Erinnern an bedeutende weibliche Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte: (v. li.): Dr. Sybille Krafft vom Historischen Verein Wolfratshausen (2. Reihe, links vorne) und die Arbeitsgruppe „Weibsbilder“.
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Erinnern an bedeutende weibliche Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte: (v. li.): Dr. Sybille Krafft vom Historischen Verein Wolfratshausen (2. Reihe, links vorne) und die Arbeitsgruppe „Weibsbilder“.

Öffentliche Räume erobern

Historischer Verein: „Weibsbilder“-Arbeitsgruppe plant Kalender und Ausstellungen

  • VonPeter Herrmann
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Mit Kurzbiografien möchte die Arbeitsgruppe „Wolfratshauser Weibsbilder“ des Historischen Vereins an verstorbene und manchmal in Vergessenheit geratene Frauen aus der Wolfratshauser Geschichte erinnern.

Wolfratshausen – Die Diskussion über mehr weibliche Straßennamen im Wolfratshauser Stadtgebiet veranlasste den Historischen Verein im April zur Gründung der Arbeitsgruppe „Wolfratshauser Weibsbilder“. Das Ziel: Mit der Erstellung von Kurzbiografien möchten die Mitglieder an verstorbene und manchmal in Vergessenheit geratene Frauen aus der Wolfratshauser Geschichte erinnern. Ende dieses Jahres sollen die Ergebnisse nun in Form eines Kalenders erscheinen und später als Figuren-Kunstwerke auf öffentlichen Plätzen ausgestellt werden.

Die innerhalb weniger Monate stark gewachsene Gruppe von Frauen und Männern präsentierte sich jetzt vor einem geschichtsträchtigen Haus an der Bergwaldtreppe hinter der Kirche St. Andreas. „Hier verbrachte Lou Andreas-Salomé einst einen Liebessommer mit dem Dichter Rainer Maria Rilke“, erklärte Dr. Sybille Krafft. Die Vorsitzende des Historischen Vereins wies darauf hin, dass Journalist Wolfgang Schäl diesen Kurzbiografiebeitrag bereits abgeschlossen hat.

Andere Mitglieder der Arbeitsgruppe stecken noch mitten in den Recherchen. „Der Quellen- und Fotobestand zu Frauen, die im 18. Jahrhundert in Wolfratshausen gelebt haben, ist überschaubar“, stellte Simon Kalleder fest. Der Stadtarchivar beschäftigt sich mit dem bisher unerforschten Alltag der Posthalterin Anna-Maria Doll. Mehr Informationen gibt es zur ehemaligen Grünen-Stadträtin Carola Lössl, die 2010 viel zu jung, kurz vor ihrem 57. Geburtstag, verstarb. „Ihre Angehörigen haben mir viel über sie erzählt“, berichtete Rathaus-Mitarbeiterin Alexandra von Alvensleben.

Andere Arbeitsgruppenmitglieder wie der Musikkabarettist Josef Brustmann oder die Flößerei-Betreiberin Monika Heidl-Seitner schreiben über das Leben ihrer verstorbenen Mütter. Hinzu kommen die Schicksale von jüdischen Holocaust-Überlebenden aus dem einstigen DP-Lager Föhrenwald oder Legendengestalten wie das von Ludwig Gollwitzer porträtierte Wolfratshauser Marktgschlerf. „Das ist eine bunt gemischte Truppe – quer durch die Jahrhunderte“, bilanzierte Krafft. Sie setzte den Arbeitsgruppenmitglieder eine Abgabefrist bis zum 1. September. Denn am Christkindlmarkt in Wolfratshausen, der voraussichtlich am 28. November stattfindet, soll ein „immerwährender Kalender“ mit den Biografien der Weibsbilder in Druckform erhältlich sein.

Etwas mehr Zeit wird dann die Erstellung von 25 beidseitig bedruckten Figuren in Silhouettenform beanspruchen. Eva Wawatschek, Kunstlehrerin am Waldramer St.-Matthias-Kolleg, wird Schüler bei der grafischen Gestaltung anleiten. Läuft alles nach Plan, könnten die fertigen Exemplare am kommenden Weltfrauentag (8. März 2022) im öffentlichen Raum zu sehen sein. Denkbare Standorte wären laut Krafft der Marienplatz, der Rathausinnenhof und der Kolpingplatz in Waldram.

ph

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