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Der 17-jährige Realschüler Fabian Ibelherr lenkt in seiner Freizeit Busse durch deutsche Großstätte. Um sein Simulationsspiel am Computer möglichst realistisc h zu machen, hat er es mit Zubehör aus ausrangierten Fahrzeugen verbunden. 

Ungewöhnliches Hobby

Hamburg-Rundfahrt im Jugendzimmer

Bitte einsteigen: Der 17-jährige Realschüler Fabian Ibelherr lenkt in seiner Freizeit Busse durch deutsche Großstätte. Sein PC-Spiel im heimischen Jugendzimmer ist „bis ins letzte Detail realistisch“.

Wolfratshausen – „Moin“ sagt der Fahrgast, als er den Bus am Hamburger Bahnhof betritt und blickt Fabian Ibelherr ins Gesicht. Der junge Fahrer drückt einen Knopf auf seinem Armaturenbrett und die Türen des Wagens schließen sich geräuschvoll. Eine alltägliche Szene – in diesem Fall jedoch mit einigen Besonderheiten: Busfahrer Ibelherr besitzt keinen Führerschein, ist 17 Jahre alt und befindet sich gar nicht an der Haltestelle im Osten der Hamburger Innenstadt, sondern in seinem Jugendzimmer in Wolfratshausen.

Der junge Tüftler hat dort ein Unikat errichtet: Aus diversen Einzelteilen ausrangierter Busse, die kurz vor der Verschrottung standen, hat er einen Fahrersitz nachgebaut – mitsamt Lenkrad, Münzwechsler und Armaturenbrett. „Da steckt ein ganzes Jahr an Arbeit drin“, sagt Ibelherr.

Bauwerk ist perfekt synchronisiert

Seine heimische Fahrerkabine ist über einen Controller, eine Art Fernbedienung, mit einem Computer verbunden, auf dem ein Bus-Simulator installiert ist. Das Spiel steuert man eigentlich mit der Tastatur – dem Hobbytüftler wäre das aber zu profan. Ibelherr lenkt seinen virtuellen Wagen mit dem altertümlichen Lenkrad und Armaturenbrett durch die Straßen Berlins und Hamburgs.

Sein Bauwerk hat er perfekt synchronisiert – seine Anweisungen werden in Sekundenbruchteilen umgesetzt. Ibelherr lenkt den Wagen zielsicher durch deutsche Großstädte. Ein Hobby, auf das der Wolfratshauser Realschüler stolz ist. „Wenn ich Lust habe, kann ich mich einfach an meinen PC setzen und einen Ausflug durch Berlin machen.“ Dann schwingt sich der 17-Jährige gelegentlich in ein Sakko, macht einen Anstecker eines Busunternehmens am Revers fest, schaltet seinen Computer an und die Hauptstadttour in Ibelherrs Kinderzimmer kann beginnen.

„Wagen hält“-Schild kann leuchten

Wer das betritt, sieht sofort, wie begeistert der Jugendliche von Oldtimer-Bussen ist. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hat er ausrangierte Verkehrsschilder angebracht. „Haltestelle“, „Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen“ oder „Wagen hält“ steht darauf. Wie in einem richtigen Linienbus, kann das sogar leuchten. „Mir war es sehr wichtig, dass alles möglichst realistisch ist“, sagt Ibelherr. „Wenn ich schon so viel Zeit hineinstecke, dann sollte es auch bis ins letzte Detail stimmen.“

Dafür war mühselige Kleinarbeit notwendig: „Die Teile, die ich bekommen habe, waren in wirklich schlechtem Zustand.“ Sämtliche Stücke stammen aus Bussen, die in den 1970er Jahren gebaut und längst verschrottet sind. Nach einiger Suche hatte Ibelherr einen Sammler gefunden, der ihm das Bus-Interieur verkaufte. Zusammen mit seinem Vater restaurierte der 17-Jährige Knöpfe, Hebel, Tacho, Fahrersitz und Lenkrad.

Die Rundfahrt durch Hamburg ist für diesen Nachmittag beendet. Kurz vor der Endstation drückt Fabian Ibelherr auf einen kleinen Knopf am Amaturenbrett und das „Wagen hält“-Schild über seinem Computerbildschirm leuchtet auf. Der Jugendliche steuert die Haltestelle an, bringt seinen Bus zum Stehen. „Tschüss“, sagt der Hamburger Fahrgast ins Wolfratshauser Jugendzimmer.

Dominik Stallein

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