheidung, sondern wesentlich für die Realisierung des Projekts.

Ursprünglicher Artikel vom Mittwoch, 13. November:

Das geschah am Dienstag:

Wolfratshausen - Mit mehreren Quadratmetern weißem Stoff haben Mitglieder der CSU-Fraktion am Dienstag an der Sauerlacher Straße die Dimension aufgezeigt, die ein Lärmschutzwall an der Stelle hätte. 

Wie berichtet hat der Bauausschuss eine zirka 25 Meter lange und 3,50 Meter hohe Mauer genehmigt – sie soll die Mieter des auf dem Areal an der Sauerlacher Straße 15 geplanten Mehrgenerationenhauses vor Verkehrslärm schützen. 

Dieses Zugeständnis machte der Ausschuss – gegen die Stimmen der CSU – der Maro. Die Ohlstadter Genossenschaft hat das Grundstück, zu dem das marode, denkmalgeschützte ehemalige Krankenhausgebäude gehört, in Erbpacht von der Kommune übernommen. Die CSU allerdings stemmt sich mit aller Kraft gegen den Mauerbau.

Mauer in Wolfratshausen: Fleischer spricht von „Grenzmauer“

„Wir sind nicht gegen das Bauvorhaben“, betonte CSU-Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Günther Eibl am Dienstag beim Pressetermin vor Ort. Doch die Kommune dürfe keine Präzedenzfälle schaffen. 

Laut dem rechtsverbindlichen Bebauungsplan sei eine maximal 1,75 Meter hohe Mauer im Kreuzungsbereich Sauerlacher Straße/Am Floßkanal zulässig. Eine 3,50 Meter hohe „Grenzmauer“ (Dr. Manfred Fleischer) lehnen die Christsozialen kategorisch ab. 

Video: Lärm ist große Gefahr für unsere Gesundheit 

Ein Grund: Andere Grundstückseigentümer in der Flößerstadt könnten sich auf die Entscheidung der Kommune berufen – und ähnlich stattliche Einhausungen beantragen. Und: Die massive Betonmauer an der Sauerlacher Straße werde den Verkehrslärm in Richtung der umliegenden Bebauung reflektieren, erläuterte Eibl. Wie die Hauseigentümer, die der Kommune vor der Grundsteinlegung jeweils eigene Lärmschutzpläne vorlegen mussten, auf diese Tatsache reagieren werden, „will ich mir gar nicht ausmalen“, so Eibl. Er könne Schadensersatzforderungen nicht ausschließen.

Mit einem Antrag zur Geschäftsordnung will die CSU die „Verschandelung“ (Fleischer) Wolfratshausens verhindern. Von Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW), der für den Mauerbau votiert hat, verlangt Eibl eine „Nachprüfung“. Das heißt: Will es ein Viertel des 25-köpfigen Stadtrates, muss der Tagesordnungspunkt Mehrgenerationenhaus inklusive Schallschutzwand kurzfristig noch einmal in dem Gremium behandelt werden. Der Antrag zur Geschäftsordnung liegt dem Rathauschef laut Eibl bereits vor.

Wolfratshausen: „Sind definitiv gegen eine Betonmauer“

„Wir sind grundsätzlich für die Errichtung eines gestalterisch verträglichen Mehrgenerationenprojekts“, stellen Eibl und sein Stellvertreter Peter Plößl in dem von ihnen unterschriebenen Antrag fest. „Wir sind jedoch definitiv gegen eine Betonmauer mit einer Höhe von 3,50 Metern sowie gegen sämtliche Befreiungen, die erheblich vom derzeit gültigen Bebauungsplan abweichen.“

Die acht CSU-Vertreter im Stadtrat gehen davon aus, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen ist. Aus den Reihen der SPD-Fraktion gebe es Signale, für den Geschäftsordnungsantrag der Christsozialen zu stimmen, so Eibl. Bereits in der Bauausschusssitzung hatte Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) mit der Mauerhöhe gehadert. Er gab zu bedenken: „Was, wenn andere auch die Erhöhung ihrer Mauern fordern?“ Dennoch votierte Schnaller für den Bauantrag der Maro. 

cce

Lesen Sie auch: Mehrgenerationenhaus: Bauausschuss erlaubt 3,50 Meter hohen Lärmschutz. In einer anderen Kommune südlich von München ist die Problematik schon weiter fortgeschritten. Die Bürger dort sprechen von einer „Zweigstelle Stadelheim“.

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