Ein Feuerwehreinsatz
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Retten, was noch zu retten ist: Die Feuerwehren rücken im Moment ständig aus. Es ist ein außergewöhnlich einsatzreiches Jahr

Zwischenbilanz eines Wahnsinns-Jahres

Hagelkatastrophe, Starkregen, Großbrand: Feuerwehren sind im Dauereinsatz - „gab kein Jahr, das so heftig war“

  • VonDominik Stallein
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Für die Feuerwehren ist es ein Wahnsinnsjahr: „Ich kann mich an keines erinnern, das so heftig war“, sagt der Wolfratshauser Vize-Kommandant. Die Wehren mussten zu einigen Katastrophen ausrücken.

Wolfratshausen – 180 Einsatzkräfte versuchten zu retten, was noch zu retten war: Der Großbrand am Sonntagvormittag in einem Mehrparteienhaus an der Straße Am Waldrand machte vier Familien obdachlos – und steckt auch den Rettern noch in den Knochen. Es war leider nicht der erste Großeinsatz für die Ehrenamtlichen. Die Feuerwehren in der Loisachstadt sind in diesem Jahr gefühlt im Dauerbetrieb.

Das Pensum im bisherigen Jahr hat es in sich

Bei Bränden, dem heftigen Hagelunwetter vor einigen Wochen und dem Starkregen kurz darauf waren die Einsatzkräfte gefordert.

„Es ist schon außergewöhnlich viel los“, drückt es Andreas Bauer vorsichtig aus. Der Vize-Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen blickt auf ein arbeitsreiches bisheriges Jahr zurück. Seit 21 Jahren ist er in der Wehr aktiv. „Ich kann mich an kein Jahr erinnern, in dem es so heftig war.“ Natürlich ist der Hausbrand noch besonders präsent. „Aber wir hatten schon davor mehrere Großeinsätze.“ Bei einem Chemieunternehmen im Wolfratshauser Gewerbegebiet kippte Anfang Mai ein 1000-Liter-Behälter mit brennbarer Flüssigkeit um. Zwischenzeitlich bestand die Gefahr, dass sich ein explosionsfähiges Gemisch an Gasen in der Umgebungsluft sammelt.

Ungewöhnlich häufiger Starkregen macht Wehren zu schaffen

Bei den Starkregenereignissen der vergangenen Monate – Bauer: „Davon haben wir normalerweise höchstens eins im Jahr, heuer waren es fünf oder sechs“ – war die Feuerwehr mehrfach gefordert. Das Hagelunwetter im Juni sorgte für einen zweitägigen Dauereinsatz. „Da geht von uns niemand nach Hause. Um die hundert Anrufer haben unsere Hilfe gebraucht“, erinnert sich der 37-Jährige. Ein unglaubliches Pensum für die Ehrenamtlichen.

Die Hagelkatastrophe hat den Ehrenamtlichen viel abverlangt.

Der Weidacher Kommandant Robert Buxbaum erinnert sich noch gut an die chaotischen Zustände im Juni. „Man will natürlich allen sofort helfen, aber wir können uns nicht in 20 Stücke teilen, und müssen dann leider priorisieren.“ Der 45-Jährige spricht ebenfalls von einem „außergewöhnlichen Jahr“. Fast 50 Einsätze zählt seine Wehr bisher. Vor allem Brände seien im ganzen Landkreis häufiger geworden. Eine Erklärung dafür hat Buxbaum nicht. „Ich denke, das ist einfach Zufall.“

Eine Feuerwehr hat eigentlich immer zu wenig Leute

Andreas Bauer

Besonders im Vergleich zum vergangenen Jahr ist die Zunahme an Einsätzen enorm. Zum einen wegen des Extremwetters in der Region, zum anderen wegen der Pandemie: „Die Leute waren im letzten Jahr weniger unterwegs, dadurch ist es auch für uns ziemlich ruhig gewesen.“ Nicht nur, weil es weniger Notfälle gab – auch sämtliche soziale Aspekte der Feuerwehren mussten ruhen. Gerade für die Mitgliederwerbung war das eine schwierige Zeit. Der Tag der offenen Tür im Feuerwehrhaus am Hatzplatz beispielsweise ist ein verlässlicher Publikumsmagnet. „Damit bringen wir den ganz Jungen und deren Eltern die Arbeit näher und können sie für die Feuerwehr begeistern“, sagt Wolfratshausens Vize-Kommandant Bauer. Zwar versuchten die Mitglieder über soziale Netzwerke für sich selbst zu werben. „Persönlich und im direkten Kontakt ist das aber einfacher.“ Bauer hofft, dass das mit weniger Auflagen bald wieder möglich ist. Nötig wäre es auch: „Eine Feuerwehr hat eigentlich immer zu wenig Leute.“

Fehlende Übungen machen die Arbeit noch schwerer

Außerdem fehlten die regelmäßigen Übungen im Jahresprogramm. „Inzwischen geht es zwar wieder mit Abstand, kleineren Gruppen, Masken und am besten im Freien.“ Einen gewissen Nachholbedarf haben die Feuerwehrler aber immer noch. Die gute Nachricht: „Alle Einsätze haben fast erstaunlich gut funktioniert“, sagt Bauer.

Lesen Sie auch: Ein Großbrand in Wolfratshausen hat vier Familien obdachlos gemacht. Wir haben mit einer gesprochen - so geht es ihnen heute.

Doch auch wenn alles glimpflich läuft, sind die Einsätze für die Ehrenamtlichen kräftezehrend. Robert Buxbaum beschreibt das so: „Im Einsatz will man einfach helfen, und dann geht das auch. Aber am nächsten Tag merken wir, wie sehr diese Arbeit an die Substanz geht.“

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