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Bauen nach Maß: Nicht alle Häuslebauer halten sich an verbindliche Grenzen.

Bauausschuss in Wolfratshausen

Grenzüberschreitungen sind an der Tagesordnung

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Für Häuslebauer gelten in der Regel verbindliche Grenzen. In Wolfratshausen mehren sich jedoch die Fälle, in denen sich die potenziellen Bauherren gemeinsam mit ihren Architekten über die Vorgaben hinwegsetzen.

Wolfratshausen– In der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses machte Gerlinde Berchtold ihrem Ärger Luft. „Es mehren sich die Fälle, dass Baugrenzen einfach überschritten werden“, schimpfte die SPD-Stadträtin. Sie frage sich, „was denn diese Leute sagen würden, wenn ihr Nachbar einfach mal 1,50 Meter weit in ihr Grundstück reinbaut“.

Auslöser des Gefühlsausbruchs war der beantragte Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern plus Tiefgarage auf einem Grundstück Am Gries. Laut Erläuterung von Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard würde das nördlich gelegene Gebäude „aus dem Baufenster verschoben“. Das auf dem südlichen Teil des Grundstücks geplante Mehrfamilienhaus „überschreitet das Baufenster in Richtung Süden um 1,50 Meter und im Westen durch das Treppenhaus“. Damit nicht genug: Die Balkone „liegen vollständig außerhalb der Baugrenzen“, und die maximal zulässige Geschossflächenzahl „wird deutlich überschritten“, so Leonhard. „Um 25 Prozent“, hatte Dr. Hans Schmidt (Grüne) flugs nachgerechnet. Er plädierte an die Ausschussmitglieder, „Wildwuchs zu verhindern“ und „keine Präzedenzfälle zu schaffen“.

Wildwuchs soll verhindert werden

Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) stellte fest: „Hier wird unsere Toleranzgrenze ausgelotet.“ Renate Tilke (CSU) empfahl den Antragstellern, „sich noch einmal den Bebauungsplan genau anzuschauen“. Diese Rechtsgrundlage vier, fünf Mal außer Acht zu lassen, „das ist mir ein bisschen viel“. Tilke sekundierte Schmidt: „Wir sollten keinen Präzedenzfall schaffen.“

Der Fraktionschef der Bürgervereinigung, Josef Praller, war um einen Kompromiss bemüht. Er appellierte an die Bauwerber, sich mit den Nachbarn zusammenzutun und bei der Stadt die Änderung des aus den 1990er-Jahren stammenden Bebauungsplans zu beantragen. „Das kostet natürlich sehr viel Zeit“, räumte Praller ein. Er plädierte dafür, über den vorliegenden Bauantrag in vier Schritten abzustimmen, was der Bauausschuss auch tat: die Überschreitung der Baugrenzen durch die Hauptgebäude lehnte das Gremium mit 3:7 Stimmen ab; die Überschreitung der Baugrenzen durch Balkone bis zu einer Tiefe von 1,50 Meter wurde mit 8:2 Stimmen genehmigt; zur Überschreitung der maximal zulässigen Zahl der Vollgeschosse für das südliche Gebäude sagte der Bauausschuss einstimmig Nein; die Überschreitung der maximalen Geschossflächenzahl (0,6) lehnte das Gremium geschlossen ab. Die Geschossflächenzahl, kurz GFZ, gibt das Verhältnis der gesamten Fläche aller Vollgeschosse des Baukörpers zur Gesamtfläche des Baugrundstücks an.

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