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Besonders in sozialen Netzwerken geht die Kritik an der Politik häufig unter die Gürtellinie. Viele Nutzer agieren im Internet unter dem Schutz an der Anonymität.

Sittenverfall in der politischen Debatte 

Hass gegen Politiker nimmt immer mehr zu

Wolfratshausen – Der Ton gegen Politiker ist rau. Ex-Bürgermeister Helmut Forster kritisiert den unverschämten Umgangston und fordert mehr Fairness.

Es sind schlimme Worte. „Einige Stadträte sollte man teeren, mit Federn übergießen und mit einem Stein um den Hals in die Loisach werfen“: Diesen Gewaltaufruf zititerte Ex-Bürgermeister Helmut Forster mit resigniertem Blick. Auf der Monatsversammlung der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) beklagten er und andere Mitglieder der politischen Gruppe eine Verrohung des Umgangstons zwischen Bürgern und politischen Entscheidungsträgern. „Das nimmt leider immer weiter zu“, kritisierte Forster.

Besonders eklatant seien die verbalen Ausfälle nach der vorläufigen Entscheidung gegen die Betriebskostenbeteiligung des interkommunalen Hallenbads ausgefallen. „Da wurden einige, die dagegen gestimmt hatten, ganz massiv bedroht“, erinnerte sich Forster. Vor allem auf der Online-Plattform Facebook nahmen manche Beobachter kein Blatt vor den Mund. Es sei zwar normal, dass nicht jeder Wolfratshauser mit allen Entscheidungen einverstanden ist, zeigte der Ex-Bürgermeister Verständnis für gelegentlichen Unmut. Allerdings spiele der Ton die Musik: „Kritik ist in Ordnung und manchmal auch berechtigt. Aber wir merken, dass sie in letzter Zeit immer öfter unsachlich wird und unter die Gürtellinie geht.“

Die Bürgervereinigung ist nicht die einzige Fraktion, die den Sittenverfall in der politischen Auseinandersetzung bemerkt. Vor wenigen Wochen hatte bereits CSU-Stadtrat Peter Plößl im Interview mit unserer Zeitung ähnliches beklagt. „Auf den so genannten sozialen Netzwerken treten Menschen im Schutze der Anonymität als soziale Heckenschützen auf“, sagte er damals.

Nicht nur anonyme Kritiker bereiten den Entscheidungsträgern Kopfzerbrechen. „Auch in Leserbriefen werden manche Stadtratsmitglieder teilweise in einem unverschämten Umgangston persönlich attackiert“, bemängelte BVW-Chef Thomas Eichberger. Seine Bürgervereinigung wolle sich an dieser Verrohung der Umgangsformen nicht beteiligen. „Wir sollten alle darauf achten, uns mit Respekt zu begegnen“, mahnte auch Forster. „Dann funktioniert auch das Miteinander in unserer Stadt.“ An diejenigen Kommentatoren, die „ständig nur kritisieren“, richtete er einen Appell. „Wenn diese Leute meinen, dass sie so gut sind, dann sollen sie doch für den Stadtrat kandidieren. Bloß von hinten auf Entscheidungsträger zu schießen, ist einfach.“ Das arbeitsintensive Engagement im kommunalen Gremium hingegen sei ein zeitfüllendes Ehrenamt.

von Dominik Stallein

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