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Die Entwicklung am Kraft-Areal kritisierten die Grünen.

Mensch, nicht Euro steht im Mittelpunkt

Lob und Tadel: Grüne ziehen Halbzeitbilanz

Das Wahlprogramm wurde durchgesetzt, an manchen Stellen gibt es aber noch Verbesserungsbedarf: Drei Jahre nach der Kommunalwahl ziehen die Wolfratshauser Grünen Halbzeitbilanz.

Wolfratshausen Beim Starkbierfest in der Loisachhalle hatten die Grünen eine Nebenrolle. „Da hieß es nur, dass wir um Ulmen tanzen“, berichtete Fraktionssprecherin Annette Heinloth in der jüngsten Versammlung des Ortsverbandes. Wenn sie jedoch auf das Wirken der dreiköpfigen Fraktion im Stadtrat blicke, stelle sich bei ihr ein anderer Eindruck ein. Das eigene Wahlprogramm haben die Grünen bislang „stringent durchgesetzt“, so Heinloth. Drei Jahre nach der jüngsten Kommunalwahl zogen die Grünen in Musto’s Restaurant in Farchet kürzlich eine Halbzeitbilanz.

Transparenz und Bürgerbeteiligung

„Noch nicht ganz erfolgreich“ waren die Bemühungen der Grünen in diesem Punkt. Die Zusammenstellung des Haushaltes sei zuletzt jedoch „deutlich transparenter gelaufen“ als in den Jahren zuvor. Jede Fraktion durfte einzelne Punkte als Antrag für die Finanzplanung einbringen. In Sachen Bürgerbeteiligung sieht Heinloth noch Verbesserungspotenzial: „Es ist sehr schwer durchsetzbar, Bürger in verschiedenen Gremien einzubinden.“

Bauen, Wohnen und Umwelt

Sehr engagiert habe sich Grünen-Sprecher Dr. Hans Schmidt für die Trinkwasserqualität in der Loisachstadt eingesetzt, lobte die Fraktionsvorsitzende. Dass die Stadt eine Energiemanagerin eingestellt und einen Energienutzungsplan angefertigt habe, werten die Grünen auch als eigenen Erfolg. Der soziale Wohnungsbau – ein Wahlversprechen aus dem Jahr 2014 der Grünen – wurde zusammen mit anderen Fraktionen „vorangetrieben“. Die Bilanz fiel aber nicht nur positiv aus: „Beim Kraft-Areal sind wir gescheitert.“ Dort möchte die Kommune wie berichtet ein Einkaufszentrum mit Vollsortimenter, Elektromarkt und Sportgeschäft ansiedeln. Außerdem sollen auf dem 10 000 Quadratmeter großen Areal östlich des S-Bahnhofs Wohnungen gebaut werden. Die Grünen hatten für die Fläche eine weniger massive Bebauung gefordert. Außerdem, so Heinloth grundsätzlich, würde der Stadtrat großen Bauprojekten immer noch zustimmen, obwohl paralell dazu keine keine infrastrukturellen Verbesserungen beschlossen würden. Heinloth bemängelte außerdem das Fehlen einer Baumschutzverordnung in der Loisachstadt.

Verkehr

Einige Erfolge konnten die Grünen feiern. „Wir haben eine neue Stadtbuslinie, einen neuen Fahrradschutzstreifen und Tempo 30 vor den Schulen durchgesetzt“, berichtete Heinloth. Allerdings müsse die Kommune in Sachen E-Mobilität aktiver werden, „denn da passiert nicht so viel“. Die Grünen würden sich eine Stadtbegehung mit Menschen wünschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, um deren Probleme im Alltag zu erkennen.

Interkommunale Zusammenarbeit

„Wir wollten eine gute Kooperation mit der Stadt Geretsried“, betonte Heinloth. Im Moment sei der Austausch jedoch „sehr, sehr mager“. In den drei Stadtratsjahren hätten sich die Gremien erst einmal getroffen. „Dabei wäre das wichtig und sinnvoll.“

Gemeinschaftsleben

Ein Schachbrett vor der Bücherei, der Umzug der Schule der Phantasie – Heinloth konnte einige Beispiele für Verbesserungen des Gemeinschaftslebens aufzählen. Dennoch plädieren die Grünen für einen höheren Stellenwert dieses Themas im Stadtrat. „Wir möchten den Menschen statt Wirtschaftsinteressen in den Mittelpunkt der Arbeit stellen“, so Heinloth. Bei nahezu jedem Projekt, das das Gremium diskutiere, käme die Frage auf, „was das der Stadt in Euro bringt“. Eine Mehrheit des Stadtrates sähe es als Hauptanliegen „den Stadtsäckel zu vergrößern und Rücklagen zu bilden. Da blinken die Augen, wenn ein Schnäppchen zu machen ist.“  dst

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