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„Großes Durcheinander“: Corona-Teststationen bleiben zu - Trotz explodierender Nachfrage

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Von: Carl-Christian Eick

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Schnellteststation in Wolfratshausen
Viele tausend Corona-Tests führten Ehrenamtliche in Wolfratshausen durch. Sogar Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (re.) nutzte das Angebot. Doch im Oktober schlossen die Freiwilligen die letzte von vier Schnellteststationen in der Flößerstadt. © Archiv

3G am Arbeitsplatz und 2Gplus in der Sporthalle: Die Nachfrage nach Corona-Schnelltests ist explodiert. Dennoch öffnet die DLRG ihre Schnellteststationen in Wolfratshausen nicht.

Wolfratshausen – Das deutliche Nachschärfen der Corona-Infektionsschutzmaßnahmen im Freistaat (3G am Arbeitsplatz und 2Gplus in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens) hat die Nachfrage nach Schnelltest explodieren lassen. Mit der Wiederinbetriebnahme einer zentralen Teststation in der Loisachstadt ist nach Worten von Robert Klingel, Vorsitzender des DLRG-Ortsverbandes Schäftlarn-Wolfratshausen, derzeit aber nicht zu rechnen: „Wir planen nichts.“

Corona-Verschärfungen: Schnelltest-Nachfragen explodieren - „Lieferketten brechen ein“

In der Helios-Apotheke an der Bahnhofstraße werden Abstriche vorgenommen. Doch Apotheker Stefan Mahr kann nicht vorhersagen, wie lange noch. Denn: „Die Lieferketten brechen ein.“ In Sachen Schnelltests „haben wir einen echten Engpass“, es sei ihm und seinem Team kaum noch möglich, an Nachschub zu kommen.

„Wir versuchen wirklich alles, was geht, doch es ist sehr, sehr schwierig.“ Der Apotheker sieht sich mit zwei gravierenden Problemen konfrontiert: Test-Kits sind akute Mangelware – und aus diesem Grund schrauben sich die Einkaufspreise in astronomische Höhen.

Corona-Lage in Bayern: Große Test-Nachfrage - Apotheker „ersticken in Arbeit“

Peter Becker, Inhaber der Marien-Apotheke am Obermarkt, kann ein Lied davon singen, wie groß die Nachfrage nach Tests ist – und wie groß die Verunsicherung der Menschen: „Wir können die Flut der Telefonanfragen gar nicht mehr bewältigen.“ Becker nimmt in seiner Apotheke keine Abstriche vor und bittet dafür um Verständnis.

„Wir ersticken in Arbeit“, sagt er. Da ist zum einen das Tagesgeschäft, aber vor allem der Kampf gegen das Coronavirus. Irgendwie und irgendwo versucht Becker an Impfstoff zu kommen, wird Vakzin geliefert, reicht er es umgehend an Hausarztpraxen weiter. „Allein in der vergangenen Woche habe ich gut 1000 Impfdosen verteilt.“

Wie sein Berufskollege Mahr muss auch Becker mit spitzem Bleistift rechnen. Noch vor einiger Zeit kostete ein Corona-Selbsttest keine 90 Cent pro Stück, inzwischen rufe der Großhandel ganz andere Preise auf. Wer den Apothekern vorhalte, dass sie derzeit „ein Riesengeschäft machen“, erklärt Becker vor diesem Hintergrund, der irre sich gewaltig.

Video: Corona-Testzentren seit Einführung von 3G stark überlastet

Corona in Wolfratshausen: Neue Testmöglichkeit im Rathaus-Innenhof

In der Flößerstadt bieten laut Landratsamt neben der Helios-Apotheke noch die Gesundheitspraxis Lauber an der Auenstraße sowie die Heilpraxis Knöpfle (neues Testzentrum im Rathaus-Innenhof) die Möglichkeit an, sich testen zu lassen. Dass erscheint vielen Bürgern als zu wenig. Allerdings ist nicht damit zu rechnen, dass eine der vor einigen Wochen geschlossenen Testationen wieder ans Netz geht. „Wir planen nichts“, sagt DLRG-Ortsvorsitzender Robert Klingel auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Wasserretter hatten in der Vergangenheit federführend gemeinsam mit anderen Vereinen und Freiwilligen mehrere Teststationen in Wolfratshausen betrieben. Angesichts der damaligen Ankündigung, dass die Abstriche ab 11. Oktober kostenpflichtig sind, schloss die DLRG die zu diesem Zeitpunkt letzte Schnellteststation in der Loisachpassage. Der administrative Aufwand, konkret die Abrechnung der Tests, würde „das übersteigen, was wir leisten können“, erklärte Klingel. „Das ist für uns nicht mehr machbar.“

Keine Corona-Teststationen vom DLRG - „Null Planungssicherheit“

Obwohl es inzwischen wieder kostenlose Bürgertests gibt, hat bei den Ehrenamtlichen kein Meinungswechsel stattgefunden. DLRG-Chef Klingel nimmt kein Blatt vor dem Mund und spricht von einem „großen Durcheinander“. Es gebe für ihn und seine ehrenamtlichen Mitstreiter „null Planungssicherheit“. Die behördlichen Bestimmungen mit Blick auf Testverfahren und -kosten würden sich schneller ändern als das Wetter in den Bergen.

Klingel weist darauf hin, dass der Freistaat den Katastrophenfall ausgerufen hat, „meine Mannschaft hat ja auch andere Aufgaben zu bewältigen“. Es sei angesichts überfüllter Krankenhäuser und Patientenverlegungen quer durch Bayern nicht auszuschließen, dass die helfenden Hände der DLRG noch dringend gebraucht werden. Nein, das Thema Schnelltestation stehe derzeit nicht ganz oben auf seiner Tagesordnung, so Klingel.

Corona-Teststation: Interessenten können sich beim Landratsamt melden

„Alle uns bekannten Teststellen sind entweder aufgrund der Testverordnung durch das Gesundheitsamt beauftragt oder dürfen im Rahmen der Testverordnung auch ohne Beauftragung testen“, stellt Marlis Peischer, Pressesprecherin der Kreisbehörde, zu dem Thema fest. „Sie alle haben sich gegebenenfalls selbst beim Gesundheitsamt gemeldet und ihr Interesse bekundet.“ Bis vor Kurzem habe die „die Summe der Teststellenbetreiber leider abgenommen“, so Peischer. Seit der jüngsten Verschärfung der Infektionsschutzverordnung „werden es wieder mehr“.

Die DLRG „engagierte sich auf eigene Initiative hin, aufgrund der Testverordnung war auch keine Beauftragung durch das Gesundheitsamt nötig“, erläutert die Behördensprecherin rückblickend. „Sollte hier wieder Interesse bestehen, kann die Teststation umgehend reaktiviert werden.“ Wer Interesse habe, eine Testeinrichtung zu betrieben, könne sich beim Landratsamt in Bad Tölz melden. Peischer: „Sobald alle Voraussetzungen vorliegen, spricht das Gesundheitsamt eine Beauftragung umgehend aus.“ (cce)

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