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Gutes Essen, gute Gespräche: Zur Einweihungsfeier hatten die jungen Flüchtlinge ein reichhaltiges kaltes Buffet vorbereitet.

Feier mit Falafel und Fladenbrot

Hier lernen 20 Flüchtlinge: BfZ öffnet Außenstelle

Wolfratshausen – Hier lernen 20 junge Flüchtlinge Deutsch: Das BfZ Rosenheim weihte seine Außenstelle an der Pfaffenrieder Straße ein.

Jamal reicht den Sekt, Javid und Amin erklären, was es mit Falafel, Humus und all den anderen Spezialitäten auf sich hat, warum man diese Köstlichkeit mit Soße und jene eher mit Fladenbrot genießen sollte. Seit drei Wochen lernen 20 junge Flüchtlinge in dem Gebäude Deutsch, in dem jeden Tag auch eine neue Ausgabe des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur entsteht, genauer gesagt: im zweiten Stockwerk an der Pfaffenrieder Straße 9. Um die sowieso schon gute Nachbarschaft weiter zu fördern und all den haupt- wie ehrenamtlichen Helfern zu danken, die das Gelingen dieses Projekts ermöglichen, mussten die drei jungen Damen und 17 jungen Herren – alle zwischen 16 und 24 Jahre alt – am Mittwoch nur am Vormittag zwei Stunden büffeln. Dann haben alle die Einweihung der Außenstelle des bfz Rosenheim gefeiert.

Seit September bildet das „Berufliche Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft“ in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße bereits Heilerziehungspfleger aus. Die Zielgruppe an der Pfaffenrieder Straße ist eine komplett andere. Im Rahmen von IdA (Integration durch Ausbildung und Arbeit) Bayern Turbo, einem Projekt der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Bundesagentur für Arbeit, werden junge Flüchtlinge mit guter Schulbildung und hoher Bleibewahrscheinlichkeit innerhalb von sechs bis acht Monaten auf eine betriebliche Ausbildung und damit gezielt auf die Anforderungen im Beruf vorbereitet. Deshalb büffeln die jungen Afghanen, Eriträer und Syrer von 8.30 bis 15.45 nicht nur Deutsch, sondern sie schnuppern auch in verschiedene Berufe hinein. „Immer wochenweise kommen Experten aus verschiedenen Branchen ins Haus“, berichtet Koordinatorin Jessica Probst vom BfZ. Während die eine Hälfte lernt, probiert sich die andere Hälfte aus – Stichwort: Kompetenzfeststellung. Am Nachmittag läuft es umgekehrt.

Dass sich das Ganze lohnt, kann man hören. Welchen jungen Menschen auch immer man anspricht, man bekommt eine Antwort, kann sich bereits gut mit ihnen unterhalten. „Sie sind alle unheimlich motiviert“, bestätigt Jessica Probst, es herrsche eine gute Gruppendynamik, das habe man so nicht erwarten können. Natürlich gibt es auch mal Probleme oder Missverständnisse, etwa wenn ein Mann zum Kochen keine Schürze anziehen will, weil das nur Frauen machen, wenn es um den Kontakt mit Schweinefleisch geht oder man ihnen klarmachen muss, dass Maler hierzulande ein angesehener Beruf ist. „Das Gute ist“, sagt Jessica Probst, „dass man mit ihnen über alles reden und Missverständnisse ausräumen kann.“

Auch erste Erfolge bei der Praktikumsvermittlung gibt es inzwischen zu vermelden. Ein Jugendlicher fährt zwei Mal in der Woche zum Residenztheater nach München, übt dort das Singen und Schauspielern. Vier weitere haben ein Kochpraktikum in der Jugendsiedlung Hochland in Aussicht. Grundlage, das betonen alle Verantwortlichen immer wieder, ist, dass die meisten schon richtig gut Deutsch können. Wie kommen Sie mit dieser komplizierten Sprache klar, Jamal? „Ganz gut. Nur manchmal habe ich Probleme mit den Artikeln. Der, die, das, das ist ein bisschen schwierig.“

fla

Info

Betriebe, die jungen Flüchtlingen einen Praktikumsplatz anbieten würden, schreiben eine E-Mail an probst. jessica@ro.bfz.de.

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