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Feine Leistung: Magdalena Eckert aus Weidach ist seit Kurzem selbstständige Hauswirtschaftsmeisterin und hat ein Kochbuch geschrieben.

Es kommt, wie es kommt

Hauswirtschafterin? Niemals - doch jetzt ist Magdalena Eckert überglücklich damit 

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Magdalena Eckert aus Wolfratshausen wollte nie Hauswirtschafterin werden. Jetzt ist sie es und kann sich etwas anderes nicht mehr vorstellen. Ein nie geträumter Traum, der wahr wurde. 

Wolfratshausen – Wenn Magdalena Eckert über ihr Leben nachdenkt, kommt sie nur zu einem Schluss: „Ich habe und bin ironischerweise alles, was ich nie wollte. Und dabei bin ich megaglücklich.“ Die 22 Jahre alte Weidacherin ist seit Kurzem Hauswirtschaftsmeisterin. Geplant hatte sie das nie.

„Schuld daran ist eigentlich meine Mutter“, sagt sie. „Sie fand, dass zumindest Grundkenntnisse zu diesem Thema nicht schlecht wären. Ganz abgesehen davon, dass sie selbst auch Hauswirtschaftsmeisterin ist.“ Also besuchte Magdalena Eckert nach ihrem Realschulabschluss in Wolfratshausen die Hauswirtschafts-Berufsfachschule der Armen Schulschwestern unserer Lieben Frau in München – obwohl sie nicht wirklich Lust dazu hatte. „Doch auf einmal hat es mir gefallen.“ Der plötzliche Sinneswandel schlug sich in ihren Noten nieder: Magdalena Eckert wurde Klassenbeste, ein Stipendium stand in Aussicht. Sogar mit den Stunden an der ungeliebten Nähmaschine arrangierte sich die Weidacherin. „Wenn früher Nähen anstand, war mir eher zum Heulen zumute“, sagt sie. „Jetzt habe ich mir selbst eine supertolle Nähmaschine gekauft, um meine eigenen Dirndl zu schneidern.“

Am Schwarzen Brett in der Schule entdeckte sie eines Tages ein Jobangebot. Eine deutsche Familie, die in New York lebte, suchte für fünf Wochen eine Unterstützung im Haushalt. Zusammen mit einer Studienkollegin bewarb sie sich – und beide Frauen wurden genommen. „Das war eine tolle Zeit“, erinnert sie sich. „Das Haus hatte 14 Betten, Models und Schauspieler gingen ein und aus.“ Welche, will sie nicht verraten. „Die waren ja privat da. Das macht man nicht. Wir sind diskret.“ Wenn die Waschmaschine lief, nutzten Magdalena Eckert und ihre Freundin die Zeit für Strandausflüge. Freie Tage verbrachten sie in der amerikanischen Metropole und fotografierten, was immer ihnen vor die Linse kam. „Wenn man schon da ist, muss man sich auch alles mal anschauen. Und es war gigantisch. Alles ist größer und imposanter als in Deutschland.“ Auffällig sei vor allem die freundliche und höfliche Art der New Yorker gewesen.

Die Meisterschule schloss sie mit einer Eins vorm Komma ab 

Der Aufenthalt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten blieb nicht der einzige im Ausland. Über Vermittlung des Bayerischen Bauernverbands hängte Magdalena Eckert noch drei Monate in der irischen Hauptstadt Dublin an. „Dort war ich Gast bei einer fünfköpfigen Familie, die auf einem Bauernhof lebte.“ Natürlich nutzte die Weidacherin auch hier die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen, bevor sie wieder ins beschaulichere Wolfratshausen zurückkehrte.

Wieder daheim bewarb sich Magdalena Eckert um eine Anstellung im Hotel Klostermaier in Icking als Hausdame und wurde genommen. Und dann tat sie die nächsten Schritte in ihrem Leben, die sie eigentlich nie vorgehabt hatte: Sie ging auf die Meisterschule – auch hier schloss sie mit einer Eins vor dem Komma ab. Anschließend machte sie sich selbstständig. „Als Meisterarbeit habe ich ein Kochbuch für ernährungsmitbedingte Krankheiten bei Kindern geschrieben“, erzählt sie, „und ein Vermarktungskonzept dazu.“ Die Rezepte und praxisnahen Tipps schlugen ein. Als die Weidacherin ihr Buch auf einer Fachtagung vorstellte, bekam sie nur positive Rückmeldungen. „Zuerst nur aus Oberbayern und Schwaben, dann aus immer weiter entfernten Regionen.“ Der Ruf nach weiteren Vorträgen wurde laut. „Und dabei hab’ ich immer gesagt, dass ich das Buch am liebsten eingestampft hätte, kaum, dass es fertig war“, erinnert sich die junge Frau schmunzelnd.

„Alles, was ich nie machen wollte, hat mich glücklich gemacht“

Seit April ist die 22-Jährige als Selbstständige der Koordinationsstelle „Isar-Loisach“ für hauswirtschaftliche Dienstleistung angeschlossen. Das bedeutet: Sie und ihre Kolleginen springen in Haushalten ein, in denen Not herrscht: „Das kann bei einer Schwangeren sein, die liegen muss oder bei einer erkrankten Mutter“, erklärt Magdalena Eckert. „Wir sorgen dann dafür, dass der Alltag so reibungslos wie möglich abläuft.“

Und da Magdalena Eckerts beruflicher Weg in eine ganz andere Richtung ging als erwartet, ist es im Privaten nicht anders. „Mein Freund ist Landwirtschaftsmeister“, sagt sie und lacht. „Da dachte ich auch, dass mir so jemand nie ins Haus kommt.“ Doch jetzt macht es ihr Spaß, ihm bei der Stallarbeit zu helfen. „Ich kann es nur wiederholen: Alles, was ich nie machen wollte, hat mich glücklich gemacht. Aber was kommen soll, kommt eben.“

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