Eine Frau.
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Jennifer Layton (Grüne) ist die Jugendreferentin des Wolfratshauser Stadtrats.

Bericht der Jugendreferentin

Grüne schimpft: Politik schenkte Jugend in der Pandemie kaum Beachtung

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Jugendreferentin des Wolfratshauser Stadtrats hat der „großen Politik“ die Leviten gelesen. Man habe der Jugend in der Corona-Pandemie zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Wolfratshausen – Jennifer Layton (Grüne) trat das Amt der Jugendreferentin des Stadtrats unter äußerst widrigen Rahmenbedingungen an. Seit Frühling 2020 wird Laytons Arbeit von der Corona-Pandemie überschattet, die nach ihren Worten fatale Folgen für Kinder und Jugendliche hat. Die „große Politik“ habe der Jugend in den zurückliegenden Monaten kaum Aufmerksamkeit geschenkt, „weil sie keine Risikogruppe ist“.

Lockdown, strenge Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperre: Jugendarbeit habe häufig nur digital stattfinden können, berichtete Layton in der jüngsten Stadtratssitzung. „Mit ein bisschen Glück“ sei allerdings die eine oder andere Aktion „zwischen zwei Lockdowns“ durchführbar gewesen. Darüber hinaus habe sie den Spendenlauf Wolfratshauser Vereine „Füreinander bewegen“ unterstützt und dem Kreisjugendring bei der Organisation der Ramadama-Aktion „Uns stinkt’s“ im Nordlandkreis unter die Arme gegriffen. Nicht zu vergessen: das Engagement für Verstärkerbusse auf der Strecke von Wolfratshausen zum Geretsrieder Schulzentrum.

Wenn über viele Monate hinweg ein Kind oder Teenager immer wieder zu spüren bekommt, seine Bedürfnisse seien jetzt verzichtbar und Traurigkeit unangebracht, dann geht es um mehr als einen Geburtstag ohne Gäste.“

Jennifer Layton, Jugendreferentin des Stadtrats

Das alles könne nicht darüber hinwegtäuschen: Kinder und Jugendliche würden unter der Reduzierung sozialer Kontakte „auf ein Minimum“ extrem leiden. „Denn die Jugend ist eine Phase der Ablösung vom Elternhaus, der Selbstfindung und wichtiger Entscheidungen“, betonte Layton. Ein Kind verschmerze eine abgesagte Geburtstagsfeier und einen Sommer ohne Zeltlager. „Doch wenn über viele Monate hinweg ein Kind oder Teenager immer wieder zu spüren bekommt, seine Bedürfnisse seien jetzt verzichtbar und Traurigkeit unangebracht, dann geht es um mehr als einen Geburtstag ohne Gäste.“

Die Jugend ist kurz, „doch sie ist prägend“

Für Jugendliche sei der Umgang mit Gleichaltrigen „von enormer Bedeutung“, stellte Layton fest. „Nur so können sie Schritte unternehmen, um sich von ihrem Elternhaus zu lösen.“ Doch während der Corona-Pandemie hätten viele ihre „Handlungs- und Bewegungsräume verloren, die sie brauchen, um ihre eigene Identität und ihren psychosozialen Ausgleich zu finden“. Null Vereinsleben, Jugendhäuser, Bars, Diskotheken und Fitnessclubs geschlossen: „Die Jugend ist kurz, doch sie ist prägend. Sie ist ausschlaggebend dafür, welche politische Haltung wir entwickeln. Man entscheidet sich für einen Berufs- und Bildungsweg. Erste Liebesbeziehungen werden erprobt. Das alles ist seit Corona nur unter erschwerten Bedingungen möglich“, so die Jugendreferentin.

Ein Jahr, in dem Kinder und Jugendliche das Gefühl bekommen hätten, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse nicht wichtig seien, verändere bei den Betroffenen viel. Layton: „Gerade für die, die auf weniger Lebenserfahrung zurückblicken können, wenig Halt in ihren Familien erfahren und in beengten räumlichen Verhältnissen leben.“ Jugendlichen sei nie als Risikogruppe, die sie de facto seien, Beachtung geschenkt worden – nur im Zusammenhang mit dem Thema Schule. „Ausgebremst“ worden sei auch die „junge Klimabewegung“ Fridays for Future, so die Grünen-Stadträtin. Mit dem Ergebnis: „Die Jugendlichen fühlen sich politisch nicht gesehen.“ Laut einer Studie hätten 60 Prozent der Befragten angegeben, den Eindruck zu haben, die Situation junger Menschen sei der Politik nicht wichtig. Doch wer als Jugendlicher das Gefühl habe, mit seinen Problemen alleingelassen zu werden, sei weitaus weniger bereit, sich für andere, für die Gesellschaft zu engagieren. „Deshalb sollten die Entscheidungsträger von heute die Sorgen der Jugend ernst nehmen“, betonte Layton.

Jugendreferentin steht in den Startlöchern

Die Jugendreferentin hat die Hoffnung, dass die coronabedingten Einschränkungen peu à peu aufgehoben werden. Layton steht bereits in den Startlöchern. Besonders am Herz liegt ihr nach eigenen Worten die sogenannte U18-Wahl, die Jugendliche unter 18 Jahren an Politik heranführen soll. Gemeinsam mit dem Sportreferenten des Stadtrats, Maximilian Schwarz (BVW), arbeitet sie bereits an einem Aktionstag mit dem Titel „Mach mit!“ Darüber hinaus will Layton „Weggehmöglichkeiten und Jugendtreffs in Wolfratshausen“ beleuchten. (cce)

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