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Bitte recht freundlich: Regisseur Rainer Kaufmann (hinten re., oranger Pulli) hat die jungen Wilden der Handballspielgemeinschaft (HSG) Isar-Loisach beim Dreh für einen ZDF-Krimi fest im Griff. Links neben Kaufmann: Schauspieler Albrecht Schuch (graues T-Shirt). 

Filmaufnahmen mit der HSG Isar-Loisach

Handballer haben den Dreh raus

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Junge Handballer aus Wolfratshausen und Geretsried stellen sich als Komparsen für eine ZDF-Produktion zur Verfügung. Das, was in der Wolfratshauser Turnhalle gedreht worden ist, wird demnächst über deutsche Fernseher flimmern. 

Wolfratshausen Egal, ob die zwei Dorfpolizisten Hubert und Staller in Münsing ermitteln oder die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr mit Blaulicht zu einem „Tatort“-Tatort nach Dietramszell brausen: Die Dreharbeiten finden in der Regel unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die renommierte Produktionsfirma Wiedemann und Berg aus München hat für uns eine Ausnahme gemacht – unsere Zeitung durfte den Filmemachern in Wolfratshausen über die Schultern schauen. In der Flößerstadt entstehen Sequenzen eines Krimi-Dramas, das im ZDF zu sehen sein wird. Mittendrin statt nur dabei: junge Handballer aus Wolfratshausen und Geretsried.

„Hier jodelt’s nicht extrem bayerisch“

Das Drehbuch für „Das schlafende Mädchen“ stammt aus der Feder von Frédéric Hambalek. Die Drehbuchwerkstatt München zeichnete das Werk 2016 mit dem „Tankred-Dorst“-Preis aus. Die passende Location, in der aus dem Skript bewegte Bilder werden, „haben wir sehr lange gesucht“, sagt Produzentin Sophie von Uslar im Gespräch mit unserer Zeitung. Man müsse „ein Gefühl für den richtigen Ort“ haben. Schließlich fiel die Wahl auf die Flößerstadt – nicht zuletzt, weil Wolfratshausen die erforderliche Balance biete: „Hier jodelt’s nicht extrem bayerisch, aber es ist auch keine von Industrie geprägte Großstadt.“ Als Krimi-Schauplatz sozusagen auch von Zuschauern in Sachsen und Schleswig-Holstein akzeptiert. Schon vor acht Jahren machte von Uslar in der Loisachstadt gute Erfahrungen. Gemeinsam mit Gabriela Sperl produzierte sie für die ARD den Fernsehfilm „In aller Stille“ vor den Toren Münchens. In den Hauptrollen damals: Nina Kunzendorf und Maximilian Brückner.

Im Mittelpunkt der aktuellen TV-Produktion steht die Figur des Polizisten Martin Manz. Der engagiert sich in seiner Freizeit als Handballtrainer – so kam die HSG Isar-Loisach ins Spiel. „Aufnahmeleiterin Joelle Saba Suys hat uns gefragt, ob wir zwei komplette Jugendmannschaften als Komparsen bereitstellen können“, berichtet HSG-Vorstandsmitglied Heiko Schadt. Binnen weniger Tage hatte er das gemeinsam mit HSG-Jugendtrainer Martin Krafczyk organisiert.

Produzentin: „Jungs machen das prima“

„Das ist ja nicht nur eine tolle Werbung für den Handballsport in Wolfratshausen und Geretsried, sondern auch ein einmaliges Erlebnis für unsere Nachwuchsspieler“, sagt Schadt. Regisseur Rainer Kaufmann und sein Assistent Jason M. Wiedenfeld sind mit der Leistung der Laienschauspieler sehr zufrieden. Wenngleich Wiedenfeld die jungen Wilden ab und zu ermahnen muss: „Wenn der Regisseur spricht, herrscht hier Ruhe!“

„Die Jungs machen das prima“, bestätigt Sophie von Uslar am Rande des mehrstündigen Drehtermins in der Wolfratshauser Sporthalle. „Für uns ist wichtig, dass die Mannschaft das macht, was sie kann – und Handball spielen können die Jungs verdammt gut. Das ist schon fast zu professionell für unseren Film.“ Sie sei „beeindruckt von der Energie und der Dynamik, die ein Handballspiel entwickelt“. Von Uslar – selbst passionierte Reiterin – muss sportlich betrachtet gerade eine Zwangspause einlegen: Schulterverletzung. Mit Handball hat sie wenig am Hut, räumt die Münchnerin ein. „Ganz ehrlich: Ballsport war nie mein Ding, ich kann weder gescheit werfen noch fangen.“

Neben Szenen, die in der Wolfratshauser Sporthalle, auf dem Schießstand der Königlich-privilegierten Feuerschützen-Gesellschaft Wolfratshausen und am Ickinger S-Bahnhof eingefangen werden, ist die Loisachstadt auch Kulisse für zahlreiche Außenaufnahmen. „Wir haben zum Beispiel in Waldram gedreht“, verrät von Uslar. Zudem hat das Team eine fiktive Polizeiinspektion in der Flößerstadt eingerichtet. „Nein“, sagt von Uslar und lacht, „wir greifen nicht auf die Dienststelle von Hubert und Staller zurück, wir brauchen eine eigene.“

Kabinenparty mit alkoholfreiem Bier

Technikcrew, Regieabteilung, Schauspieler, Fahrer, Brandschutzbeauftragte, Kostümbildner, Maskenbildner, Verantwortliche für die Verpflegung: Rund 40 Personen sind an dem aufwendigen Werk beteiligt. Gedreht wird noch bis Ende Juli. Dann beginnt die Nachproduktion. Das Material muss geschnitten und mit passender Musik kombiniert werden. Rund drei Monate, so schätzt von Uslar, wird diese Arbeit in Anspruch nehmen.

Die jungen Handballer aus Wolfratshausen und Geretsried fiebern dem Tag, an dem der Film im ZDF ausgestrahlt wird, schon entgegen. „Vielleicht sieht man uns ja ein bisschen länger als nur ein paar Sekunden“, hofft der 18-jährige Florian. Das größte Vergnügen am Drehtag? „Die Kabinenparty mit Bierdusche“, berichtet Marius (18) mit einem breiten Grinsen. „Natürlich mit alkoholfreiem Bier.“

Worum es in dem Film geht

In dem Film mit dem Arbeitstitel „Das schlafende Mädchen“ spielen neben Albrecht Schuch in der Hauptrolle Johannes Allmayer, Günther Maria Halmer, Friedrich von Thun und Aylin Tezel. Die Story: Martin Manz (Albrecht Schuch) engagiert sich ehrenamtlich in einem Handballverein und kümmert sich um seinen kranken Vater (Friedrich von Thun). Und er liebt seine Ehefrau Anja (Aylin Tezel), die hochschwanger ist. Nicht nur deshalb verschweigt er, dass er angetrunken die Tochter seines besten Freundes Frank angefahren hat. Das Mädchen liegt im Koma. Ein Beweisstück und Hausarzt Dr. Nachtheim (Günther Maria Halmer), der zu viel gesehen hat, belasten Martin. Doch er weiß, wie man Beweise verschwinden lässt und Menschen manipuliert: Denn Martin Manz ist der Polizist im Ort.

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