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Keine „Eiszeit“ mehr in Wolfratshausen - Stadtrat will Energie sparen

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Von: Carl-Christian Eick

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Eiszeit Wolfratshausen
Ist endgültig abgesagt: Eine „Eiszeit“ an der alten Floßlände in Wolfratshausen wird es im Winter 2022/23 nicht geben. Diese Entscheidung fällte der Stadtrat mit 12:6 Stimmen. © Stadt Wolfratshausen

Der Wolfratshauser Stadtrat hat Energiesparmaßnahmen beschlossen. Er traf auch eine unpopuläre Entscheidung - gegen einen „großen Energieschlucker“

Wolfratshausen – Der Stadtrat ist auf Energiesparkurs gegangen. Vor dem Hintergrund der von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen votierten die Bürgervertreter in ihrer Sitzung am Dienstag in der Loisachhalle für zahlreiche Einschnitte. Sie schreckten auch vor einer sehr unpopulären Entscheidung nicht zurück: Im Winter 2022/23 wird es nun doch keine „Eiszeit“ an der alten Floßlände geben.

„Großer Energieschlucker“: Wolfratshauser Stadtrat trifft sehr unpopuläre Entscheidung

Seit Juni gilt in Deutschland die „Alarmstufe des Notfallplan Gas“. Damit die Energieversorgung im Winter sichergestellt werden kann, appelliert Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) an Kommunen, Unternehmen und die Bürger: „Energie einzusparen, ist das Gebot der nächsten Monate.“ Diese Aufforderung dürfe nicht ungehört verhallen, so der Tenor im Stadtrat. „Auch die Stadtverwaltung sieht die Notwendigkeit“, erklärte die Umwelt- und Klimaschutzmanagerin im Rathaus, Vivian Horngacher. Nur Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) verwehrte konsequent sämtlichen Beschlussvorschlägen der Verwaltung seine Zustimmung. Im „Pamphlet“ der Bundesregierung mit Blick auf die Einsparpotenziale auf kommunaler Ebene „steht nur Blödsinn“, so Kugler.

„Eiszeit“ im Winter 2021/22: 22.570 Kilowattstunden Stromverbrauch

Mit 12:6 Stimmen fiel am Dienstag die endgültige Entscheidung: Eine „Eiszeit“ wird’s in diesem Winter nicht geben. Schon im April hatte der Kulturausschuss des Stadtrats eine Wiederauflage der „Eiszeit“ abgelehnt – doch der Rat nahm sich des Themas nicht zuletzt aufgrund großer öffentlicher Empörung noch einmal an: Mit 16:5 Stimmen machte das Gremium den Weg wieder frei für die künstliche Eisfläche am Loisachufer. Nun erfolgte die Rolle rückwärts.

Der extreme Energieverbrauch ist einfach nicht mehr zu verantworten.

Renate Tilke (CSU)

Die „Eiszeit“, für die sich die Jugendreferentin des Stadtrats stets stark gemacht hatte, sei „ein großer Energieschlucker“, räumte Jennifer Layton (Grüne) ein. Ihre Fraktionskollegin, Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth, bedauerte die Absage ausdrücklich, vertrat aber den Standpunkt: Angesichts eines drohenden „Notfallwinters“ müssten „alle einen Beitrag leisten“. Sollten die Bürger im Dezember in ihren Wohnungen frösteln, „kommt das sehr komisch“, so Heinloth, „wenn in Wolfratshausen die ,Eiszeit’ leuchtet“. Laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) summierte sich der Verbrauch von Kälteaggregat und Beleuchtung im vergangenen Winter auf 22 570 Kilowattstunden Strom.

Der „extreme Energieverbrauch“ sei „einfach nicht mehr zu verantworten“, konstatierte Renate Tilke (CSU). Fritz Schnaller (SPD) bezeichnete den Schlittschuhspaß als „wunderbare Sache“, doch es gebe Menschen, „die haben im Moment ganz andere Probleme“, ordnete er das Thema im Kontext des Krieges in der Ukraine ein.

Die Alternative: Schlittschuhlaufen im Geretsrieder Eisstadion

Gerlinde Berchtold (SPD) zeigte eine Alternative auf: Auch ihr „tut es sehr leid“, dass es heuer keine „Eiszeit“ geben wird, doch die Kufenflitzer hätten im Geretsrieder Eisstadion die Gelegenheit, ihre Runden zu drehen. Das helfe nicht zuletzt dem ESC River Rats, dem wie berichtet die Betriebskosten aufgrund der Explosion der Energiepreise aus dem Ruder laufen. Apropos Kosten: Die Aufkündigung der bereits mit dem Eismacher geschlossenen Verträge kostet die Flößerstadt rund 23 000 Euro.

Für das Festhalten an dem Vorhaben votierten schließlich Heilinglechner, Dr. Ulrike Krischke und Josef Praller (alle Bürgervereinigung), Helmut Forster und Richard Kugler (beide Wolfratshauser Liste) sowie Jugendreferentin Layton (Grüne). Zwölf Stadträte stimmten gegen eine „Eiszeit“ in diesem Winter.

Wolfratshausen: Weihnachtsbeleuchtung wird um die Hälfte reduziert

Deutlich reduziert wird heuer laut 17:2-Beschluss des Stadtrats die Weihnachtsbeleuchtung. Die verschlingt in der Adventszeit laut „Hochrechnung“ von Grünen-Rat Rudi Seibt fast 3500 Kilowattstunden Strom. Geplant ist unter anderem, zwar alle Girlanden in der Altstadt aufzuhängen – doch nur jede zweite Lichterkette anzuschalten. Und: Der Sebastiani-Steg wird voraussichtlich gar nicht illuminiert, zudem schlug Seibt vor, die Weihnachtsbeleuchtung ab dem Neujahrstag abzuschalten. Dr. Patrick Lechner (FDP) und Krischke warnten vor zu viel Verzicht: Ein gerüttelt Maß Weihnachtsdeko sei nötig, um ein „Einkaufserlebnis“ zu schaffen, denn der arg gebeutelte Einzelhandel sei auf ein gutes Weihnachtsgeschäft angewiesen. „Die Stadt sollte sich ein wenig Weihnachtszauber erlauben“, sekundierte Tilke dem Duo.

6.500 Kilowatt Stromverbrauch: Loisachfontäne bleibt aus

Schon zwei Jahre fehlt die Loisachfontäne an der alten Floßlände. Laut Rathauschef hat ein Hochwasser die Verankerung mitgerissen. Vorläufig wird nun auf die Fontäne (6500 Kilowatt Strom Jahresverbrauch) verzichtet. Der Beschluss fiel gegen die Stimmen von Praller und Kugler.

Nur noch kaltes Wasser in den Wolfratshauser Sporthallen?

Mit großer Mehrheit beauftragte der Stadtrat am Dienstag die Verwaltung zu prüfen, ob die Warmwasseraufbereitung in den städtischen Turn- und Sporthallen abgeschaltet werden kann. Wenn ja, müssten die Sportler mit kaltem Wasser duschen. Festgezurrt haben die Bürgervertreter bereits: Die Höchsttemperaturen in den städtischen Sportstätten wird auf 17 Grad abgesenkt. Fazit von Stadtrat Lechner: „Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Sollte nicht solidarisch der Energieverbrauch reduziert werden, „stehen im Winter im schlimmsten Fall Privathaushalte ohne Strom da“. (cce)

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