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Ein Hammer ist sein Handwerkszeug: Auch Humor sollte ein Auktionator mitbringen, sagt Wolfgang Kotz, der seit 27 Jahren Fundsachen versteigert.

Porträt: Wolfgang Kotz

Der den Hammer schwingt

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Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Wenn Wolfgang Kotz seinen Hammer auf den Holztisch knallen lässt, hat ein Fundfahrrad seinen Besitzer gewechselt – und im Stadtsäckel klingelt es. Seit 1990 ist der Rathausmitarbeiter Auktionator der Stadt Wolfratshausen.

Wolfratshausen – Ihre rechtmäßigen Eigentümer haben sie ihrem Schicksal überlassen. Am S-Bahnhof oder am Loisachufer rosten die herrenlosen Drahtesel vor sich hin – bis Mitarbeiter des Bauhofs oder Polizisten die Fahrräder einsammeln. Melden sich die Besitzer nicht binnen einer gesetzlichen Frist, werden die Gefährte bei einer städtischen Fundsachenversteigerung veräußert.

„2000 Stück werde ich in den vergangenen 27 Jahren wohl schon versteigert haben“, bilanziert Wolfgang Kotz. Der 56-Jährige, der vor 40 Jahren im Wolfratshauser Rathaus als Lehrling begann, schwingt bereits für den fünften Bürgermeister den Hammer. Den Job als Auktionator übernahm Klotz in der Amtszeit von Erich Brockard. Es folgten die Rathauschefs Peter Finsterwalder, Reiner Berchtold, Helmut Forster sowie – aktuell – Klaus Heilinglechner.

Genau genommen wurde Wolfgang Klotz 1990 ins kalte Wasser geworfen: Als eine Erkältung seinen Vorgänger Helmut Leicht außer Gefecht setzte, sagte der: „Wolfgang, ich hab’ keine Stimme mehr, heute musst Du die Versteigerung übernehmen.“ Klotz packte den Hammer – und legte ihn seit dem 6. August 1990 nicht mehr aus der Hand. 52 Auktionen hat er seither geleitet.

Nein, Lampenfieber habe er nicht, sagt Klotz im Gespräch mit unserer Zeitung mit einem Lächeln. Genau genommen müsse ein Auktionator nur eines beachten: „Sie müssen Humor haben und die Leut’ unterhalten.“ Okay: Ein gutes Auge und das große Einmaleins gehören auch dazu. Klotz, der in der Abteilung EDV/Organisation im Rathaus arbeitet, gibt ehrlich zu: „Mir macht der Job als Auktionator richtig Spaß.“ Sein Lohn für die Mühen, jeweils einmal im Frühjahr und im Spätsommer: Der Applaus der Bietenden und ein „wohlwollendes Wort“ seines Dienstherrn.

Wie gesagt: Klotz schätzt, dass er bisher rund 2000 Fundräder versteigert hat. Das Geld fließt eins zu eins in den Stadtsäckel. Die Erlöse für die in der Regel nicht verkehrstüchtigen Drahtesel liegen zwischen 20 und 150 Euro, das Mindestgebot sind zwei Euro. Ab 50 Euro geht’s in Fünf-Euro-Schritten, ab 100 Euro in Zehn-Euro-Schritten weiter. Bis der Hammer fällt. „Da waren mal zwei Frauen mit ihren Kindern, die unbedingt ein ganz bestimmtes Kinderfahrrad ersteigern wollten“, erinnert sich Klotz. Die zwei haben sich – angefeuert von ihrem Nachwuchs – fast gestritten. Am Ende hat eine der Frauen das Rad für 125 Euro mitgenommen. Für das Geld hätte sie wahrscheinlich ein neues bekommen.“ Bezahlt werden muss sofort in bar, EC- oder Kreditkarten akzeptiert der Rathausmitarbeiter nicht.

Längst sind die Bieter anspruchsvoller geworden, berichtet der Auktionator. „Sie nehmen nicht mehr jedes alte Rad. Die Bastler, die aus zwei günstig ersteigerten Rädern ein sehr gutes machen, sind nicht mehr so häufig anzutreffen.“ Was den erfahrenen Versteigerer häufig wundert: „Manche Räder, die von ihren Besitzern irgendwo stehen gelassen worden sind, sind in einem 1a-Zustand. Da fragt man sich, warum die sich nie bei der Polizei oder der Stadt melden.“

Klotz’ Handwerkszeug ist ein Hammer. Bis vor drei Jahren schlug der 56-Jährige mit einem handlichen Eisenhämmerchen auf den Tisch. Am Tag X, nur Minuten vor dem Beginn einer großen Auktion in der Wolfratshauser Altstadt, lag das gute Stück vergessen im Lager des Bauhofs. „Da bin ich schnell zum Baumarkt und habe mir einen Gummihammer gekauft. Den hüte ich persönlich und benutze ihn auch seither.“

Etwa zwei Stunden dauert eine städtische Auktion. Technische Unterstützung lehnt Kotz bis auf wenige Ausnahmen ab, er verlässt sich auf seine Stimme. „Naja“, räumt der Wolfratshauser ein, „nach zwei Stunden klingt die schon deutlich leiser.“ Und was sorgt für neue Stimmkraft? „Ein kühles Weißbier, dann geht’s wieder.“ Und wenn Kotz zuvor alle Räder an den Mann bringen konnte und die Kasse stimmt: „Dann war’s ein erfolgreicher Tag.“

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