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Protestplakate: In der ganzen Stadt (wie hier an der Bahnhofstraße) halten Werbekreis und der Verein Lebendige Altstadt Wolfratshausen dem Stadtrat öffentlich Untätigkeit vor.

Ungewöhnliche Aktion:

„Handelt endlich!“ - Wolfratshauser greifen ihren Stadtrat per Plakataktion scharf an

Sie hängen in der ganzen Stadt: Auf orangefarbenen Plakaten werfen gleich zwei Vereine dem Wolfratshauser Stadtrat Untätigkeit vor. Nun bezieht der Rathauschef Stellung.

Wolfratshausen – „Handelt endlich“: Der Appell von Werbekreis und LAW ist unmissverständlich. Zugleich schwingt ein Vorwurf mit. Die Neugestaltung der Innenstadt, die Umgestaltung des westlichen Loisachufers, ein Parkraumkonzept: Seit Jahren diskutiere der Stadtrat diverse Projekte und fasse Beschlüsse – doch in die Tat umgesetzt werde nichts, monieren Werbekreischefin Ingrid Schnaller und LAW-Beiratsvorsitzender Ernst Gröbmair. Mit Plakaten und Unterschriftenlisten, die in Dutzenden Geschäften ausliegen, wird Druck auf die politischen Entscheidungsträger ausgeübt. „Wir warten schon zu lange“, erklärt LAW-Vorsitzender Hans-Werner Kuhlmann. „Wir haben keine Geduld mehr“, sekundiert Schnaller, „seit Jahren verschwinden Konzepte für die Stadtentwicklung in Schubladen, dabei haben wir Lust auf Anpacken und Mitgestalten.“

Die großflächige Protestaktion sei ein Nadelstich, gibt Bürgermeister Klaus Heilinglechner zu – dem er jedoch Positives abgewinnen könne. „Es entsteht ein gewisser Handlungsdruck auf den Stadtrat“, so der Rathauschef am Dienstag in einem Pressegespräch. „Dass Druck aufgebaut wird ist gut, aber wir dürfen jetzt nicht in Panik verfallen“, schränkt Heilinglechner ein. Aktionismus sei die falsche Medizin für die Flößerstadt. Stadtmanager Dr. Stefan Werner ist ähnlicher Meinung: „Ich kann verstehen, dass die Bürger die Geduld verlieren.“ Die orangefarbenen Plakate seien „ein deutliches Signal des Unmuts“. Stadtmanager und Bürgermeister führen die Initiative von Werbekreis und dem Verein LAW auf einen mangelhaften Kommunikationsfluss zurück.

Bleiben sachlich: Bürgermeister Klaus Heilinglechner (re.) und Stadtmanager Dr. Stefan Werner nahmen am Dienstag in einem Pressegespräch im Rathaus Stellung zu der Plakat- und Unterschriftenaktion.

Heilinglechner bestätigt, dass zur Umgestaltung der Marktstraße, der Neugestaltung des westlichen Loisachufers und zum Parkhaus am Hatzplatz Beschlüsse gefasst worden sind. In seinen Schubladen im Amtszimmer würde nichts verstauben, betont er. Doch die Vorhaben, die miteinander in Beziehung stehen, seien sehr komplex. Bevor das Westufer umgekrempelt werden könne, müssten zusätzliche Parkplätze geschaffen werden, da gut 50 am westlichen Loisachufer wegfallen. Doch noch liege vom Investor, der laut Stadtratsbeschluss in Erbpacht auf dem Hatzplatz ein Parkhaus errichten und betreiben darf, kein Bauantrag vor. Der Grund: Die Ergebnisse eines Bodengutachtens würden noch ausstehen.

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Die Kommune lege die Hände nicht in den Schoß, beteuern Heilinglechner und Werner unisono. Im Oktober soll ein breit angelegter Bürgerbeteiligungsprozess beginnen, bei der „die ganzheitliche Aufwertung der Altstadt“ im Fokus stehe, so der Stadtmanager. Ziel ist es, „alle Akteure mitzunehmen“, erklärt Heilinglechner. Bürger, Einzelhändler, Hauseigentümer, Anwohner und Kommunalpolitiker müssten an einem Strang ziehen. Denn die Umgestaltung der Marktstraße bedeute mutmaßlich eine „tiefgreifende Veränderung“ des Status quo, kündigt Werner an. Begleitet werden soll der Bürgerbeteiligungsprozess von Vertretern eines Moderationsbüros. Alle Details sollen in der Stadtratssitzung im September öffentlich vorgestellt werden. Läuft das Verfahren reibungslos, könnte im ersten Quartal 2019 die Planungs- beziehungsweise Umsetzungsphase eingeläutet werden.

In der September-Sitzung des Rates erwartet Heilinglechner zudem Entscheidungen zu den vier kommunalen Liegenschaften in der Altstadt (Untermarkt 10, ehemalige Happsche Apotheke, altes Pumpenhaus am Loisachufer und Boodevaar-Turm). Erklärtes Ziel aller Unternehmungen sei „die Aufwertung und Funktionsstärkung des historischen Altstadtbereichs und des Loisachrings zur vitalen Innenstadt inklusive aktivem Leerstandsmanagement“, bilanziert der Stadtmanager. Es gelte, beim Bürger verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, stellt Werner mit Blick auf die Protestaktion fest. Stadtpolitik müsse noch transparenter werden. Hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft sei eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Attraktivitätssteigerung der Flößerstadt.

Heilinglechner: „Man kann ja aus Fehlern lernen.“

„Vieles ist im Fluss, aber nicht alles wurde kommuniziert“, sagt Heilinglechner. Er sei von der Protestaktion überrascht worden, hege aber keinen Groll gegen die Initiatoren. Dass ihm persönlich vorgeworfen werde, Projekte zu verschleppen, wurmt den Rathauschef indes doch. Dass er seit November den Beschluss, drei Fachbüros zu beauftragen, jeweils Entwürfe zur Umgestaltung der Marktstraße zu erarbeiten, bis auf den Tag nicht umgesetzt hat, „ist der einzige Vorwurf, den man mir machen kann“. Doch in seinen Augen sei es sinnvoller, erst die Bürger zu fragen, wie die gute Stube der Loisachstadt künftig ausschauen soll. „Man kann ja aus Fehlern lernen“, erinnert Heilinglechner an das am westlichen Loisachufer geplante neue Stadtarchiv. Den Bau hatte der Stadtrat beschlossen – doch der (zuvor ungefragte) Souverän brachte das Projekt 2014 mit einem Bürgerbegehren zu Fall.

cce

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