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Verschoben, gestrichen, erhaltenswert: Während die Loisachfontäne mit gleicher Kraft und Höhe weiter sprudeln soll, schauen die Surfer in die Röhre. Mit der Welle wird es 2016 nichts mehr. Wie es mit der Sportlergala weitergeht, ist offen. Und das geplante Flößerdenkmal am Autobahnzubringer darf höchstens 35 000 Euro kosten.

Keine Surfwelle, keine Sportlergala, kein Trauungsfloß

Haushalt 2016: Die Flößerstadt muss abspecken

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Wolfratshausen – Keine Surfwelle, keine Sportlergala, kein Trauungsfloß: Die Wolfratshauser müssen auf einige Prestigeprojekte verzichten oder zumindest noch eine Zeitlang darauf warten. Der Stadtrat hat den Rotstift angesetzt.

Drei Minuten vor Sitzungsbeginn erfuhr Bürgermeister Klaus Heilinglechner von der Streichliste. CSU, SPD und Grüne hatten diese gemeinsam erarbeitet und als Antrag zu den finalen Haushaltsberatungen in die Sitzung eingebracht. Der Rathauschef und seine Fraktion, die Bürgervereinigung, waren außen vor.

Den Antragstellern ging es nicht darum, wie SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner es formulierte, „irgendwelche Harakiri-Aktionen“ zu starten, sondern darum, nach Einsparpotenzial zu suchen. Schließlich, merkte CSU-Sprecher Günther Eibl an, seien weder die Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge noch die für die S-Bahn-Verlängerung verlässlich zu beziffern. Von einem „finanziellen Untergangsszenario“, ergänzte Meixner, sei man weit entfernt, man dürfe auch den „Teufel nicht an die Wand malen“. Aber: „Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen. Da wollen wir gegensteuern.“ Helmut Forster, Walter Daffner (beide Bürgervereinigung) und Roswitha Beyer (SPD) ergänzten die Sparvorschläge um weitere Projekte. Die Wolfratshauser Streichliste:

Sportlergala

35 000 Euro standen für die Ehrung im Haushalt, die ab 2017 nur noch alle zwei Jahre stattfinden soll. Bürgermeister Klaus Heilinglechner hätte am liebsten für 2016 noch einmal eine Gala organisiert, weil 2017 mit dem internationalen Flößertag und dem Flussfestival zwei Großveranstaltungen anstehen. Nach kurzer Diskussion und dem Vorschlag von Gerlinde Berchtold (SPD), die Sportler im Rahmen des Flussfestivals zu ehren, folgte der Rat dem Vorschlag von Alfred Fraas: „Wir lassen 5000 Euro drin stehen und schauen, was wir damit machen.“

Surfwelle

220 000 Euro für die Surfwelle, ohne zu wissen, ob die Fördergelder wirklich fließen, ohne zu wissen, welche Auswirkungen das geplante Wasserkraftwerk am Loisach-Isar-Kanal auf das Projekt hat: Für Roswitha Beyer geht das nicht. „Wenn wir das schieben, können wir 2016 aber gar nichts machen“, gab Bürgermeister Heilinglechner zu bedenken. Genau das hat das Gremium mit knapper Mehrheit beschlossen – sehr zur Freude von Dr. Manfred Fleischer (CSU): „Es wäre ein Witz, wenn wir eine Surfwelle bauen, und die funktioniert nicht, weil das Wasser fehlt.“

Flößerdenkmal

2017 ist die Stadt Wolfratshausen Gastgeber des Internationalen Flößertags. Bislang weist nur ein Schild an der A 95 auf diese Tradition hin (Heilinglechner: „Die Flößerei taucht nicht einmal in unserem Briefkopf auf.“) Damit jeder weiß, dass er sich der internationalen Flößerstadt nähert, soll am Autobahnzubringer irgendeine Art von Flößerdenkmal stehen. Wie das ausschauen soll, wie viel es kosten könnte, wo genau es stehen soll, welcher Künstler es gestalten könnte – all das ist völlig offen. 70 000 Euro erschienen unter anderem Fritz Schnaller (SPD) aber zu viel. Ergo: Jetzt stehen nur noch 35 000 Euro im Haushalt.

Trauungsfloß

Die Flößertradition hochhalten sollte auch ein Trauungsfloß auf dem Badweiher. Die 36 000 Euro spart sich die Stadt. Der eine oder andere Stadtrat wunderte sich darüber, diesen Posten überhaupt im Etat zu finden. „Sobald wir zu dem Floß einen Beschluss haben, können wir darüber reden“, sagte Annette Heinloth (Grüne). „Ich würde das Thema vorher aber gerne diskutieren.“

Loisachhalle

Um 100 000 Euro auf rund 500 000 Euro sollen die Ausgaben für das Veranstaltungsmanagement der Loisachhalle gekürzt werden. Hintergrund: Durchschnittlich 16 000 Euro für eine Veranstaltung erscheinen manchem Stadtrat zu teuer. Im gesamten Bereich „Sächlicher Verwaltungs- und Betriebsaufwand“, dem neben der Loisachhalle unter anderem auch der Unterhalt und die Bewirtschaftung von Grundstücken und baulichen Anlagen, die Haltung von Fahrzeugen sowie Steuern und Geschäftsausgaben zugeordnet sind, sollen 7,5 Prozent eingespart werden – in Summe wären das rund 375 000 Euro. Fritz Schnaller (SPD) betonte, dass das lediglich Zielvorgaben seien. „Die Rasenmähermethode können wir hier natürlich nicht anwenden.“

Loisachfontäne

Wie viel den Wolfratshauser Politikern an ihrer Fontäne liegt, zeigen die folgenden drei Aussagen: „Die Fontäne darf kein Rinnsal werden.“ (Dr. Manfred Fleischer, CSU). „Wenn die Grünen es schaffen, die Fontäne mit weniger Energie zu gleicher Kraft zu verhelfen, bin ich dabei. Wenn nicht, ist es ein Schildbürgerstreich.“ (Dr. Manfred Fleischer). „Wir können nicht abschaffen, was den Leuten gefällt.“ (Helmut Forster, Bürgervereinigung). „Entscheidend ist die Höhe.“ (Günther Eibl, CSU). Im Antrag war vorgesehen, die Pumpe gleich gegen eine neue auszutauschen, um Geld und Energie zu sparen. Nun soll die Verwaltung zunächst prüfen, ob mit einer anderen Pumpe selbiges gelingen kann und gleichzeitig die bisherige Höhe erreicht würde. Bis das geklärt ist, bleiben die Betriebskosten von 10 000 Euro im Haushalt stehen und werden nicht auf 20 000 Euro erhöht.

Feuerwehrauto

Ein Katastrophenschutzfahrzeug muss ersetzt werden. Eigentlich ist das eine Aufgabe für Bund und Freistaat. Weil die sich aber aus der Verantwortung ziehen, würde die Stadt einspringen und – so steht es zumindest im Haushalt – die erforderlichen 390 000 Euro selbst stemmen. Fazit der kurzen Diskussion: Das Projekt wird noch einmal verschoben.

Der Rest

Der endgültige Ausbau der Auenstraße, der rund 400 000 Euro kosten würde, wird auf Wunsch von Helmut Forster verschoben, ebenso der des Gehwegs an der Gebhardtstraße (120 000 Euro). Auch die 50 000 Euro für neue Unterkünfte am Campingplatz will man sich sparen. Der Neubau des Spielplatzes an der Bürgermeister-Seidl-Straße will man zwar von 2017 auf 2016 vorziehen. Statt 85 000 soll dieser aber nur 65 000 Euro kosten.

fla

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