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Ein Parkhaus auf dem Hatzplatz: Diesen Beschluss fällte der Bauausschuss bereits 2012 – nun soll das Vorhaben schrittweise in die Tat umgesetzt werden. Das Angebot eines potenziellen Investors liegt bereits im Rathaus. 

Stadtrat legt Obergrenze fest

Hatzplatz: Ein Parkhaus für maximal 150 Pkw

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Noch ist nichts in Stein gemeißelt, betont Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Doch falls auf dem Hatzplatz ein Parkhaus gebaut wird, steht nun fest, wie viele Autos dort einen Platz finden sollen: maximal 150.

Wolfratshausen – In einer Sondersitzung hatte der Stadtrat im Januar „Sofortmaßnahmen zur Parkierung in Wolfratshausen“ beschlossen (wir berichteten). In diesem Kontext nahmen die Bürgervertreter auch den Hatzplatz ins Visier. Nun galt es zu entscheiden, wie viele Autos sich die Räte in einem Parkhaus an diesem prominenten Standort maximal vorstellen können. Berücksichtigt werden müsse, dass bei der geplanten Neugestaltung des westlichen Loisachufers rund 55 bestehende Stellflächen wegfallen, betonte Bürgermeister Heilinglechner in der Stadtratssitzung am Dienstagabend. In einem Vorgespräch mit den Fraktionsvorsitzenden hatte sich der Rathauschef in puncto Hatzplatz bereits auf eine Stellplatzzahl verständigt: 150. Das Gremium folgte dem Vorschlag am Dienstag mit 18:6 Stimmen.   

Kugler reißt der Geduldsfaden

Vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion, in der Richard Kugler (parteifrei für die CSU) der Geduldsfaden riss. „Seit Jahrzehnten“ würde die Behebung der Parkplatznot in der Innenstadt auf die lange Bank geschoben. Nun müssten Nägel mit Köpfen gemacht werden, denn „die Geschäftsleute lechzen nach Publikum – aber ohne Parkplätze kommt der Kunde nicht“, stellte Kugler fest. Heilinglechner pflichtete ihm bei: „Wir müssen doch mal weiterkommen“, sagte der Bürgermeister mit Nachdruck, „wir sind doch gewählt worden, um Entscheidungen zu treffen.“

Dieser Hinweis galt unter anderem Manfred Menke (SPD), der auf eine Bürgerbeteiligung pochte, bevor der Rat den Daumen hebt oder senkt. Seine Fraktionskollegin Roswitha Beyer bezweifelte, dass es überhaupt einen Beschluss gibt, ein Parkhaus auf dem Hatzplatz zu bauen – musste sich vom Rathauschef jedoch eines Besseren belehren lassen.

Renate Tilke (CSU) fürchtete eine „gestalterische Verschandelung“ des Hatzplatzes, der in ihren Augen „ein Filetgrundstück“ ist. Es müsse andere Maßnahmen geben, um die Innenstadt zu beleben, statt einen „Parkhausklotz“ zu bauen. So etwas sei „nicht mehr zeitgemäß“ – unter anderem, weil niemand wisse, wie sich der Individualverkehr in den nächsten Jahren entwickeln werde.

Schnaller ruft SPD zur Geschlossenheit auf

Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) plädierte mit Leidenschaft dafür, ein Parkhaus am Hatzplatz zu errichten. Er appellierte an seine Genossen, das Vorhaben zu unterstützen. Schnaller erinnerte an das politische Hickhack in den vergangenen Jahrzehnten, dass unterm Strich jeden guten Vorschlag zunichte gemacht habe. 150 Stellplätze seien ein Kompromiss, sagte Schnaller, nun gelte es, „die Zukunft positiv zu gestalten“.

Annette Heinloth (Grüne) war wenig begeistert. Die Pläne, die der potenzielle Investor vorgelegt hat – es handelt sich um den Käufer des ehemaligen Isar-Kaufhauses, die Untermarkt 7-11 GmbH – seien „das Gegenteil von dem, was wir wollen“. Auf „sechs Ebenen Autos“: Das komme für sie nicht infrage. Und: Das angepeilte „Public-Private-Partnership“-Modell – das heißt vereinfacht eine Zusammenarbeit von privatem Investor und Kommune – habe sich in anderen Städten und Gemeinden als „Griff ins Klo“ erwiesen.

Der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), Josef Praller, räumte ein, dass die BVW gerne mehr als 150 Parkplätze auf dem Hatzplatz sehen würde. Doch mit der Kompromisslösung könne man leben. Kritikern gab Praller den Hinweis: „Wir bleiben sehr, sehr moderat unter dem Baurecht.“

Meixner verspürt keinen Zeitdruck

Fritz Meixner plädierte dafür, die Entscheidung zu vertagen. „Einen zeitlichen Druck sehe ich nicht“, sagte der SPD-Fraktionschef. Er erinnerte daran, dass der Stadtrat im Januar nicht nur den Hatzplatz im Fokus hatte, sondern „die Perspektive erweiterte“. Meixner wies auf die potenzielle Schaffung von Stellflächen hinter der alten Happ’schen Apotheke und hinter dem Sparkassengebäude an der Sauerlacher Straße hin. „Heute soll aber die Perspektive wieder eingeschränkt werden“, monierte Meixner. Ihm erschien es sinnvoller, auf die Ergebnisse des Feuerwehrbedarfplans (die Wache der Wolfratshauser Wehr befindet sich am Hatzplatz) und des Schulentwicklungsplans zu warten. Erst dann stehe für ihn fest, wo zusätzlicher Parkraum angelegt werden muss.

Fleischer macht der Debatte ein Ende

Bürgermeister Heilinglechner erklärte in der Sitzung mehrfach, „dass es noch nicht um das konkrete Projekt geht“. Aber er müsse wissen: „Wollen wir zusätzliche Stellflächen auf dem Hatzplatz – und wenn ja, wie viele?“ Dass das Angebot, ein Parkhaus auf dem Hatzplatz zu errichten, „vom selben Investor kommt, der einen Ankermieter fürs alte Isar-Kaufhaus sucht“, sei „zufällig so“. „Es handelt sich auch nur um ein Angebot“, unterstrich der Rathauschef. Das könne man annehmen, ausschlagen, einen anderen Investor suchen – oder die Stadt könne das Parkhaus selbst bauen. Doch die Voraussetzung für einen solchen Beschluss sei die Festlegung auf eine maximale Stellplatzzahl.

Dr. Manfred Fleischer machte der Debatte mit einem Antrag zur Geschäftsordnung ein Ende. „Die Blockade aufheben, endlich entscheiden“, so das Motto des CSU-Stadtrates. Das Ergebnis: 18 Räte stimmten für „zirka 150 Parkplätze“ am Hatzplatz, sechs dagegen. Warum „zirka“? „Weil’s kein Rastermaß gibt, es könnten auch 151 werden“, erklärte Bauamtsleiter Dieter Lejko.

Der rechtsverbindliche Bebauungsplan sieht für das Parkhaus eine maximale Zahl von drei Vollgeschossen zuzüglich Dachgeschoss vor. Die maximale Wandhöhe beträgt auf der Westseite 9,50 Meter, auf der Ostseite 8,50 Meter.

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