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Hacker bedrohen Bürger, Firmen und Behörden: „Angriffe sind an der Tagesordnung“

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Von: Dominik Stallein

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„Angriffe sind an der Tagesordnung“: Regelmäßig versuchen sich Hacker Zugriff auf das Computersystem von Unternehmen und Behörden zu verschaffen. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs haben diese Fälle zugenommen.
„Angriffe sind an der Tagesordnung“: Regelmäßig versuchen sich Hacker Zugriff auf das Computersystem von Unternehmen und Behörden zu verschaffen. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs haben diese Fälle zugenommen. © DPA

Betriebe und Behörden im Kreis sehen sich zunehmenden Hacker-Angriffen ausgesetzt. Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist das Problem noch größer.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Täter können überall auf der Welt sitzen. Die Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist unsichtbar, aber allgegenwärtig: Hacker-Angriffe auf Unternehmen, Behörden und Privatleute nehmen aktuell dramatisch zu. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gilt auch für IT-Spezialisten Alarmstufe rot.

Hacker bedrohen Bürger, Firmen und Behörden: „Angriffe sind an der Tagesordnung“

„Die Angriffe sind in der Wirtschaft an der Tagesordnung“, sagt der Sprecher eines Großunternehmens im Landkreis. Den Namen des Betriebs möchte er nicht in der Zeitung lesen, weil er sich Sorgen macht, dass das noch weitere Hacker auf den Plan rufen könnte. Schon jetzt sieht sich das Unternehmen ständigen Angriffen ausgesetzt. „In der Regel wird versucht, sich durch Phishing-Mails Zugang zu verschaffen“, erklärt der Sprecher.

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Nicht immer kann man den Ursprung der Attacken feststellen – wenn es doch klappt, würden die Angreifer meist in Russland oder China lokalisiert. Das Unternehmen hat sich gewappnet: „Um uns zu schützen, haben wir eine eigene Datenschutz- und IT-Sicherheitsabteilung, die die Lage permanent beobachtet.“ Abwehrsysteme würden laufend geschärft, die Kollegen für das Thema sensibilisiert: „Wir machen regelmäßig IT-Sicherheits- und Datenschutzschulungen, die für alle verpflichtend sind.“

Hacker-Angriffe nehmen zu: So rüsten sich Behörden gegen Internet-Gefahren

Das Landratsamt verzeichnete in den vergangenen Wochen zwar keine Verschärfung der Lage, aber „die zunehmende Digitalisierung erfordert schon seit einiger Zeit eine große Aufmerksamkeit im Bereich der IT-Sicherheit“, erklärt Sprecherin Sabine Schmid. Lahmgelegt wurde das Behördennetz noch nie, was auch an den Schutzmaßnahmen liegen dürfte, die das Amt ergriffen hat. Das sei „ein laufender Prozess“, weil die Firewalls jeder neuen Bedrohungslage angepasst würden.

„Zu technischen Maßnahmen gehören beispielsweise der Einsatz eines Spamfilters, eines Virenschutzsystems und einer Firewall“, so Schmid. Die Systeme würden regelmäßige Updates erfahren, die Mitarbeiter in Schulungen auf den aktuellen Stand gebracht. Trotz all dem gibt es einen Notfallplan: „Im Falle eines Sicherheitsvorfalls hat das Landratsamt eine Kommunikationsstrategie vorbereitet, um Bürger, Presse und Mitarbeiter rechtzeitig und präzise zu informieren.“ Eine solche Strategie „sollte auch für die Kommunen im Landkreis gelten“.

Folgen eines Hackerangriffs können massiv sein: Sensible Daten der Menschen könnten in falsche Hände gelangen

Der IT-Chef im Lenggrieser Rathaus, Ulrich Scheitler, erklärt die Gefahren, sollte ein Hacker auf das System einer Kommune zugreifen können. Von einem Stillstand des Betriebs, finanziellen Schäden, Erpressungsversuchen bis hin zu einem Datenleck, das sensible Angaben der Bürger in kriminelle Hände bringt, sei alles denkbar. „Es gibt klare interne Regelungen für den Ernstfall“, so Scheitler. Bisher haben die technischen Vorkehrungen – wie Mailfilter, ein Backup-Konzept und regelmäßige Sicherheitsscans – den Angriffen standgehalten.

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Laut Scheitler gibt es fast täglich Versuche über sogenannte Phishing-Attacken, also Mails oder Websites, bei denen sich die Täter „als vertrauenswürdige Kommunikationspartner ausgeben und so versuchen, sensible Daten abzugreifen“. Gelegentlich würde die Firewall „gezielt mit so vielen Anfragen gleichzeitig bombardiert, dass das System die Aufgaben nicht mehr bewältigen kann und Dienste beendet“, berichtet der Fachmann. „Dies erfolgt meist durch Cyberkriminelle aus einem sogenannten Botnet, das viele infizierte Systeme, – meist mehrere Tausend bis hin zu Millionen – beinhaltet, die per Fernsteuerung verbunden wurden und zu bestimmten Aktionen missbraucht werden.“

Sparkasse verzeichnet bei Hackern „hohe Gefährdungslage“ - Sicherheitssysteme halten bislang

Die Sparkasse im Landkreis betont, dass sie aktuell keine akuten Bedrohungen verzeichnet, die „über die allgemein hohe Gefährdungslage hinaus“ gehen, sagt Pressesprecher Willi Streicher. Trotzdem behalten die IT-Experten des Geldinstituts die Situation ständig im Auge und stehen „im laufenden Austausch mit den Sicherheitsbehörden“. Die IT-Systeme aller deutschen Sparkassen werden von der Sparkassen-Finanz Informatik betreut. Sie betreibe ein wirksames Sicherheitssystem, „das kontinuierlich weiterentwickelt wird“.

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Wie groß die Gefahr täglich ist, zeigen Zahlen, die der Sprecher eines Großkonzerns aus dem Landkreis aufschlüsselt: Üblicherweise erreichen den Konzern in einem Monat etwa zwei Millionen Mails – rund die Hälfte davon ist schadhaft. „Das monatliche Aufkommen ist auf über sieben Millionen gestiegen, über sechs Millionen müssen abgefangen werden“.

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