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Professionelles Training ist die Voraussetzung für Erfolg: Die A-Junioren der HSG Isar-Loisach bei einer Übungseinheit.

Wolfratshausen

Handballer starten Projekt Bayernliga

Handball - Im Jahr 2009 schlossen sich die Handballabteilungen des TuS Geretsried und des TSV Wolfratshausen zusammen. Seitdem baut die Handball-Spielgemeinschaft (HSG) insbesondere den Nachwuchsbereich aus und feiert tolle Erfolge. Der große Wurf soll jetzt gelingen: Die A-Junioren wollen sich für die Bayernliga qualifizieren.

Auf eine lange Tradition blicken die Handballer an Loisach und Isar zurück. In Wolfratshausen gründete sich 1947 unter dem Dach des TSV eine Abteilung; 1963 wurden die Wölfe-Herren Münchner Hallenmeister und waren in den folgenden Jahrzehnten meist in der Bezirks- oder Bezirksoberliga vertreten. Beim TuS, bei dem es seit 1952 eine Handballsparte gibt, lag der Schwerpunkt auf dem Frauenbereich: Hier spielte der Verein in den frühen 2000er Jahren sogar in der Bayernliga.

Aus finanziellen und personellen Gründen ging jedoch beiden Vereinen allmählich die Luft aus. „Es fehlte an Spielern, Nachwuchs und Übungsleitern sowie Hallenkapazitäten“, erinnert sich Ulli Newel, damals selbst Spielerin des TuS. Nachdem es 2006 gelungen war, ein gemeinsames Frauenteam aus Geretsried und Wolfratshausen ins Rennen zu schicken, wurde drei Jahre später die große Lösung perfekt gemacht: Newel und Sissi Schwarzer auf Geretsrieder Seite sowie der damalige Wölfe-Spartenleiter Wolfgang Fraas und seine Mitstreiter Richard Neumüller und Heiko Schadt waren die treibenden Kräfte bei der Gründung der HSG. „Wichtigstes Ziel war es, dass wir im Nachwuchsbereich alle Jahrgänge besetzen wollten. Das ist uns bis auf eine weibliche A-Jugend gelungen“, freut sich Newel. Die 45-jährige frühere Bundesliga-Spielerin erinnert sich noch gut, wie sie und ihre Kollegen zu Beginn auf allen möglichen Kinder- und Jugendfesten sowie an Schulen um Nachwuchs warben. „Es ging viel über Mundpropaganda.“ Nach und nach hätten sich immer mehr Kinder für den Handballsport begeistert. „Und wenn die Eltern sowie die Spieler den Eindruck haben, dass sie hier bei der HSG gut aufgehoben sind, dann kommen auch immer mehr dazu“, hat die Diplom-Pädagogin festgestellt.

"Mir geht es darum, Allrounder auszubilden", sagt Ulli Newel, sportlicher Leiterin der HSG-A-Junioren im Gespräch mit Sportredakteur Thomas Wenzel.

Sie selbst trainierte zu Beginn die Mädchen („Drei von den damaligen E-Juniorinnen spielen heute bei den HSG-Frauen in der Bezirksoberliga“), wechselte dann unter anderem auf Drängen ihres Sohnes Noah in den Bubenbereich. Zwar habe man sich in der Spielgemeinschaft immer an den vorgegebenen Rahmentrainingsplänen des Handballverbands orientiert. „Aber ohne ständige Fortbildungsmaßnahmen geht es nicht“, betont Newel. Zu ihrer aktiven Zeit sei der Sport längst nicht so schnell und athletisch gewesen. „Ich habe mir viele Dinge durch Lehrgänge und Literatur angeeignet.“

Eine große Unterstützung sei in all den Jahren auch Reinhart Seiwerth (früherer TuS-Coach und einige Jahre als Frauen-Trainer in Schweden unter anderem für das Nationalteam tätig) gewesen: „Er ist zwar mittlerweile über 70, aber immer am Ball geblieben.“ Auch ihre eigene Philosophie hat Newel eingebracht: „Mir geht es darum, Allrounder auszubilden. Deshalb sind Vielseitigkeit, was die Positionen betrifft, sowie turnerische und läuferische Elemente im Training wichtig.“

Stück für Stück erarbeitet sich die HSG bayernweit einen Namen. 2013 gingen die C-Junioren in der Landesliga an den Start, im Jahr darauf erreichten sie und die B-Junioren das Final-Four der vier besten bayerischen Landesligisten. 2014 holten die C-Junioren die Bayerische Landesliga-Meisterschaft an Isar und Loisach – 2015 gelang die „Mission Titelverteidigung“.

Auch bei den Mädchen zeigen sich erste Erfolge. Die C-Juniorinnen peilen demnächst die Qualifikation für die Landesliga an. „Dass wir erfolgreich arbeiten, zeigen auch die zahlreichen Berufungen in die Bezirks- und Bayernauswahl“, sagt Ulli Newel und nennt als Beispiele Christian Schäfer, Fabian Siebel, Yannis Schwarzer, Michael Meyer-Ricks, Florian Wastl und bei den Mädchen Louisa und Greta Esch, Emily Seemann und Laura Rehmann. Newels Sohn Noah spielt mit 17 Jahren bei den Landesliga-Herren von Würm-Mitte, Jakob Kiebler und Leon Scheler-Eckstein stehen im Bundesliga-Team der Ismaninger A-Junioren, und Robin Scheler-Eckstein läuft für den SV Anzing auf.

Wie groß der Zusammenhalt in der HSG ist, zeigt sich am aktuellen Beispiel der A-Junioren inklusive der Rückkehrer Newel, Kiebler und Scheler-Eckstein: „Von der Mannschaft ist der Wunsch an uns herangetragen worden, dass sie an der Qualifikation zur Bayernliga teilnehmen möchte“, berichtet die B-Lizenz-Trainerin. Die dreiteilige Turnierserie beginnt Ende April, etwa 30 Vereine kämpfen dann um zehn Startplätze. Die Jungs, allesamt aus dem Raum Wolfratshausen/Geretsried und zum Großteil am Gymnasium Geretsried in der Schule, nehmen die Sache ernst: Zusätzlich zu den Trainingseinheiten gehen sie zweimal pro Woche morgens um 6 Uhr in den Kraftraum der Sporthalle. Für die Bayernliga-Qualifikation ist die 45-Jährige, die das Team gemeinsam mit Reinhart Seiwerth betreuen wird, verhalten optimistisch: „Man muss schon ein bisschen Glück bei der Auslosung der Gegner haben.“ Ihr Sohn Noah zeigt sich da schon zuversichtlicher: „Wir haben eine reelle Chance, denn unsere Mannschaft ist gut aufgestellt.“ Eigens für die Qualifikationsrunde haben sich die A-Junioren eine Regelliste („Respekt vor Trainern“, „Pünktlichkeit“) erarbeitet und Motivationsmaßnahmen ergriffen. „Wir wollen unsere jahrelange intensive und erfolgreiche Arbeit mit dem Aufstieg in die Bayernliga krönen“, stellt Ulli Newel klar.

Zugleich ist sie zuversichtlich, dass sich diese Erfolge über kurz oder lang auch im Mädchen-Bereich sowie bei den Erwachsenen auswirken werden. Die Männer spielen zurzeit noch in der untersten Liga, der Bezirksklasse, den Frauen droht aktuell der Abstieg aus der Bezirksoberliga. „Wir haben seit der Gründung der HSG Erfahrungen gemacht, von denen alle profitieren können“, sagt Ulli Newel. tw

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