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Die Rückseite des Wolfratshauser Rathauses.

Kuckucksrufe verblüffen Spaziergänger

Hat das Rathaus einen Vogel ?

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Blecherne Kuckucksrufe sind Rückseite des Wolfratshauser Rathauses zu hören. Wir haben uns auf die Suche gemacht, wo die Rufe herkommen – und haben eine überraschende Entdeckung gemacht.

Wolfratshausen Es gibt ein Detail, das so gar nicht ins Bild passt, wenn sich ein Spaziergänger morgens am Rathaus niederlässt. Eigentlich ist es sehr idyllisch: Die ersten Sonnenstrahlen des Tages tanzen auf der träge dahinfließenden Loisach. Am Ufer zwitschern die Vögel in den Baumkronen. Wenn dann – zur vollen Stunde – die Glockenschläge der Andreas-Kirche über das Rathaus herübergeschallt sind, krächzt urplötzlich ein Kuckuck los – in den Bäumen kann er nicht sitzen. Der mechanische Rhythmus erinnert eher an eine Kuckucksuhr. Wir haben uns auf die Suche gemacht – und eine überraschende Entdeckung im Rathaus gemacht.

Die Rückseite des Wolfratshauser Rathauses.

Ohrenscheinlicher Ausgangspunkt der blechernen Kuckucksrufe ist die Rückseite des Rathauses. Eine dieser typischen Bahnhäusle-Uhren, wie sie im Schwarzwald seit etwa 1850 in Serie produziert werden, ist nicht zu sehen – dabei muss doch das die Ton-Quelle sein. Vielleicht hängt die Kuckucksuhr ums Eck? Im dichten Efeu, der weite Teile der Südseite überwuchert, sind nach intensiver Erkundung nur zwei verwitterte Vogelkästen auszumachen.

Ein Anruf beim Bürgermeister soll Klarheit schaffen. Wer, wenn nicht das Stadtoberhaupt wird wissen, warum aus dem Rathaus ein Vogel ruft? „Ja, die kenne ich“, sagt Fritz Schnaller, der als Stellvertreter den urlaubenden Rathauschef Klaus Heilinglechner vertritt. Irgendwann ging es ihm so wie vermutlich vielen Bürgern, die beim Spaziergang auf dem Sebastianisteg zufällig und verdutzt den Kuckucksruf vernommen haben. „Der ruft zu jeder vollen Stunde“, weiß Schnaller. Woher der Ton kommt, vermag aber auch er nicht zu sagen – Schnaller vermutete bisher die Ton-Quelle in einer Privatwohnung.

Nun ist aber auch die Neugier des Antiquitätenfachmanns geweckt. „Das will ich jetzt auch wissen“, sagt er und möchte in der nächsten Stunde herausfinden, wer im Rathaus „Mut zu etwas Besonderem“ hat. Zweiter Anruf: Das wissende Lächeln in der Stimme des Vizebürgermeisters ist nicht zu überhören. Die Auflösung gibt er aber nicht, sondern verweist an den EDV-Beauftragten der Stadt. Wolfgang Hummel weiß Bescheid über die Sache mit der Kuckucksuhr. Es gibt keine. Hinter dem mechanischen Vogelruf steckt ein Gimmick in der Kamera am Eingang, erklärt er. Vor rund zwölf Jahren habe man wegen diverser Vandalismusschäden eine Kamera installiert, um den Platz, auf dem der Bürgermeister heute gewöhnlich sein E-Mobil parkt, zu überwachen.

Die Kamera hat ein Extra zu bieten – einen elektronisch erzeugten Ton, der sich jede volle Stunde einschalte. Zwei Varianten standen zur Wahl. „Wir hätten auch die Glocken von Big Ben schlagen lassen können“, sagt Wolfgang Hummel und fährt schmunzelnd fort: „Aber ich finde, ein Kuckuck passt besser in unserer Gegend.“

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